Pressemitteilung Nr. 41
(15.7.1999)
IHD Adana: "Offene Hinrichtung"
Adana: Am 18 .6.1999 wurde Rasim Kayra (22), aus dem Dorf Sigirli (dies gehört Siirt-Perwari), in seinem Haus im Stadtteil Hürriyet Mahallesi zusammen mit seinen Verwandten N.Kayra und Ayhan Kayra von der Polizei festgenommen. Die Polizei hatte noch andere Häuser überfallen und dabei auch Nezir Aytis und Ömer Aytis festgenommen. Die Mutter von Rasim Kayra, Zeynep Kayra, hat sich am 22.6.1999 an den IHD und die Staatsanwaltschaft gewandt. Der Staatsanwalt hat die Festnahme von Zeynep Kayra bestätigt. Der Staatsanwalt hat der Mutter auch gesagt, daß ihr Sohn am Freitag dem Haftrichter vorgeführt wird. Ömer Aytis, Ayhan Kayra, N.Kayra befinden sich immer noch in Haft. Die Leiche von Rasim Kayra wurde gestern in Hatay-Dörtyol auf einem Feld gefunden. Der Vater von Rasim Kayra wurde zur Polzei gerufen, wo man ihm das Auto des Sohnes aushändigte, das während der Festnahme beschlagnahmt worden war. Danach wurde der Vater noch einmal zur Polizei gerufen. Die Polizisten erklärten dem Vater, daß sie seinen Sohn, Rasim Kayra, an die JITEM übergeben haben. "Dein Sohn ist bei einer Auseinandersetzung in der Nähe von Hatay-Dörtyol gestorben. Geh hin und hol seinen Leichnam ab". Darauf ist der Vater ins Krankenhaus nach Dörtyol gefahren, um dort den Leichnam abzuholen. Die Familie wollte ihren Sohn in Tarsus beerdigen, aber es wurde ihnen von dem Gouverneur in Adana keine Erlaubnis erteilt. Die Polizei hat den Friedhof abgeriegelt. Sie haben nur die Familie auf den Friedhof gelassen. Die Menschen, die sich an der Beerdigung beteiligen wollten, wurden von den Gendarmerie darin gehindert. Eine Person, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, hat gesagt, daß bei Rasim Kayra ein Arm abgeschnitten war und in seinem Brustbereich viele Kugeln steckten. Der IHD-Adana hat den Vorfall als offene Hinrichtung bezeichnet. Der Vorsitzende vom IHD, Süleyman Kilic, hat auch bestätigt, daß Rasim Kayra von der Polizei in Untersuchungshaft genommen worden war und dies sei dem IHD gegenüber von der Polizei zugegeben worden. Dieser Vorfall ist eine offene Hinrichtung sagte Süleyman Kilic. Er bestätigte auch, daß die Mutter von Rasmi Kayra sich am 22.6.1999 an den IHD gewandt hat. Wir haben nach ihren Erzählungen die zuständigen Behörden angerufen. Sie haben uns bestätigt, daß Rasim Kayra festgenommen worden ist. Außerdem hat die türkische Agentur Anatolia A.A über den Vorfall einen Bericht erstellt, darin heißt es, daß Rasim Kayra von Polizisten mitgenommen worden sei, um die Stellungen von Kämpfern zu zeigen. Er sei auf eine Mine getreten, die von Terroristen gelegt worden sei, und dabei sei er ums Leben gekommen. Laut dieser Meldung hätten sich auch Sicherheitskräfte verletzt. (ÖP 26.6.99)
