Pressemitteilung Nr. 8
(8.3.1999)
Monatsbericht des Menschenrechtsvereins (IHD) für Februar 1999:
Der IHD legte am 6.3. in Istanbul im Rahmen einer Pressekonferenz,
bei der u.a. der Verleger Ragip Zarokoglu, der Künstler Suavi, sowie
ein Mitglied von amnesty international, Helmut Oberdiek, teilnahmen, vor.
Leiterin war die Vorsitzende des IHD Istanbul, Eren Keskin.
Im Februar hat die Zensur-Institution RTÜK mit unterschiedlichen
Begründungen 20 Radio- und Fernsehstationen für 117 Tage geschlossen.
Wegen freier Meinungsäußerung wurden 16 Personen verurteilt,
davon 3 rechtskräftig
Das Staatssicherheitsgericht hat 21 Zeitungen und Zeitschriften verboten.
Die Verantwortlichen erwartet eine Haftstrafe von 23 Jahren, 8 Monate
und 20 Tage.
Eine Partei wurde verboten, gegen eine weitere Partei wurde ein Verfahren
eingeleitet (HADEP).
63 Parteizentralen, Parteibüros, Kulturzentren, Vereine wurden
von der Polizei durchsucht und gestürmt. 417 Personen wurden dabei
verhaftet, bzw. in Untersuchungshaft genommen.
Menschenrechtsvereine verurteilen das Vorgehen des Staates gegen freie
Meinungsäußerung
Die Repressionen gegen Intellektuelle und Künstler nehmen weiter
zu.
Die Anweisungen des Justizministerum wurden vom IHD verurteilt (siehe
4.3.
Hürriyet, Pressemitteilung Nr. 7)
Der IHD protestiert gegen das Vorgehen des Staatssicherheitsgerichtes,
DGM, und fordert dessen Abschaffung.
Der Vorsitzende vom IHD, Hüseyin Bicen, begründet diese Forderung
damit, daß das DGM gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstoße.
Die Rechtsprechung des DGM biete vielen Menschen nicht mehr die Chance
auf einen fairen Prozess, wodurch der Rechtsstaat das Vertrauen der Bevölkerung
verliere. (4.3. Hürriyet).
Gegen den Rechtsanwalt von A. Öcalan (Ahmet Zeki Okcuoglu) wurde
ein Verfahren eingeleitet. Man wirft ihm vor, die Regierung, den Staat
und dessen Sicherheitskräfte beleidigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft
forderte beim Justizministerium eine Haftstrafe von 1 Jahr und 6 Monate.
(4.3. Hürriyet)
Die traditionellen Treffen der Samstags-Mütter in Istanbul wurden
wieder verboten. Der Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis wurde ohne Begründung
abgelehnt. Das Polizeiaufgebot vor dem Galatasaray-Gymnasium wurde verstärkt,
der Platz wurde komplett gesperrt. Die Samstagsmütter gaben daraufhin
eine Presseerklärung beim IHD ab. (4.3. Hürriyet)
Das demokratische Kulturzentrum Anatolien in Frankreich hat den Samstagsmüttern
sybolisch einen Preis verliehen. Außerdem erhalten sie hunderte von
Solidaritätsbriefen aus aller Welt für ihren Einsatz für
die Menschenrechte. (Evrensel 7.3.) amnesty international hat europaweit
Solidaritätsaktionen für die Samstagsmütter gestartet. Sie
fordern fdie Beendigung der staatlichen Repressionen auf die Samstagsmütter.
Istanbul: Bülent Kudis wurde um 4.00 Uhr morgens von der Gendarmerie
zuhause festgenommen. Sein Bruder Ibrahim fürchtet um dessen Leben.
Er sagte, daß sein Bruder grundlos verhaftet wurde, er kennt dessen
derzeitigen Aufenthaltsort nicht, auch bekommt er darüber keinerlei
Informationen. (7.3. Evrensel)
Adana: Cukurova Unisersität: Bei einer Presseerklärung wurde
der Student Emel Toker verhaftet.
Bursa: 20 Studenten der Uludage-Universität wurden nach Protesten
gegen schlechtes Essen und erhöhte Essenspreise verhaftet. (7.3. Evrensel)
Canköre: 15 Studenten wurden nach einem Anschlag auf den Gouverneur
verhaftet.
