Asyl- und Migrationspolitik
Wie neu geboren durch Namensänderung
Das folgende Beispiel eines kurdischen Studenten, der deutscher Staatsbürger ist, sollte und könnte unserer Meinung nach Schule machen:
Er hat nämlich bei dem in seiner Stadt zuständigen Standesamt die Änderung seines (türkischen) Vor- und Nachnamens (§ 3 NamÄndG) beantragt.
Die Gründe für den Wunsch nach Namensänderung hat er in seinem Antrag ausführlich dargestellt und geschildert, dass seine Familie „seit Gründung der Republik Türkei“ unter diesem „Schicksal“ gelitten habe, denn nicht nur seien die Vornamen seiner Väter, sondern auch der Nachname in Celik „getürkt“ worden. Der ursprüngliche Name sei Azad gewesen; offizielle Dokumente hierüber seien mit Republikgründung vernichtet worden. „Hierdurch wird eindeutig, dass meine wahre Identität schon im Kindesalter durch die türkische Staatsregierung abgelehnt und somit verleugnet wurde, ja, sogar immer noch wird“, schreibt er und betont, dass hierdurch die „verfassungsrechtlichen Grundprinzipien meiner menschlichen Würde verletzt“ würden.
Mit seinem Vor- und Nachnamen assoziiere er „sowohl Unterdrückung als auch den in den 1990er Jahren geführten Krieg in Kurdistan“. So sei er im Sommer 1989 „quasi in den Krieg hinein geboren“ worden, in eine Zeit, in dem der Ausnahmezustand gegolten habe. „Die türkischen Sicherheitskräfte (türkisch: Celik Kuvvet) haben mit brutalsten Maßnahmen 4 000 kurdische Dörfer zerstört, indem sie unsere Häuser niederbrannten. Hierdurch wurden 400 000 Menschen obdachlos“. Deshalb sei die Familie 1995 „nach Deutschland eingewandert“. Im Winter 1994 habe es einen Überfall auf sein Dorf gegeben: „Die Soldaten brachen unsere Haustür ein und zerrten uns in der Morgendämmerung aus dem Schlaf. Plötzlich standen wir in Nachtkleidung und barfuß im kalten Schnee. Mein Vater und ältere Familienangehörige wurden mit Gewalt zur Dorfschule gebracht und dort stundenlang im Schnee nackt gefoltert.“ Aus diesem und vielen anderen Gründen wünsche er, „die mir zugeordneten Namen des türkischen Staates, die Ursache für psychische Probleme sind, abzulegen“, weil er „von dessen Sicherheitskräften gewalttätig misshandelt worden“ sei. Er glaube, sich mit diesem Schritt „ein Stück weit von Gewalt“ und der Traumatisierung durch den Krieg in Kurdistan erlösen zu können.
Als „deutscher Bürger mit kurdischer Abstammung“ erwarte er, dass man ihm das „Recht auf eine autonome Identität gewährt“, damit er sich „als Individuum in einer Gesellschaft integrieren“ könne.
Dem Antrag wurde stattgegeben und heute ist er stolz auf seinen kurdischen Namen: Kurd Azad.
(Azadî)