Maras: Am 9 Juni 1999 wurden in Maras-Pazarcik bei Operationen 5 Dörfer vom Militär überfallen. Bei dem Überfall wurden 49 Menschen festgenommen. Die Festgenommenen: Kamber Tubay, Tosun, Ali, Hasan; Aziz, Mikail, Ahmet, Ibo, Sabkar, Mehmet Hasan, Salman Ilper, Taim Kasakolu, Toso, Ali Capkur, Siho Uztopal, Süleyman Calas, Ali Köntapan, Hasan Yasar, Hasan Kasakolu, Ahmet Calbatak, Salliusagi Muhtari, Mustafa Kazkücük, Bektas Nergiz, Hasan Sumbur, Mehmet Edip, Mehmet und Imam Seker, Salman Salli, Sahin Göymen, Ali Ede, Mehmet Alcali, IBRAHIM AAndickol, Ali und Mehmet Capan. Unter den Festgenommenen hat Bilal Iper über seine Verhöre während der Untersuchungshaft erzählt und sich an alle Menschenrechtsorganisationen gewandt. Er sagte: "Wir wurden in die Pazarcik Militär- Station gebracht. Sie haben uns dafür verantwortlich erklärt, die Soldaten während einer Auseinandersetzung zwischen dem Militär und der ARGK (Kurdische Befreiungsarmee) erschossen wurden. Wir haben ihre Vorwürfe abgelehnt. Sie haben uns gesagt, daß wir die Anschuldigungen annehmen sollten. Mir wurde ein Arm festgebunden und an einer höheren Stelle aufgehängt. Dann haben sie meine Beine nach unten gezogen und dabei mit Gummiknüppeln auf meine Sohle geschlagen. Sie haben uns mit kaltem Hochdruckwasser abgespritzt. Sie haben uns auch nicht erlaubt zur Toilette zu gehen. Wir mußten unsere Toilette in dem Raum machen, wo wir alle waren. Wir konnten unseren Kot nicht beseitigen. Dann kamen die Verhörer und steckten den Kot uns mit den Gummiknüppeln in den Mund. Dann steckten sie mir den Gummiknüppel in meinen After. Ich konnte es nicht mehr aushalten. Ich war bewußtlos. Als ich zu mir kam, haben sie mich weiter geschlagen. Sie haben mich 8 Tage lang nackt auf dem Beton sitzen lassen. Nach dem die blauen Flecken an meinem Körper geheilt waren, wurde ich zum Arzt gebracht. Die Verhörer sagten immer wieder wir sollen unsere Rechte in Europa suchen und es gibt in der Türkei keine Menschenrechte. Andere Menschen, mit denen ich zusammen war, haben während der Verhöre ihren Verstand verloren. Sie haben angefangen, mit sich zu sprechen und winkten den Wänden zu." Ein anderer Verhafteter, Yusuf Sancak, sagte: "Sie haben uns 8 Tage lang nackt auf dem Betonboden sitzenlassen. Sie haben mir 8 Tage lang meine Augen verbunden, sie haben mich an meinen Armen gebunden und aufgehängt. Sie haben uns mit Hochdruckwasser abgespritzt, sie haben uns nicht erlaubt zur Toilette zu gehen. Nach der Entlassung mußte ich immer brechen." Sie werden bei den Verantwortlichen eine Anzeige einreichen erklärten die Betroffenen. (ÖP. 24.6.99)
Bingöl: In Bingöl-Yayladere wurden 3 Dorfbürgermeister wegen PKK-Unterstützung in Haft genommen. Sie waren am 20.6.99 mit 15 anderen Menschen festgenommen worden. Die Festgenommenen kommen aus den Dörfern Sixan, Ekvek und Cönek: Alisan Gözsal, Bahattin Yilmaz und Haydar Beken. (ÖP 26.6.)
Van: In verschiedenen Stadtteilen von Van haben Spezialeinheiten der Polizei Operationen durchgeführt. Dabei haben sie 7 Menschen festgenommen. Ihnen wurde die Vorbereitung von Aktionen vorgeworfen. Die Festgenommenen wurden zum Staatssicherheitsgericht in Van gebracht. (ÖP 26.6.)
