Pressemitteilung Nr. 35
(19.5.1999)

Istanbul: Der Anwalt von Metin Göktepe hat gegen das Urteil gegen die Polizisten Revision eingelegt. Er kündigte an, daß, wenn das Revisionsgericht das Urteil nicht aufhebt, wird er das Urteil vor den Europäischen Gerichtshof bringen.
(Ö.P. 12.5.)
Ankara: Die türkische Anwaltskammer hat eine Erklärung zu den Verhinderungsversuchen des Staates gegen die Verteidigung von Abdullah Öcalan vor dem Prozeß am 31.5. abgegeben. "Die Gerichtsbarkeit muß ihre Unabhängigkeit beweisen. Die Gesetze, die eine Verteidigung erschweren, müssen abgeschafft werden. Sie (die Kammer) verurteilten die Angriffe, die am 30.4. von den Angehörigen der verstorbenen Soldaten gegen die Anwälte von Abdullah Öcalan im Gerichtssaal und vor dem Gericht stattgefunden haben. Man kann die Anwälte nicht zu Angeklagten machen. Sie sind die Verteidiger eines Angeklagten." Die Kammer hat am Schluß ihrer Erklärung noch einmal betont, daß die Angriffe ein Ende haben müssen. Die Kammer hat ebenso eine Erklärung an die Justiz und an das Innenministerium übersandt, in der von beiden Ministerien gefordert wird, daß sie ihrer Pflicht und ihrer Verantwortung nachkommen. Es sind internationale Abkommen unterschrieben, in dem man sich verpflichtet habe, für Rahmenbedingungen für einen fairen Prozeßverlauf zu sorgen. (Ö.P. 12.5.) Adana: Sabri Ilgen wurde während des Besuchs seines Bruders Hakki Ilgen im Gefängnis in Adana festgenommen und befindet sich in Haft. Am 6. Mai ging Sabri Ilgen mit anderen Angehörigen zum Gefängnis. Als die Soldaten keinen Besuch erlaubten, hat er sich gegen das Vorgehen der Soldaten gewehrt. Sie haben ihn daraufhin unter dem Vorwand, Widerstand geleistet zu haben, festgenommen. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt und mit dem Vorwurf, er hätte die Soldaten zusammengeschlagen, inhaftiert. Er wurde in eine Einzelzelle gesperrt. (Ö.P. 12.5.)
Urfa: In Urfa und in umliegenden Kreisstädten dauern die seit 2 Wochen laufenden Operationen gegen Mitglieder der Hizbullah an. 48 Personen wurden festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, in Urfa und in der Umgebung für die Hizbullah eine Basis einzurichten. Bei den Durchsuchungen wurden 6 Pistolen, 100 Kugeln, verbotene Videos und Dokumente, beschlagnahmt. (Milliyet 12.5.)
Diyarbakir: Die Verfahren gegen den Vorsitzenden des Menschenrechtsvereins Akin Birdal und den Vorsitzenden des Menschenrechtsvereins Urfa, Cemit Gündogan und dem Rechtsanwalt Mahmut Sakar wurden verschoben. Die 2. Kammer des Staatssicherheitsgerichtes Diyarbakir hat am 11.5. in Anwesenheit von
Akin Birdal und Cemil Gündogan den Prozeß eröffnet. Während der Verhandlung zitierte Akin Birdal aus der Erklärung des Vorsitzenden des Obersten
Türkischen Verfassungsgerichtes, Ahmet Necdet Sezer, ebenso ging Birdal darauf ein, daß die Türkei die Menschenrechtskonvention der UN unterschrieben hat. Mahmut Sakar war nicht anwesend. Der Prozeß wurde wegen fehlender Dokumente verschoben. (Ö.P. 12.5.)
Aydin: Das Verfahren gegen die 6 Polizisten, die Baki Erdogang in der Haft durch Folter ermordeten, wurde vertagt, die Polizisten müssen nicht ins Gefängnis. Die Angeklagten waren zu 5 Jahren und 6 Monate Gefängnisstrafe verurteilt, dagegen hatten sie Revision eingelegt. Sie befinden sich weiterhin auf freiem Fuß, das Verfahren wird neu aufgerollt, die Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen. (Ö.P. 13.5.)
