AZADI infodienst nr. 103
juli 2011


 

asyl- und migrationspolitik

 

Kein Mensch ist illegal !
Flüchtlingsinitiative STAY! hilft Frauen ohne Papiere

Unter dem Motto "Keine Schwangerschaft ist illegal" hat die seit drei Jahren bestehende Flüchtlingsinitiative STAY! eine Kampagne gestartet. Mit ihr will sie auf Probleme von in Deutschland lebenden Migrantinnen ohne Papiere aufmerksam machen, die hier schwanger werden. Der Verein berät die Frauen und vermittelt medizinische Hilfe, z.B. an das MediNetz, das in verschiedenen Städten Unterstützung anbietet. "Damit die Frauen ihr Kind nicht irgendwo bekommen müssen, arbeiten wir mit Krankenhäusern und Praxen zusammen, in denen Mediziner kostenlos entbinden", erklärt Nicole Tauscher, Sozial- und Rechtsberaterin bei STAY! gegenüber der jungen welt. Schwangere können noch sechs Wochen vor ihrer Entbindung und schon acht Wochen danach abgeschoben werden. Und wenn sie bleiben, gibt es neue Probleme: "Die Frauen haben dann ein Kind ohne legalen Status, das also nicht zum Arzt gehen kann, nicht in die Schule und so weiter", sagt Simone Froschauer, die als Krankenschwester ehrenamtlich bei STAY! arbeitet. Zwangsheirat oder Gewalt durch den Ehemann werden als Fluchtgründe nicht anerkannt. Nur für den Fall, dass der Vater eines Kindes Deutscher ist oder als Migrant über einen gesicherten Aufenthaltsstatus verfügt, erhält das Neugeborene die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Mutter darf dann bis zur Volljährigkeit des Kindes in Deutschland bleiben. Erkennt ein Mann jedoch die Vaterschaft nicht an, erhält die Frau kein Aufenthaltsrecht.
Der Verein STAY! finanziert sich ausschließlich durch Spenden und die ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen halten ihn am Leben. Am 17. September wird in Düsseldorf eine Konferenz von STAY! , dem Netzwerk ATTAC und der Gewerkschaft ver.di über die Rechte von Menschen ohne Papiere stattfinden. Kontakt: www.stay-duesseldorf.de

(jw v. 8.7.2011/Azadî)

 

PRO ASYL fordert Abschaffung von Videobefragungen

Das Bundesinnenministerium nennt sie „effizient“ und „positiv“, die Flüchtlingsorganisation PRO ASYL fordert deren Abschaffung. Es geht um Videobefragungen von Asylbewerberinnen und –bewerbern, die das Bundesamt für Migration per Video-Live-Schaltung durchführt und bei denen sich die Mitarbeiter nicht mehr im selben Raum wie der/die Befragte aufhalten. So befänden sich Asylsuchende beispielsweise im niedersächsischen Aufnahmelager Friedland vor einer Kamera. Häufig seien Flüchtlinge im Herkunftsland während der Inhaftierung mit Kameras überwacht worden. "Wer so etwas erlebt hat, kann nicht mehr offen in eine Kamera sprechen", erklärt Bernd Mesovic von PRO ASYL.

(FR v. 12.7.2011)

 

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Zum Seitenanfang   zum Seitenanfang