Mus: Die zu Mus-Varto gehörenden Dörfer wurden von Militäreinheiten überfallen. 30 Dorfbewohner wurden festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Sie wurden in Mus ins Gefängnis gebracht. Ihnen wird vorgeworfen, die PKK unterstützt zu haben. Unter den Festgenommenen befinden sich auch der Kassierer der Hadep, Abdurahman Yildirim und Varto DSP-Vorsitzender, Ali Sahin. Die Namen, die bis jetzt festgestellt werden konnten: Ekrem Beytas, Zeynel Firat, Hüseyin Ilhan, Ali Celik, Süleyman Bingöl, Kubilay Sahin, Eshan Dokhak, Alican Cetinkaya, Hüseyin Kizilgedik, Dursun Duyan, Naci Bingöl, H.Haydar, Recep Sönmez, Haydar Aktar, Abdurahman Yildirim, Muhsin Gül, Muhsin Kizilkaya, und bei einem Menschen namens Kadir, konnte sein Nachname nicht festgestellt werden. (ÖP. 26.6.) Mus: In den zu Mus-Varto gehörenden Dörfern Gölyali, Güzeldere, Köprülü, Yesildal, Teknedüzü, Icmenler, Leylek, Onpinar, Kaynarca und Hinis wurden 30 Dorfbewohner festgenommen und nach Bingöl gebracht. Der Hadep-Vorsitzende von Mus hat sich an die zuständigen Behörden gewandt und es liegen jedoch noch keine Ergebnisse vor. (ÖP 24.6.99)
Hatay/Izmir: 12 Gefangene von Antakya sind in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Sie protestieren gegen die Schikanierung der Gefangenen durch die Gefängniswächter und die zusätzlichen Repressionen gegen die kurdischen Gefangenen, nur weil sie Kurden sind. Zwangseinkäufe von Kantinen und die Ablehnung der Weitergabe des Essens, das von den Angehörigen gebracht wird. (ÖP. 28.6.)
Dersim: Nach Auseinandersetzungen zwischen Militär-Einheiten und der ARGK wurden in Ovacik 12 Menschen festgenommen und zum Verhör nach Dersim gebracht. Nach den Angriffen der ARGK haben die Sicherheitskräften in Ovacik ihre Operationen verstärkt. Unter den Festgenommenen sind auch der Bürgermeister des Dorfes Santosun Hasan Yerlikaya (75) und die Geschäftsinhaber Ismail Özden und Kamber Özden. (ÖP 28.6.)
Istanbul: Das Verfahren gegen die Polizisten, die der Folter angeklagt wurden, wurde mangels Beweise vertagt. Ihnen wird vorgeworfen, daß sie 4 Menschen gefoltert haben. 3 Polizeibeamte waren während der Verhandlung anwesend, ein Polizeibeamter kam nicht zur Verhandlung. Die Betroffenen haben die Folter, die durch die Polizisten durchgeführt wurde, während der Verhandlung geschildert. (ÖP 28.6.)
Iskenderun: In dem zu Iskenderun-Denizciler gehörende Stadtteil Yesilyurt wurde der Student Nizam Kaplan wegen PKK-Unterstützung in Haft genommenen und schwer gefoltert. Augenzeugen berichten, daß er, als er in den Gerichtssaal gebracht wurde, nicht laufen und stehen konnte. Nach der Verhaftung ist seine Familie zum Gefängnis gegangen, ihnen wurde keine Erlaubnis gegeben, ihn zu sehen. (ÖP 29.6.99)
Adana: Ein Verteiler der Zeitung "Azadiye Welat" wurde von der Polizei angegriffen und zusammengeschlagen, obwohl er eine Erlaubnis von den Behörden vorlegte, worin genehmigt wurde, daß er als Zeitungsverteiler die Zeitung verteilen darf. Von der Polizei wurde dies nicht akzeptiert. Er versuchte der Polizei zu erklären, daß die Zeitung legal ist, dies hat aber nichts genutzt. "Sie haben von mir 45 Zeitungen weggenommen und sie brachten mich zur Wache und dort haben sie mich weiter verprügelt". (Ö.P. 29.6.99)