Diyarbakir: In dem Dorf Bespinar wurde den Bewohnern der Strom abgestellt.  Die Dorfbewohner erzählten: "Die TEDAS (Stromversorgungsunternehmen) war vor der Wahl auch in unserem Dorf. Sie sagten uns, wenn wir unsere Stimmen an die HADEP geben, werden wir keinen Strom mehr kriegen." Die Stromabschaltung hat nicht nur dieses Dorf betroffen, sondern auch andere Dörfer, u.a.  Murathan, Güzelseh, Sihtepe.
Diyarbakir: Am 8. Mai kamen Soldaten aus Cinar und verlasen Namen von Menschen, die sich auf dem Dorfplatz versammeln sollten. Sie wurden von den Soldaten mitgenommen und gezwungen, auf einer Baustelle des Militärs zu arbeiten. (Ö.P. 13.5.)
Hakkari: In der Stadt Büyükeitlik wurden 4 Beamte und 3 Arbeiter entlassen, weil sie ihre Stimme bei der Wahl der HADEP gegeben hätten. Die Beamten Sukru Celit, Fikret Tasel, Cebrail Emte und Emin Cicek wurden von dem neu gewählten Bürgermeister Zeydan entlassen. In dem Brief wurde ihnen mitgeteilt, daß sie entlassen werden, weil sie die HADEP gewählt hätten. Die Beamten und die Arbeiter haben eine Beschwerde an die zuständige Behörde gerichtet. Der Bürgermeister bestätigte die Entlassung der Mitarbeiter. (Ö.P. 13.5.)
Bismil: Nach der Wahl in Bismil haben sich die Angriffe gegen die Menschen verstärkt. In Bismil konnte die HADEP mit einer beachtlichen Mehrheit den Bürgermeister stellen. Nach diesem Ergebnis haben sich der Polizeipräsident, der Gouverneur und der Militärkommandant getroffen, um zu beratschlagen, welche Maßnahmen eingeleitet werden müssen. So wurde als erstes eingeführt, daß die Bewohner nicht mehr mit Sand handeln dürfen, womit sie in der Vergangenheit ihr Einkommen sicherten, ebenso wurden Strafmandate gegen Autofahrer verhängt, die so hoch waren, daß sie niemand bezahlen kann. Den Menschen wird Vaterlandsverrat vorgeworfen, und die HADEP soll ihnen doch helfen, so die Aussagen der Militärs. (Ö.P. 14.5.)
Van: In Gürpinar-Farasin wurden 6 Menschen wegen angeblicher Unterstützung der ARGK festgenommen. Sie wurden bei ihrer Festnahme angeschossen, dabei wurden 3 schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Die anderen  befinden sich in Untersuchungshaft. Angehörigen der Verletzten wurde ein Krankenhausbesuch nicht gestattet. Bei einem Verletzten mußten die Beine amputiert werden. Die Behörden geben keinerlei Auskünfte, wo die anderen inhaftiert wurden. (Ö.P. 14.5.)
Diyarbakir: Die Zeitung "Özgür Bakis" wurde in den Ausnahmegebieten durch den Gouverneur verboten. Am 7. Mai wurde die Entscheidung getroffen, daß die Zeitung nach § 117e des Ausnahmezustandsgesetzes nicht mehr verteilt und verbreitet werden darf. Die Verleger der Özgür Bakis gaben beim Zeitungsverband eine Pressekonferenz, in der sie bekanntgaben, daß sie versucht haben, bei den zuständigen Behörden Beschwerde einzulegen, die aber abgewiesen wurde.
Nach den Zeitungen Evrensel und Azadiye Welat wurde jetzt auch die Özgür Bakis verboten, in Kurdistan zu erscheinen. (Ö.P. 14.5.)
Tuzla: Lederarbeiter, die gegen grundlose Entlassungen und auf das Recht auf Mitbestimmung im Betrieb streikten, wurden von Militäreinheiten angegriffen.  Am Abend des 11. Mai fuhr Militär auf, zerstörte die Zelte der Arbeiter.  Viele, die sich dagegen wehren wollten, wurden zum Teil schwer verletzt. Die Gewerkschaft der Lederarbeiter hat gegen die Angriffe des Militärs protestiert. Am 12.5. versammelten sich 4.000 Arbeiter und protestierten gegen die Angriffe und drohten, die Arbeit niederzulegen. (Ö.P. 14.5.)
 

Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt. Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie
zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P
= Özgür Politika, Milliyet)