Pressemitteilung Nr. 28
(26.4.1999)
Istanbul-Bagcilar: 6 Männer und eine Frau wurden im Zentrum „Bagcilar
Karanfil Kültür Sanat Merkezi“ bei einer Operation der Anti-Terror-Abteilung
der Polizei verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, daß sie in dem Büro
des Zentrums Aktionen, Plakate und Transparente vorbereiteten. In dem Zentrum
befanden sich nach Polizeiangaben Dokumentationen, die verboten sind. Die
Festgenommenen wurden bei der Polizei verhört und dem Haftrichter
des Staatssicherheitsgerichtes vorgeführt. (Sabah 22.4.)
Istanbul: Alle Veranstaltungen, die am 1. Mai 1999 stattfinden sollen,
wurden von den zuständigen Stellen im Vorfeld mit der Begründung
verboten, daß die Organisationen den 1. Mai zum Anlaß nehmen
wollen, ein Blutvergießen zu veranstalten. Es sollen nach Polizeiangaben
dafür im Vorfeld Vorbereitungen stattgefunden haben. Einige Vorbereitung
sind dabei, die sich auf die Festnahme von A. Öcalan beziehen. Istanbul
soll in Panik versetzt werden. (Sabah, 22.4.)
Ankara: Der Vorsitzende vom MÜSIAD (Verein der Unabhängigen
Arbeitgeberverbände) wurde zu einem Jahr Gefängnis und einer
Geldstrafe von 860.000 TL verurteilt. Er soll auf einer Veranstaltung in
Ankara-Kizilcihamam in seiner Rede die Menschen gegen den Staat aufgehetzt
haben. Der Verein der „Unabhängigen Arbeitgeberverbände“ ist
davon nicht betroffen. (Sabah, 22.4.)
Ankara: Der ehemalige Parlamentsabgeordnete der REFAH-Partei aus Trabzon,
Hasan Mezarci, muß noch 10 Monate ins Gefängnis. Die Verhandlung
fand in seiner Abwesenheit statt. Ihm wurde vorgeworfen, daß er auf
einer Veranstaltung in Trabzon die Moral des Staates beleidigt hat. Gegen
Hasan Mezaci laufen in der Türkei noch viele Verfahren wegen Beleidigung
des Staates und der Veröffentlichung einiger Bücher, in dem er
den türkischen Staat kritisiert hat. (Sabah, 22.4.)
Ankara: Von türkischen Behörden wird ein Antrag auf Ausbürgerung
für den Popsänger Tarkan vorbereitet. Die Behörden, die
für den Militärdienst verantwortlich sind, haben beim Verteidigungsministerium
einen Antrag eingereicht, daß Tarkan die türkische Staatsangehörigkeit
nicht mehr genießen soll. (Sabah, 22.4.)
Ankara: Der IHD-Vorsitzende Akin Birdal und der Schriftsteller Muzaffer
Erdost wurden vom Staatssicherheitsgericht Adana und Ankara zu einem Jahr
Gefängnis verurteilt. Muzaffer Erdost hatte ein Buch über Sivas
veröffentlicht, aufgrund dessen ihm vorgeworfen wird, gegen die Einheit
des Staates zu sein und Propaganda betrieben zu haben. Akin Birdal wird
vorgeworfen, am Weltfriedenstag bei einer Veranstaltung in seiner Rede
in Mersin, den Staat auf schwerste Weise kritisiert zu haben. (Ö.P.
22.4.)
Bestrafungsaktionen des Militärs gegen Dörfer, die die HADEP
gewählt haben
Diyarbakir: Das zu Cinar gehörende Dorf Ervendi wurde von Militäreinheiten
überfallen. Die Menschen wurden aus ihren Häusern auf den Dorfplatz
getrieben und dort von den Militäreinheiten verprügelt, Grund
war, weil viele Menschen aus dem Dorf die HADEP gewählt hatten. Viele
Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. (Ö.P. 23.4.)
Auch in den Dörfern Nive und Merzik wurden durch Militäreinheiten
die Menschen zusammengeschlagen. Der Dorfbürgermeister der HADEP wurde
schwer verletzt. Die Bemühungen der HADEP aus Diyarbakir, Zutritt
zu den Dörfern zu bekommen, wurde vom Militär verhindert. (Ö.P.
23.4.)
Mardin: Menschen aus umliegenden Dörfern von Mardin werden durch
Einheiten des Militärs bestraft, weil sie die HADEP gewählt haben.
Die Vorgehensweise des Militärs wurde von der Wahlkommissions-Sprecherin,
Emine Erten, bestätigt. (Ö.P. 23.4.)
Mus: HADEP-Wahlhelfer wurden vom Militär zusammengeschlagen. (23.4.
Ö.P.) Dorfschützer aus Hakkari, Sirnak, Erzurum wurden durch
das Militär bedroht, daß ihnen Repressionen bevorstehen, weil
sie bei der Wahl HADEP gewählt hätten. (Ö.P. 23.4.)
Mus-Malazgir: Der HADEP-Bürgermeisterkandidat wurde bei der zweiten
Auszählung zum Verlierer erklärt, obwohl er über 100 Stimmen
mehr hatte. (Ö.P. 23.4.)
Batman-Kozluk: Die Urnen der Dörfer wurden vom Militär zur
Militärstation mitgenommen und dort ausgezählt. Die Stimmzettel
wurden offen ausgetauscht und die für die HADEP offen verbrannt. (Ö.P.
23.4.)
Batman-Sosan: Der Gouverneur von Sosan hat die Menschen mit Gewalt
gezwungen, ihre Stimmen für die MHP oder DSP abzugeben. (Ö.P.
23.4.)
Istanbul: 50 Menschen wollten vor dem Gefängnis-Umraniye eine
Presseerklärung verlesen, in der sie auf die Verschlechterung der
Haftbedingungen hinweisen wollten. Alle 50 Personen wurden festgenommen.
Ugur Hülagü Gürdogan mußte aufgrund schlechter Gefängnisverhältnisse
in ein Krankenhaus eingeliefert werden, wo er verstarb. Am 22.4. Es mußten
am 22.4. 2 weitere Gefangene ins Krankenhaus eingeliefert werden.
In Gaziosmanpasa und in Eyup wurden 9 Menschen festgenommen. Ihnen
wird Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation vorgeworfen.
Iskenderun: Yusuf Öntas und Müslüm Dogan wurden festgenommen.
Nach Angaben der Polizei hätten sie illegale Flugblätter verteilt
und Anschläge gegen staatliche Einrichtungen verübt. (Ö.P.
23.4.)
Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt.
Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen
per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel
stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung
stellen können. (Ö.P = Özgür Politika, Hürriyet,
Cumhüriyet, Initiative für Frieden in Kurdistan, Österreich)