Van: In Van-Baskale wurden Mazar Durmaz und 3 weitere Menschen festgenommen (ihre Namen sind noch nicht bekannt). Sie wurden am 26.6.99 dem Haftrichter vorgeführt. Sie werden beschuldigt, die PKK unterstützt zu haben. Sie wurden nach Mus ins Gefängnis gebracht. Außerdem haben die Militär-Einheiten nach einer Aussage eines Zeugen die Dörfer Govik und Terzin überfallen und die Dorfbewohner auf dem Dorfplatz zusammengetrieben. Dort haben sie sie verhört und mit Holzlatten zusammengeschlagen. (ÖP 29.6.99)
Antep: Am 26.6.99 wurde Selahattin Altay (45), (Einwohner von Urfa -Suruc) der den Gefangenen, Nihat Ekmez um 15.00 Uhr besucht hatte, nach dem Besuch von Soldaten ohne einen Grund festgenommen. Daraufhin haben seine Angehörigen sich eingeschaltet, aber bisher keine Information über Sellahatin Altay erhalten. Die Soldaten sagten, daß sie ihn an Zivilpolizisten weitergegeben haben. Der IHD -Antep hat sich an die zuständigen Behörden gewandt, ob der Betroffene dort sei, es wurde auch dem IHD keine Information gegeben. Ihnen wurde gesagt, daß es eine Person mit diesem Namen nicht gibt. (Ö.P. 29.6.99)
Diyarbakir-Lice: Der Bürgermeister von Lice, Zeynel Bagir, der am 18.4.99 gewählt worden war, wurde laut einer Entscheidung der (YSK) des höchsten Wahlgremiums der Türkei aus seinem Amt entlassen. Nach der Entlassung haben Wähler des Hadep Bürgermeisters erklärt, sie werden die Entscheidung nicht so einfach hinnehmen. Gegen ihn lief seit 1989 eine Anzeige wegen Körperverletzung. Er sagte, er sei 1989 wegen einer Sache verurteilt worden, aber es hatte keine Beschränkung von Rechten in dem Urteil gegeben, so daß er eine Beschränkung hätte, um arbeiten zu dürfen. Die Vorwürfe haben keine gesetzliche Grundlage sagte der Bürgermeister Zeynel Bagir. "Ich habe damals schon, als ich meine Kandidatur angekündigt habe, alles untersuchen lassen und mir die Erlaubnis eingeholt, daß ich kandieren dürfte. Nach der Wahl wurde ich auch von den Behörden als Bürgermeister anerkannt. Nach meiner Meinung haben die Gegner, die die Wahl nicht gewinnen konnten, ihren Einfluß auf die YSK verstärkt, um mich von meinem Amt zu entfernen. Obwohl den Gegnern das Militär bei der Wahl mithalf, haben sie die Wahl trotzdem verloren. Damals während der Wahlvorbereitungsphase wurde ich 7 mal daran gehindert, nach Lice zu kommen. Trotz der Behinderungen, habe ich die Wahl gewonnen. (Ö.P. 2.7.99)
Diyarbakir: Das zu Diyarbakir-Hani gehörende Dorf Huri (Gömec) wurde einen Tag nach den Auseinandersetzungen zwischen Einheiten des Militärs und der ARGK vom 28. Juni vom Militär geräumt. Sie haben zuerst die Dorfbewohner auf dem Dorfplatz zusammen getrieben und mitgeteilt, daß sie das Dorf einen Tag später räumen lassen würden. Die Dorfbewohner, die diese Entscheidung nicht akzeptieren wollten, wurden auf der Stelle zusammengeschlagen. Am nächsten Tag haben die Dorfbewohner das Dorf verlassen. Die Ernte, die von den Dorfbewohnern geerntet werden sollte, wurden vom Militär in Brand gesetzt. Ein Dorfbewohner sagte: "Der einzige Grund, warum unser Dorf geräumt wurde, ist, daß in der Nähe unseres Dorfes eine Auseinandersetzung stattgefunden hat." Ebenfalls wurde auch das zu Hani gehörende Dorf Uzunlar von den Einheiten des Militärs überfallen und alle Dorfbewohner zuerst bedroht und zusammen geschlagen. Ihnen wurde von den Soldaten vorgeworfen, daß sie die ARGK unterstützen würden. "Sie werden das Dorf bald räumen", haben sie gesagt. "Sie haben bei dem Überfall 20 Dorfbewohner festgenommen". (ÖP 4.7.)
