AZADI infodienst nr. 100
april 2011


 

zur sache: tÜrkei

 

Erdogan lässt armenisches Friedensdenkmal in Kars abreißen
ZAD: Ankara an Versöhnung nicht interessiert

„Mit diesem barbarischen Akt unterstreicht Ankara einmal mehr, dass es an einer Versöhnung nicht interessiert ist,“ kommentiert der Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland (ZAD), Azat Ordukhanyan, den von Ministerpräsident Erdogan angekündigten Abriss eines 2008 errichteten Friedensdenkmals in der Stadt Kars. Das von dem Künstler Mehmet Aksoy geschaffene Kunstwerk sollte das „erste zarte Signal der Versöhnung hinüber ins benachbarte Armenien“ sein. Mit der Zerstörung des Friedensdenkmals, das „keineswegs dem Völkermord gewidmet“ gewesen sei, werde nun „jede Hoffnung zerstört, dass Ankara in absehbarer Zeit den Weg einer friedlichen Aufarbeitung der eigenen Geschichte geht.“ Doch selbst diese „vorsichtige Annäherung“ sei der türkischen Regierung offenbar schon „zu viel“.

Armenier fordern Mahnmal in Berlin

Aus Anlass der einhundertsten Wiederkehr – am 24. April 2015 –  „der dunkelsten armenischen Nacht, des Genozids, des Menschheitsverbrechens“ fordert der ZAD die Errichtung eines Mahnmals in Berlin für die Opfer des Völkermords an den Armeniern. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Genozidleugnung durch die türkische Regierung, bekomme diese Forderung ein „erhebliches Gewicht“. „Die Armenier dürfen nicht trauern, wo ihre Vorfahren ermordet worden sind. Aber wir brauchen hier, in der erzwungenen Diaspora, einen Ort der Erinnerung, einen Ort, an dem wir Blumen ablegen und uns die Toten ins Gedächtnis rufen können. Deutschland als engster Verbündeter des damaligen osmanischen Reichs hat dem Völkermord zugeschaut, hat jede Hilfe verweigert und hat ein Jahrzehnt andauerndes Schweigekartell zu diesen Ereignissen aufgebaut,“ so Azat Ordukhanyan.

(ZAD-Pressemitteilungen v.27.4.2011/Azadî)

 

Gesperrte KandidatInnen wieder zu Parlamentswahlen zugelassen

Die Oberste Wahlkommission, die am 18. April die kurdische Politikerin Leyla Zana und sechs weitere Kandidaten des linken Wahlbündnisses „Arbeit, Demokratie und Frieden“ für die Parlamentswahlen am 12. Juni augeschlossen hatte, nahm diese Entscheidung letztlich wegen der Massenproteste der Bevölkerung wieder zurück. Unter den wieder Zugelassenen sind auch die bisherigen Abgeordneten der kurdischen Partei für Frieden und Demokratie, BDP, Gülten Kisanak und Sebahat Tuncel sowie der türkische Intellektuelle und frühere Stadtguerillero Ertugrul Kürkcü. Wegen ihrer politisch bedingten Vorstrafen hatte die Wahlkommission zwölf kurdische und sozialistische DirektkandidatInnen gesperrt.

(jw/Azadî, 23,./24.4.2011)

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Zum Seitenanfang   zum Seitenanfang