AZADI infodienst nr. 91
juli 2010


 

Kurdistan

 

Kriegsbilanz

Laut Bilanz der kurdischen Guerilla HPG für Juni wurden seit Aufkündigung des sechsten einseitigen Waffenstillstands 52 Guerillaaktionen durchgeführt, bei denen 126 Soldaten und 25 Guerillas getötet worden sind. Weiter wurden 4 Sikorsky-Helikopter getroffen, 2 Panzer und 18 gepanzerte Fahrzeuge zerstört und mindestens 18 Waffen und größere Mengen an Ausrüstung beschlagnahmt. Die türkische Armee hat im Juni 37 Operationen durchgeführt, bei denen es zu 15 direkten Gefechten gekommen ist.
Mehrfache Versuche des Militärs, auf das Gebiet der Guerilla im Nordirak/Südkurdistan vorzudringen, konnte zurückgeschlagen werden.

(Azadî/ANF/ISKU, 2.7.2010)

 

Protest gegen Stadtzerstörung und Grabplünderungen in Hasankeyf

Mehrere hundert Menschen protestierten gegen die Abtragungen der Stadt Hasankeyf, weil die historischen Strukturen wegen der geplanten Überflutung für den Bau des Ilisu-Staudamms zerstört werden. Sie kritisierten insbesondere, dass Knochen aus den Friedhofsgräbern entnommen und wahllos verstreut wurden. „Hasankeyf gehört uns, die Gräber auch“, war auf Transparenten zu lesen. Die Protestierenden verlangten Respekt für die Gefühle und Spiritualität der Bewohner_innen. Eine Woche zuvor waren vier Personen festgenommen worden, weil sie die Knochen wieder eingesammelt hatten.

(Azadî/Initiative zur Rettung von Hasankeyf v. 15.7.2010)

 

Murat Karayilan bietet Niederlegung der Waffen an – unter Bedingungen
Türkische Regierung: Kein Kommentar zu «Aussagen von Terroristen»

„Wenn das Kurdenproblem auf demokratischem Wege über Verhandlungen gelöst wird, dann werden wir die Waffen niederlegen,“ erklärte der Exekutivratsvorsitzende der „Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans“ (KCK), Murat Karayilan, in einem Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC. Voraussetzung sei, dass die türkische Regierung u.a. einen Waffenstillstand und die Aufnahme eines Dialoges akzeptiere. Ferner müssten die Angriffe der türkischen Armee auf Zivilist_innen und Verhaftungen kurdischer Politiker_innen beendet werden. Weigere sich die Regierung, werde die PKK die Unabhängigkeit der Kurdenregion im Südosten der Türkei ausrufen.
Ein Sprecher der Regierung in Ankara reagierte wie alle Jahre zuvor und sagte auf Nachfragen von BBC zu Karayilans Vorschlägen, dass man die „Aussagen von Terroristen“ nicht kommentiere.

(Azadî/Der Standard/ISKU, 21.7.2010)

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Zum Seitenanfang   zum Seitenanfang