Istanbul: Die Aufklärung des Istanbuler "Bombenanschlages mit 8 Toten und 127 Verletzten wird zu einem reinen Politikum gegen die Personen, die beschuldigt werden, eine Bombe in Form eines 600 Gramm TNT-Päckchens gelegt zu haben. Der Bombenspezialist Nazif Nuri Celik, Hauptkommissar der Polizei mit 20jähriger Berufserfahrung sagt lt. Sabah vom 6.7.99: "Wenn tatsächlich so eine Bombe explodieren würde, müßte ein 50 cm tiefes Loch entstanden sein. So etwas haben wir nicht entdeckt. In den Körpern der Toten wurden keine Schrappnellteile gefunden." Weiter führt der Istanbuler Leiter der Bombenentschärfung aus: "Wir haben in dem Kaufhaus Misir Carsisi keine Grundbestandteile einer Bombe gefunden. Wir haben in unserem Rapport berichtet, daß es eine Gasexplosion gewesen sein müßte. Es wurde im nachhinein gesagt, daß es sich um eine Bombe mit Zeitzünder handelt. In unseren Untersuchungen über drei Tage und drei Nächte haben wir weder eine Uhr, noch Teile einer Bombenhülle, noch Zünderteile gefunden. Wir haben sogar die Erde durchsiebt." Im Istanbuler DGM Nr. 4 werden 15 Personen angeklagt, gegen 5 Angeklagte wird die Todesstrafe gefordert. Zu den Angeklagten gehört auch eine Soziologin, die an einer Untersuchung über die PKK arbeitet. Die Unterlagen dieser Untersuchung wurden bei der Durchsuchung beschlagnahmt und lt. Sabah beschäftigen sich die Untersuchungsbehörden mit der Untersuchung. (eb und Zitate aus der Sabah vom 6.7.99)
Siirt: In dem E-Gefängnis Siirt werden die Besuche von den Verwandten nicht mehr erlaubt, die nicht die gleichen Nachnamen haben. Die Gefängnisleitung hat vor der Besuchszeit die Angehörigen angerufen und mitgeteilt, daß Angehörige, die nicht türkisch sprechen können, überhaupt nicht zu Besuch erscheinen brauchen. Während der Besuche wurden viele Menschen wieder nach Hause geschickt, die auch von weither zu Besuch gekommen waren. (ÖP 6.7.)
Istanbul: Die Zeitschrift "Özgür Halk" wurde vom Staatssicherheitsgericht wegen "separatischer Propaganda" für einen Monat verboten. (ÖP 6.7.)
Manisa: In Manisa wurden 14 Jugendliche, teilweise Schülerinnen und Schüler verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, in Zusammenarbeit mit einer illegalen Organisation Parolen an Wände geschrieben zu haben, Transparente aufgehängt und Handzettel verteilt zu haben. Nach der Inhaftierung der Jugendlichen haben Polizeibeamte, lt. Sabah vom 7.7., die Jugendlichen körperlich und seelisch schwer gefoltert und sexuell mißbraucht. 10 Beamte wurden wegen der Folterung angeklagt. Die Täter wurden jedoch durch das Gericht in Manisa freigesprochen. Die Anwälte der Jugendlichen legten dagegen Widerspruch ein. Der Kassationsgerichtshof hob das Urteil des Gerichts mit 17 gegen 7 Stimmen auf. Über die Folterungen an den Jugendlichen berichtet der frühere CHP-Abgeordnete aus Izmir, Sabri Ergül, daß er in die Anti-Terror-Abteilung ging. "Ich habe Schreie gehört. Ich habe Kinder gesehen, deren Augen verbunden waren und die nackt auf dem Boden lagen. Ich war angesichts dessen schockiert." Die Jugendlichen haben die Täter anhand von Fotos identifiziert und die Taten im einzelnen geschildert. Die Untersuchungen von Ärzten an den Jugendlichen wurden vom Kassationsgericht herangezogen. (eb und Zitate aus der Sabah vom 7.7.)
Edirne-Ispala: Bei der Paßkontrolle an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei wurde am 29. Juni Hakki Alpman festgenommen. Die Behörden sagen immer noch, daß die Festnahme des Hakki Alpman nicht erfolgte, obwohl es Augenzeugen für die Festnahme gibt. Die Angehörigen haben bislang auch keinerlei Lebenszeichen erhalten. Die Angehörigen gehen davon aus, daß Hakki Alpman, genauso wie andere Menschen in der Türkei, zu den sog. Verschwundenen zählt. Dies ist die Erklärung für die Angehörigen, warum die Behörden keine Informationen über den Festgenommenen geben wollen. Es wird vermutet, daß H.A. nach der Festnahme nach Tunceli gebracht wurde. "Sie wollen ihn mit Folter töten", sagten die Angehörigen. Die Angehörigen haben inzwischen entsprechende Stellen eingeschaltet. (Ö.P. 7.7.)
