AZADI infodienst nr. 105
september 2011


 

Neu Erschienen

 

Neues Buch über die Todesnacht in der JVA Stuttgart-Stammheim erschienen

18. Oktober 1977: In den Radionachrichten wird der Tod der RAF-Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe gemeldet. In der staatsoffiziellen Darstellung hieß es, sie hätten aus Verzweiflung kollektiven Selbstmord begangen. Zuvor war in der Nacht die von einem palästinensischen Kommando entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ von der deutschen Polizeispezialeinheit GSG 9 in Mogadischu/Somalia gestürmt worden. Mit der Entführung hätten die in der JVA Stuttgart-Stammheim einsitzenden RAF-Gefangenen befreit werden sollen. Journalisten, ehemalige RAF-Anwälte oder linke Aktivist_innen bezweifelten die Selbstmordtheorie und stellten eigene Recherchen an. Im Jahre 2007 war die 30jährige Sperrfrist für Aktenmaterial über die RAF in den Bundes- und Landesarchiven ausgelaufen. Das nahm der IT-Experte Helge Lehmann zum Anlass, die Geschehnisse um den Tod der RAF-Gefangenen neu aufzurollen. Daraus entstand sein Buch „Die Todesnacht in Stammheim“.
Alexander Bahar, der ein Buch über Folter im 21. Jahrhundert (2009, dtv) geschrieben hat, verfasste in der jungen welt eine Rezension über Helge Lehmanns Untersuchung. So schrieb er u.a.: „Trotz intensiver Bemühungen konnte Lehmann nicht alle verfügbaren Akten zum Baader-Meinhof-Komplex Einsehen. Gesperrt sind nach wie vor Teile der Akten aus dem Krisenstab zur Abhöraffäre, über die GSG 9 und Akten des BKA, die weiterhin als streng geheim eingestuft werden. Der Autor erhielt die Auskunft, dass die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland bei Akteneinsicht gefährdet sei. Auch  so belegt die von Lehmann präsentierte Indizienkette, dass die zuständigen Behörden sowohl einseitig als auch oberflächlich, lücken- und fehlerhaft ermittelten, indem sie offenkundigen Widersprüchen zur Selbstmordtheorie, auf die sie sich vorzeitig festgelegt hatten, nicht nachgingen. Lehmann ist vorsichtig, spricht, obwohl es naheliegt, nicht von Mord, sondern lediglich von ‚diversen Indizien, die eine Fremdeinwirkung nicht ausschließen‘.“ Man müsse „dem Autor attestieren, dass er sehr sorgfältig gearbeitet und in der Tat eine beeindruckende Indizienkette vorgelegt“ habe, „die im Grunde genommen nur einen Schluss zulässt: Mord.“
Es muss noch erwähnt werden, dass die RAF-Gefangene Irmgard Möller schwer verletzt in ihrer Zelle aufgefunden worden war. Sie ist die einzige, die diese Nacht überlebt hat.

Helge Lehmann: Die Todesnacht in Stammheim. Eine Untersuchung. Indizienprozess gegen die staatsoffizielle Darstellung und das Todesermittlungsverfahren. Mit Dokumenten-CD.
Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 2011, 237 Seiten, 19,90 Euro

(jw, 13., 14.9.2011/Azadî)

 

Broschürenreihe „Deutschland und die Welt“:
Band 80 „Familienzusammenführung“

Der neu erschienene Band 80 der Broschürenreihe „Deutschland und die Welt“ des Magazin-Verlages beschäftigt sich mit der Thematik rund um die Familienzusammenführung. Erläutert wird das Visumverfahren, die Beantragung der Aufenthaltserlaubnis, das Problem der Sprachtests sowie die Sicherung des Lebensunterhalts. In einem Kapitel geht es aber auch um den Verdacht von Scheinehen und entsprechende Befragungen durch Behörden. Die (ausländerrechtlichen) Folgen bei Trennung oder Scheidung werden ebenso thematisiert wie die Besonderheiten für EU-Bürger_innen und Einwanderern aus der Türkei.
Außerdem sind zwei weitere aktualisierte Hefte – zum Aufenthaltsgesetz (Band 62) sowie zur Abschiebepolitik (Band 79) – erschienen.
Der Einzelpreis beträgt 2,— € + Versandkosten; drei Broschüren zusammen können für 5,— € inkl. Versand bezogen worden. Wiederverkäufer für den Buchhandel oder zur Auslegung auf Infotischen, erhalten ab 5 Exemplare einen Rabatt von 30 Prozent.
Bezugsadresse: bestellung@gegenwind.info; www.brd-dritte-welt.de

 

 

 

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