Pressemitteilung Nr. 40
(28.6.1999)

Diyarbakir: Das zuständige Militär versucht seit zwei Wochen die zu Dicle gehörenden Dörfer Bankirs, Salori und Balya als Dorfschützer-Dörfer zu rekrutieren. Wenn sie nicht Dorfschützer werden, müssen sie innerhalb von einem Monat die Dörfer verlassen. Wenn sie es nicht tun, werden sie zwangsgeräumt, meinte der zuständige Militärbefehlshaber. Für die Dörfer hat es schon vorher ein Lebensmittel-Embargo gegeben, damit sie das Dorfschützersystem akzeptieren sollten. Letztes Mal kamen die Soldaten in die Dörfer und versammelten die Dorfbewohner auf dem Dorfplatz. Sie haben ihnen letzte Warnungen gegeben, um die Absichten des Militärs zu akzeptieren. Die Dorf-Bewohner sagen, daß sie ihre Dörfer nicht verlassen wollen. Sie haben die Öffentlichkeit aufgerufen, ihnen zu helfen. (ÖP 22.6.99)

Siirt: Der seit 5 Jahren in Siirt-Pervari als Dorfschützer arbeitende Bedri Urak ist zurückgetreten. Er wurde am 8.Juni 99 gezwungen, mit Militäreinheiten an einer Operationen teilzunehmen. Er hat die Teilnahme an der Operation abgelehnt. Als Konsequenz hat er die Aufgabe als Dorfschützer niedergelegt. Er hat seine Waffen bei der zuständigen Militär-Station abgegeben. Er mußte, nachdem er die Waffen abgegeben hatte, das Dorf am 12.Juni 1999 verlassen und wurde gezwungen, nach Van umzuziehen. (ÖP 22.6.99)

Mardin-Mazidag: Die Dorfschützer von Mazidag haben von den Bewohnern an den Kontrollpunkten, bei den Kontrollen Geld erpreßt. Die Leute, die kein Geld geben wollten, wurden verhaftet und an Soldaten des türkischen Militär ausgeliefert. Das letzte Mal haben die Dorfschützer am 13.6.99 die Straßen nach Mazidag abgesperrt und von den Menschen gefordert, der Stiftung des Militärs (Mehmetcik Vakif) Spenden zukommen zu lassen. Ein Zeuge, erzählt: "Ich war mit einem Minibus nach Diyarbakir unterwegs. Als wir Mazidag verliessen, wurden wir angehalten. Zuerst haben sie unsere Ausweise kontrolliert und danach haben sie uns gesagt, daß sie einen Auftrag vom Militär haben, für die Stiftung des Mehmetcik pro Person 1 Million TL zu sammeln. In dem Minibus waren wir 13 Menschen. Einige Menschen gehörten zu gleichen Familien. Trotzdem mußten alle bezahlen. Danach durften wir weiterfahren. Bei der Rückkehr nach Mazidag wurden wir noch einmal angehalten, um uns zu kontrollieren. Sie haben einen Teil der Lebensmittel beschlagnahmt". (ÖP 22.6.99)

VAN/MUS/SIRNAK/SIIRT: Die Militäroperationen gehen in den Regionen weiter. Während der Operationen wurden viele Menschen festgenommen. In Van wurden einige Häuser vom Militär durchsucht und 4 Menschen wurden festgenommen. In Sirnak wurden 3 Menschen festgenommen. In Mardin wurden nach Auseinandersetzungen zwischen der ARGK und dem türkischen Militär 60 Menschen festgenommen. (ÖP 22.6.99)

Diyarbakir: 7 Dorfschützer werden vor der 2.Kammer des Staatssicherheitsgericht Diyarbakir wegen Unterstützung der PKK angeklagt.

In dem zu Sirnak-Uludere gehörende Dorf Balli haben die 7 Angeklagten als Dorfschützer gearbeitet. Den Dorfschützern Mehmet Kaya, Cemil Kayici, Muhsin Kayar, Abdullah Yildirim, Ahmet Kayar, Lezgin Kayar und Mehmet Varas wurde am ersten Tag der Verhandlung vor dem Staatssicherheitsgericht vorgeworfen, daß sie sich am 6. März 99 in dem Haus des Mehmet Kaya`s mit ARGK Kämpfern zu einer Versammlung getroffen hätten. Sie hätten den Kämpfern Lebensmittel, Informationen über die Aktivitäten des Militärs und Gewehrkugeln gegeben. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Dorfschützer nach § 125 die Todesstrafe. Die Dorfschützer haben die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. (ÖP 22.6.99)

Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt. Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P = Özgür Politika)