Siirt: Am 28.Juni wurden die zu Siirt-Ziyaret gehörenden Dörfer Mizzi und Kox von Spezialeinheiten des türkischen Militärs, die sich als Guerillas verkleidet hatten, überfallen (sie hatten sich als Kämpfer der PKK ausgegeben) und von den Dorfbewohnern mit Gewalt Gelder (ca: 1 Milliarden TL) eingesammelt. Danach haben am 1.Juli offizielle Militäreinheiten das Dorf überfallen und den Dorfbewohnern vorgeworfen, die PKK finanziell unterstützt zu haben. "Die Dorfbewohner hatten die Spezialeinheiten wiedererkannt", sagte ein Dorfbewohner. "Sie waren schon einmal bei uns im Dorf und hatten damals von uns Geld gesammelt. Wie hatten damals die Behörden darauf aufmerksam gemacht". (ÖP 7.7.)
Siirt: Die zu Siirt-Eruh gehörenden Dörfer Hedid, Ginyanis und Baresa, die vom Militär schon einmal geräumt waren, wurden am 28.6 99 noch einmal in Brand gesetzt, um die restlichen Plantagen und Bäume und Gemüsegärten zu zerstören. (ÖP 7.7.)
Siirt: Im Zentrum von Siirt-Pervari und den dazu gehörenden Dörfern werden nach Anweisung des Militärs ab 17.30 Uhr die Ein- und Ausreise der Menschen verboten. (ÖP 7.7.)
Ankara: Die Gefangenen Bülent Ertürk und Kemal Ertürk, die gegen die Zusammenlegung mit einer faschistischen Mafia protestierten und eine Verlegung von Eskisehir nach Ankara fordern, haben einen Hungerstreik angefangen. Sie befinden sich seit 51 Tagen im Hungerstreik. Der Gesundheitszustand der Gefangenen hat sich so verschlechtert, daß sie nicht mehr in der Lage sind, zu laufen und zu sprechen, sagte der Vater Dursen Ertürk. Der Vater hat sich an den IHD gewandt und dort eine Pressekonferenz über die Situation der Gefangenen gegeben. Den Gefangenen wird vorgeworfen, daß sie gegen den Gouverneur, Cankiri Ayhan Cevik, eine Anschlag verübt hätten. (ÖP 7.7.)
Sirnak: In den zu Sirnak-Idil gehörenden Dörfern Tepeköy und Bereketli wurde am 20. Juni 1999 der Leichnam des Sohnes eines Hirten, der 11jährige Mehmet Algan, gefunden. Algan wurden die Hände festgebunden, bevor er auf barbarische Weise mit Steinen erschlagen wurde. Sein Kopf wurde dadurch zertrümmert. Die Schwester von Algan war in der ARGK. Die Staatsanwaltschaft von Idil hat eine Untersuchung eingeleitet. Auf Nachfragen bei der Staatsanwaltschaft, wollte diese keine Informationen geben. Die regionalen Berichterstatter sagten, daß der Junge zuerst festgenommen, und dann ermordet wurde. (ÖP 7.7.)
Erzurum: Das zu Erzurum-Cat gehörende Dorf Karabey wurde am 4.Juli um 1.00Uhr von Soldaten überfallen. Dabei wurden 10 Häuser in Brand gesetzt und insgesamt 13 Dorfbewohner festgenommen. Die Soldaten haben in dem Dorf auch mit Maschinengewehren geschossen. Die Soldaten sagten, daß sich in dem Dorf Guerillas der PKK aufhalten. Die Feuer der Häuser erreichten auch die Ställe, wo die Tiere untergebracht waren. Alle Tiere der Dorfbewohner wurden mit verbrannt. In dem Dorf wurde von den Soldaten eine Ein- und Ausgangssperre verhängt. Sie wurden nach der Aktion einem Lebensmittel-Embargo ausgesetzt. (ÖP 7.7.)
