Pressemitteilung Nr. 7
(5.3.1999)
Antep: Studenten der Universität Antep wurden von der Polizei und
von Faschisten (MHP) angegriffen. 4 Studenten wurden schwer verletzt, 30
verhaftet. Aus diesem Anlaß wurde eine Pressekonferenz der Studenten
auf dem Campus abgehalten, wo u.a. dagegen protestiert wurde, daß
anstatt die Angreifer zu verhaften, die Betroffenen von der Polizei verhaftet
wurden.
Ankara: Ali Urküt, Vorsitzender der Gesundheitsgewerkschaft SIS
ist immer noch in Haft. Die Staatsanwaltschaft Ankara hat gegen den Vorsitzenden
der Gewerkschaft (75.000 Mitglieder) ein Verfahren eingeleitet. Er hatte
eine Presseerklärung abgegeben, als A. Öcalan auf seiner Flucht
in Rom eintraf. Dabei sagte er, daß das Kurdenproblem in der
Türkei auf friedlichem und demokratischem Weg gelöst werden sollte.
Gelder, die in den Krieg gesteckt werden, sollten lieber zur Verbesserung
der Lebenssituation der Arbeiter eingesetzt werden. Die Gewerkschaft hat
bis jetzt 20 Mitglieder durch sog. „Todesschwadronen“ verloren. Ali Ürküts
Anwalt forderte seine Freilassung. Er bleibt jedoch weiterhin in Haft,
sein Verfahren wurde auf den 5.4.1999 vertagt. (Ö.P. 5.3., S. 4)
Das Kulturzentrum Emek wurde geschlossen, da ohne Polizeierlaubnis
kulturelle Kurse abgehalten wurden. In letzter Zeit wurden willkürlich
verschiedene Kulturvereine von der Polizei geschlossen, dabei finden ebenso
willkürlich Verhaftungen der Mitglieder statt. (Ö.P. 5.3.)
Nusaybin: Nachdem Ladenbesitzer als Protestaktion ihre Geschäfte
geschlossen hatten, wurden 4 HADEP-Vorstandsmitglieder, und zwar Celal
Ata, Hamdin Toran, Seyithan Efe, Süleyman Pektay, festgenommen. Man
wirft ihnen vor, zu dieser Aktion aufgerufen zu haben. (Ö.P. 5.3.)
Anweisung des türkischen Justizministeriums
Das Justizministerium der Türkei hat eine Anweisung an die Staatsanwälte
herausgegeben, nach der sie sich nicht mehr öffentlich über den
Fall Öcalan äußern dürfen.
Prof. Dr. Selcuk Öztek (Justizminister):
1. Der Staat muß mit Entschlossenheit gegen unerlaubte Proteste,
die die Sache Öcalan betreffen, durchgreifen.
2. Jegliche Presseerklärungen/Veröffentlichungen, etc., die
das türkische
Rechtssystem in Frage stellen, die das türkische Volk demoralisieren,
bzw. separatistische Tendenzen beinhalten, sollen unterbunden werden.
3. Stiftungen, Vereine, politische Vereine, Persönlichkeiten,
die A. Öcalan durch ihr Gedankengut unterstützen (direkt oder
indirekt, mit oder ohne politische Äußerungen) müssen verfolgt
werden.
4. Stiftungen, die direkt, oder indirekt politischen, kulturellen Separatismus
betreiben, müssen geschlossen werden, bzw. es müssen rechtliche
Schritte gegen sie eingeleitet werden.
5. Institutionen, kulturelle Vereine, Journalisten, Radiostationen,
Zeitschriften, Fernsehstationen, die sich zum
Fall Öcalan äußern, direkt, oder indirekt, müssen
sofort der Zensur-
Institution RTÜK gemeldet werden. (4.3.,
Hürriyet)
Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt.
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Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir
ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P
= Özgür Politika)