(7.3. Evrensel)
Mahnisa: Akhisar: Studenten wollten mit 15.000 gesammelten Unterschriften
mit einer Presseerklärung gegen eine geplante Änderung der Prüfungsordnung
an der Universität protestieren. Die Polizei verhinderte dies. Als
250 Studenten die Presseerklärung an einem anderen Ort verlesen wollten,
wurden 16 verhaftet. (7.3. Evrensel)
Kocueli: 2000 Mitglieder des Gewerkschaftsbundes KESK, der Partei EMEP
und der Partei ÖDP wollten zusammen eine Presseerklärung zum
internationalen Frauentag abgeben. Die Versammlung wurde von der Polizei
umzingelt. Es gab viele Festnahmen von explizit Gewerkschaftsmitgliedern.
(Ö.P. 8.3.)
Antep: Der Gouverneur von Antep hat eine Veranstaltung zum Internationalen
Frauentag des IHD verboten. (Ö.P. 8.3.)
Ceyhan: Anträge von Frauenverbänden der Parteien EMEP und
ÖDP auf Kundgebungen zum Internationalen Frauentag wurden abgelehnt.
(Ö.P. 8.3.)
Ankara: 150 Frauen diverser Gewerkschaften und Parteien wollten eine
Pressekonferenz abhalten. Dabei kam es zu auseinandersetzungen zwischen
den Frauen und der Polizei. (Ö.P. 8.3.)
Erzincan: Am 24.2. wurde der Lehrer Hüseyin Akpinar von MIT-Leuten
(Geheimdienst) festgenommen. Dagegen haben 100 Personen beim Gouverneur
protestiert. (Ö.P. 8.3.)
Izmir: Folgende Zeitungen, Zeitschriften und Zentren wurden von der
Polizei gestürmt:
Azadiye Welat, Özgür Halk, Mezopotamischer Kulturverein,
Mart Ekin Kulturzentrum, Atilim, Kizilbayrak Halkin, Günlügü
usw. (Ö.P. 8.3.)
Istanbul: Die Zeitung Hevi wurde für 10 Tage verboten. Die Zeitung
Kurtulus wurde zensiert (Evrensel 8.3.)
Van: Häuser in Van, die eine Satelliten-Antenne außen installiert
hatten, wurden von der Polizei gestürmt, die Anlagen beschlagmahmt.
In Sirnak und Idil beteiligte sich das Militär an den Hausdurchsuchungen
nach Antennen. (Ö.P. 6.3.)
Idel: In 75 Dörfern wurden die Satelliten-Antennen beschlagnahmt.
(6.3. Ö.P.)
Nusaybin: 200 Menschen wurden festgenommen, die sich an den Ladenschließungen
beteiligt hatten. Darunter befinden sich viele HADEP-Mitglieder. (6.3.
Ö.P.)
Batman: Die Verhaftungswelle in Batman nach der Selbsttötung einer
Kurdin durch Sicherheitskräfte dauern an. Es fanden diverse Verhaftungen
statt, die Polizei gibt keinerlei Auskünfte über den Verbleib
der Verhafteten. (6.3.
Ö.P.)
Mersin: Ecer, der sich am 18. Februar in Mersin aus Protest gegen die
Festnahme von A. Öcalan selbst angezündet hatte, starb am 5.3.1999
im Gefängnis an seinen schweren Verbrennungen, nachdem ihm 10 Tage
lang eine medizinische Hilfe verweigert wurde. Die Polizei beerdigte ihn,
ohne die Angehörigen zu benachrichtigen. (8.3. Ö.P.)
Istanbul: 20 Mitglieder der SIP (Sozialistischen Arbeiterpartei) wurden
verhaftet. Sie wollten eine Presseerklärung zum Internationalen Frauentag
abgeben. Weitere 15 Personen von der ÖDP, der EMEP und der HADEP,
die sich der Presseerklärung anschließen wollten, wurden auch
verhaftet. (Ö.P. 8.3.)
Die Zensur-Institution RTÜK will die Benutzung des Internet in
der Türkei verbieten.
Ministerpäsident Ecevit hat einen Erlaß verabschiedet, nachdem
RTÜK das Internet überprüfen soll.
Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt.
Die Zahlen hinter den Zeitungsna-men und Erscheinungsdaten geben die Seiten
an, auf denen die Artikel standen. Auf Wunsch können wir Ihnen die
Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie zur Verfügung stellen.
Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir
ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P
= Özgür Politika, Evrensel, Hürriyet)