AZADI infodienst nr. 106
oktober 2011


 

Deutschland Spezial

 

Türkische Rechtsterroristen unter deutschem Schutz

Nach einem Bericht der Tageszeitung Hürriyet hat ein gesuchter türkischer Rechtsterrorist, der an dem so genannten „Sivas-Massaker” beteiligt war, jahrelang unbehelligt in Deutschland gelebt. Vahit Kaynar, der mit einem Flüchtlingspass reiste, war Ende September aufgrund eines Interpolhaftbefehls an der Grenze zu Polen festgenommen worden. Während die türkische Justiz die Auslieferung von Kaynar beantragt hat, fordern dessen Anwälte eine Rücküberstellung nach Deutschland.
Islamisten und Faschisten hatten am 2. Juli 1993 das Madimak-Hotel in Sivas, in dem ein alevitisches Festival stattfand, belagert und in Brand gesetzt. Erst acht Stunden später griffen Polizei und Feuerwehr ein; 33 linksgerichtete Intellektuelle und Künstler sowie zwei Hotelangestellte sind in dem Gebäude verbrannt. Es gilt als gesichert, dass die staatliche Konterguerilla maßgeblich an diesem Pogrom beteiligt war.
Kaynar war mit anderen Beteiligten zum Tode verurteilt worden, was später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Nach einem Jahr ist Kaynar nach Deutschland entkommen.
Auch führende Mitglieder der so genannten „türkischen Hisbollah” (TH), die in den 1990er Jahren in staatlichem Auftrag zahlreiche kurdische Zivilisten ermordet haben, konnten nach Ausschaltung der Organisation im Jahre 1999 nach Deutschland fliehen. Von hier aus betreiben sie – unter den Augen des Verfassungsschutzes – unbehelligt den Wiederaufbau der Organisation in der Türkei.

(jw v. 12.10.2011/Azadî)

 

 

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