Die türkische Tageszeitung "Milliyet" veröffentlichte am 3.
Mai einen Aufruf, der von Leserinnen und Lesern an den Verlagsleiter Rudolf
Augstein des Spiegels gefaxt werden soll. Grund dafür ist ein Artikel
in der Ausgabe des Spiegel vom 12. April, in dem Herr Augstein u.a. Atatürk,
den Gründer der Türkischen Republik, mit Diktatoren wie Pinochet
und Franco verglichen hat. Die Milliyet veröffentlichte dazu einen
Protestbrief des Präsidenten des "Vereins des Gedankenguts-Atatürk",
Dursun Atilgan. Dieser betont darin, daß die Feststellung von Herrn
Augstein falsch und eine Lüge sei. Weder Pinochet, noch Franco, noch
Milosevic hätten in ihrem Ländern die Demokratie eingeführt.
Atatürk hingegen sei der Gründer einer modernen Türkei.
Dann Zitat: "Herr Augstein, sie sind ein Mensch, der begriffsstutzig und
voller Haß ist. Sie bedienen sich der Pressefreiheit, um Lügen
zu verbreiten. Sie haben mit Absicht den eigentlichen Banditen des 20.
Jahrhunderts nicht erwähnt. Aus diesem Grund glauben wir, daß
sie dem Faschismus und Rassismus verfallen sind". (3.5. Milliyet)
Protestbrief, abgedruckt in der Milliyet vom 3.5. (Anmerkung: Der Protestbrief
ist nur auf Deutsch veröffentlicht, wir haben den Text mit seinen
Tipp- und Schreibfehlern wiedergegeben) mit der ÜberschriftWir müssen
massenhaft Protestbriefe schicken
An
Chefredaktion Der Spiegel
Unsere Geduld mit diesem Türkenhasser Augstein ist am Ende. Diese
Unverschämtheid werden wir ihm nicht vergessen. Wie lange soll sich
die Redaktion des Spiegels es gefallen lassen von einem Dauerbesoffenen
Augstein für seine Türkenfeindschaft instrumentalisieren zu lassen?
In seiner Türkenfeindseligkeit hat sich Augstein zu einem Fanatiker
gesteigert. Er ist zum Kotzen. Ich würde mich nicht wundern, wenn
Herr Augstein, einst als dienender Soldat Hitlers, demnächst offenen
Lob für den Hitlerfaschismus spendet. Augensteins Hass gegen die Türken
hat ihn völligblendet. Diesen Alkoholiker ist nicht mehr zu helfen.
Faks: 040-30072247
Icel (Marsin): In Silifke-Tasucu wurden die Geschäfte von Kurden
und von Kurden bewohnten Häuser und Kioske von MHP-Anhängern
angegriffen. Die Kurden wurden aus die Stadt getrieben, oder wurden in
ihren Häusern eingesperrt.
Am 2. Mai um 14.00 Uhr kamen 40 MHP-Anhänger, unter der Leitung
von Rif Levent Kocak, in ein von einem Kurden betriebenes Geschäft.
Die MHP-Anhänger fingen an, Tayip Atabay, Inhaber des Geschäftes,
zu beleidigen. Es begann eine Auseinandersetzung, in der auch Waffen eingesetzt
wurden. Bei der Schießerei ist Levent Kocak umgekommen. Nach diesem
Vorfall haben die MHP-Anhänger das Geschäft in Brand gesetzt,
zogen anschließend durch die Stadt und zerstörten Kioske, Geschäfte,
Häuser, in denen Kurden lebten. Die Feuerwehr der Stadt wurde daran
gehindert, zum Löschen zu fahren. Anschließend zogen die MHP-Anhänger
zum Hafen, um die dort arbeitenden Hafenarbeiter, vorwiegend aus Kurdistan
vertriebene Menschen, anzugreifen. Viele wurden verletzt. Die Polizei und
das Militär griff nicht ein, schauten zu. Presse wurde nicht in die
Stadt eingelassen. Die Angriffe dauerten bis 23.00 Uhr. Der ANAP-Bürgermeister,
Emin Gülec sagte, daß die Angriffe von der MHP geplant durchgeführt
wurden. Auch der Bruder des Bürgermeisters wurde schwer verletzt.Der
zuständige Kommandant des Militärs wollte sich zu den Vorgängen
nicht äußern. (ÖP 4.5.)
Brüssel: Das Antifolter-Komitee des Europarates, das am 2. März 1999 Abdullah Öcalan im Gefängnis besucht hatte, hat am 4. Mai 1999 seine Besorgnis über den psychischen Zustand von Abdullah Öcalan in einem Brief an die türkische Regierung geäußert. Nach dieser Erklärung, "hätten die Bedingungen der Isolation dazu geführt, daß Öcalans psychische Verfassung nicht gut sei, was unglückliche Folgen haben könne." (afp, 4.5.)
Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt.
Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen
per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel
stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung
stellen können. (Ö.P = Özgür Politika, Hürriyet,
Cumhuriyet, Sabah, Initiative für Frieden in Kurdistan, Österreich)