AZADI infodienst nr. 94
oktober 2010


 

neu erschienen

 

Verteidigungsschriften von Abdullah Öcalan auf Deutsch erschienen:
Beharrlich für Freiheit, Gleichheit und Demokratie

„Dieses Buch ist die bisher ausführlichste Darstellung von Philosophie und Politik der PKK und der kurdischen Befreiungsbewegung aus der Feder ihres wichtigsten politischen Repräsentanten“, lautet die Ankündigung der im September erschienenen Verteidigungsschriften von Abdullah Öcalan, die er unter strengsten Isolationshaftbedingungen verfasst hat. Die erste 550 Seiten umfassende Auflage trägt den Titel „Jenseits von Staat, Macht und Gewalt“. Im Vorwort schreibt Cemil Bayik, PKK-Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des KCK [Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans] u. a.: „Das Denken Abdullah Öcalans hat die kurdische Gesellschaft nachhaltig verändert. Sie befindet sich nunmehr in einem hochdynamischen Prozess der eigenen Demokratisierung. Dieser Funke ist geeignet, auf andere Gesellschaften des Mittleren Ostens überzuspringen, was wiederum diese Länder grundlegend verändern wird.“
In sechs Kapiteln setzt sich Abdullah Öcalan mit grundsätzlichen Fragen der Entwicklung von der Sklaven- bis zu kapitalistischen Gesellschaft auseinander, mit kommunalen und demokratischen Werten in der Geschichte. Er entwickelt Skizzen einer demokratischen und ökologischen Gesellschaft, beschreibt ausführlich den Zustand der Zivilisation des Mittleren Ostens in Vergangenheit und Gegenwart, um sich konkret der Zukunft der Region in demokratischer, ökonomischer, ökologischer Hinsicht zuzuwenden. Einen eigenen Abschnitt widmet Abdullah Öcalan der „Freiheit der Frau“, die „im Brennpunkt aller gesellschaftlichen Probleme“ des Mittleren Ostens stehe. Er schreibt u. a.: „Das Niveau der Freiheit einer Gesellschaft lässt sich am Niveau der Freiheit der Frau ablesen.“,, Zu einem Kampf für ein „Leben in Freiheit“ gehöre auch der „Kampf gegen die patriarchale Ideologie und Moral sowie ihren Einfluss auf Gesellschaft und Individuen.“
Mit den Kurden, der kurdische Frage, der kurdisch-türkischen Beziehungen von den ersten Kontakten bis zur Republikwerdung und weiter in die Jetztzeit der Türkei mit ihren verschiedenen politischen Strömungen, befasst sich das 4. Kapitel. Breiten Raum nimmt auch die Geschichte der PKK ein, die Darstellung von „Kritik und Selbstkritik im Namen der PKK“, die Grundlagen ihrer Programmatik, Organisierung und ihrer „demokratischen Aktions- und Lösungsmöglichkeiten“. In einem Abschnitt, den Öcalan den „zweiten Weg“ nennt, schreibt er u.a.: „Wenn alle unsere Aufrufe und Warnungen ohne Antwort bleiben, wenn man weiterhin alle Hoffnungen und Bestrebungen unseres Volkes für Freiheit, Gleichheit und Demokratie hinterhältig mit Spezialkriegsmethoden unterdrückt, wenn beharrlich Praktiken fortgesetzt werden, die mit den revolutionären Prinzipien der Republik, der Einheit des Landes und zeitgenössischen Ausdrucksformen von Staat und Nation nicht in Einklang zu bringen sind, dann wird man mit einem umfassenden Selbstverteidigungskrieg antworten.“
Daran schließt sich eine grundlegende Kritik an der Rolle des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und der EU im Fall des Öcalan-Prozesses an. Dieser hatte sich mit einer Beschwerde wegen seiner Verschleppung aus Kenia in die Türkei und das gegen ihn verhängte Gerichtsurteil gewandt. Zwar hatte der EGMR in seinem Urteil vom 6. Mai 2003 den Prozess als unfair bezeichnet, es andererseits aber als nicht unrechtmäßig erachtet, dass Öcalan infolge einer geheimdienstlich organisierten Entführung vor Gericht gebracht worden ist. „Diese Ansicht bzw. dieses Urteil ist seinem Wesen nach ausschließlich politisch und stellt selbst eine Fortsetzung des Komplotts dar. Es wurde bereits vorab als Teil einer Planung festgelegt“, resümiert er.
Im Anhang finden sich Zeittafeln der Geschichte der Türkei, der jüngeren Geschichte Kurdistans sowie eine Chronologie der PKK. Es folgt ein Verzeichnis von Büchern, die dem Autor für seine Verteidigungsschriften zur Verfügung standen bzw. die im Text oder in Fußnoten erwähnt werden.

 

Abdullah Öcalan: Jenseits von Staat, Macht und Gewalt

Mezopotamien Verlags GmbH, 573 Seiten, Softcover: 15,— €
Herausgeberin: Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan, Postfach 100 511, 50445 Köln, www.freedom-for-ocalan.com

 

 

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