Mardin: In dem Dorf Kelek, das zu Mardin-Mazidag gehört, wurden die Einwohner daran gehindert, ihre Ernte einzuholen. Das Dorf war vor anderthalb Monaten vom Militär geräumt worden. Die Dorfbewohner hatten die Bedingungen des Militärs, als Dorfschützer zu arbeiten, abgelehnt. Daraufhin wurde ihr Dorf geräumt. Die Dorfbewohner wollten am 4.Juli ihre Felder abernten, sie wurden aber von den Soldaten daran gehindert. Daraufhin haben die Dorfbewohner einen Antrag an den zuständigen Gouverneur gestellt. Die Dorfbewohner haben in dem Antrag darauf hingewiesen, daß sie die Ernte einholen müssen, damit sie weiter leben können. "Wir haben sowieso keine Arbeit, wo wir jetzt leben. Sie sollen uns wenigstens unsere Felder (die Felder sind ca. 3 Hektar), die wir zuvor bestellt hatten, abernten lassen. Der Gouverneur verwies uns an den Super-Gouverneur, obwohl Mardin nicht zum Ausnahmezustand-Gebiet gehört", sagten die Dorfbewohner. Die Polizei von Cinar kommt auch jeden Tag und durchsucht die Menschen, die aus dem Dorf Kelek gekommen sind. Sie sagen uns, "wir sollen auch Cinar verlassen. Sie lassen uns einfach nicht in Ruhe." (ÖP. 7.7.)
Tarsus: Die Polizei hat den IHD überfallen. Dabei wurden dort gesammelte Unterschriften-Pakete "gegen die Todesstrafe" und 2 Personen wurden festgenommen. Die Verhinderungsversuche der Polizei gegen die von der IHD-Zentrale angefangenen Kampagnen gegen die Todesstrafe in mehreren Städten gehen weiter. In Tarsus hat die Polizei gestern um 15.30 Uhr das IHD-Büro von Tarsus mit der Begründung "Unterstützung der PKK" überfallen. Ebenfalls hat die Polizei in dem Stadtteil -Fevzipasa auf dem Markt den Stand des IHD, wo weitere Unterschriften gesammelt wurden, angegriffen. Bei den Angriffen wurden Abdulbaki Öktem und Nedim Elgin festgenommen. Außerdem hat die Polizei ebenfalls die HADEP-Tarsus Schriftführer Femi Tas und ein Mitglied der HADEP-Kommission mit der gleichen Begründung festgenommen. Der Rechtsanwalt, Ali Dinsever, IHD-Tarsus, hat sich an die Staatsanwaltschaft gewandt und die Unterschriften zurückverlangt, die von der Polizei mitgenommen wurden. Er sagte: "Die Unterschriften-Aktion ist ein Grundrecht der Menschen in der Türkei. Die Unterschriften werden wir dem türkischen Parlament überreichen. Wir werden die Kampagnen weiter fortsetzen". (ÖP. 8.7.)
Adana: Die Familie Tabanca wurde während der Untersuchungshaft zusammengeschlagen. Nach der Selbstmord-Aktion des Russen Tabanci vor dem Polizeipräsidium am 5.7.99 hat die Polizei mit der Familie des Russen Tabanci noch weitere 11 Personen festgenommen. Die Festgenommenen wurden alle zusammengeschlagen. Bei der Selbstmord-Aktion sind 14 Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt worden. (ÖP. 8.7.)
Istanbul: Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hat eine Verfahren gegen die Anwälte Abdullah Öcalan eingeleitet. In dem Verfahren werden die Anwälte beschuldigt, außerhalb des Verfahrens Erklärungen von A.Öcalan abgegeben zu haben. Die Ladung an die Anwälte sind von der Staatsanwaltschaft der DGM(Staatssicherheitsgerichte) an ihre Adressen abgeschickt worden. Die Anwälte werden danach ihre Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft abgeben müssen. (Ö.P. 9.7.)
Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt. Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P = Özgür Politika, Sabah)