AZADI infodienst nr. 102
juni 2011


 

asyl- und migrationspolitik

 

Steter Tropfen höhlt den Stein:
Ausreisezentrum in Trier wird am 30. Juni geschlossen

Seit der Errichtung des Ausreisezentrums für abgelehnte Asylbewerber_innen vor fast zehn Jahren, protestierten regelmäßig Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen gegen dieses Lager. Nun wird es geschlossen, wie es auch im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung von Rheinland-Pfalz festgelegt worden war. Die Bewohner_innen würden künftig in Wohnungen und kommunalen Einrichtungen untergebracht werden. Nach Angaben der Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier seien seit Eröffnung des Zentrums 279 abgelehnte Asylbewerber_innen „mit verschleierter Identität“ aufgenommen worden.

(ND v. 23.6.2011/Azadî)

 

UNHCR: Zahl der Flüchtlinge weltweit auf höchstem Stand seit 15 Jahren
Hauptlast tragen ärmere Länder der sog. Dritten Welt

Der aktuellen Statistik des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) zufolge wurden Anfang des Jahres 43,7 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene registriert – und damit die Höchstmarke seit 15 Jahren erreicht. In dieser Zahl enthalten sind 27,5 Millionen Binnenflüchtlinge, die entweder in ihrem Heimatland umherirren oder in Nachbarländern Zuflucht suchen. 7,2 Millionen Menschen, die unter dem Schutz des UNHCR stehen, werden kaum mehr eine Chance auf Rückkehr haben. Nach Erkenntnissen der Organisation befinden sich 80 Prozent aller Flüchtlinge in Ländern der sog. Dritten Welt. So hat Pakistan 1,9 Millionen Menschen aufgenommen, der Iran 1,1 und Syrien eine Million.
Und was ist mit Deutschland, einem der wohlhabendsten Länder der Welt? 594 000 Flüchtlingen wurde Asyl gewährt.
„Die Angst vor Flüchtlingsströmen in den Industriestaaten ist stark aufgebauscht oder wird zu Unrecht mit den Migrationsproblemen verknüpft“, so UNHCR-Kommissar António Guterres. Die ganze Last bliebe den ärmeren Ländern überlassen, z.B. Tunesien, das seit Februar 540 000 Menschen aus Libyen aufgenommen hat. An den europäischen Küsten sind seit Beginn der Aufstände in arabischen Ländern und Libyen 12 360 Flüchtlinge aus Nordafrika eingetroffen – wohl kaum ein Massenansturm.
Nach Schätzungen des UNHCR haben rund 800 Menschen ihr Leben durch das Kentern von Booten verloren.

(FR v.20.6.2011/Azadî)

 

 

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