Pressemitteilung Nr. 42
(17.7.1999)

Istanbul: In Mermer/Diyarbakir wurde R.K. von einem Dorfschützer vergewaltigt. Für das Mädchen und ihre Familie hat eine Gruppe von Frauen aus Istanbul als Unterstützung eine Spendenaktion gestartet. Die Unterstützungs-Kampagnen wurden auch von anderen Menschenrechtsorganisationen, wie dem IHD, unterstützt. Die Staatsanwaltschaft hat eine Anzeige gegen die Vorstandsmitglieder des IHD in Diyarbakir, wegen "unerlaubter Spendensammlung" eingeleitet. Die Vorstandsmitglieder des IHD-Diyarbakir (1997) Mahmut Sakar, Osman Baydemir, Sinan Tanrikulu, Özlem Cetin und Piruzan Dogrul werden vor Gericht gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, daß sie ein Konto bei der Emlak-Bank namens Osman Kaya eröffnet haben und zu Spenden aufgerufen zu haben. Nach den Aufrufen haben viele Organisationen und Personen unterschiedliche Geldsummen auf das Konto "Osman Kaya" überweisen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollen die Personen nach dem türkischen Gesetz 2860 und §29 verurteilt werden. Die Anwältin des Mädchens, Eren Keskin, hat sich an die Öffentlichkeit gewandt, "warum sollen Menschen bestraft werden, die sich mit den Opfern solidarisieren. Es gibt in der Türkei so viele Spenden-Aufrufe, die keine behördlichen Genehmigungen beantragen. Wenn das so ist, sollen alle Fernseher und Radios bestraft werden, weil sie jeden Tag Spendenaufrufe machen". (ÖP 29.6.)

Antep: Das zu Maras-Pazarcik gehörende Dorf Turunclu Köyü wurde am 23.6.99 von Soldaten des türkischen Militärs überfallen. Vakkas Doldur (61) wurde von den Soldaten schwer zusammengeschlagen. Am 26.6.99 hat Doldur sich an den IHD-Antep gewandt und dort die Vorkommnisse vorgetragen. Er sei, als er auf dem Feld die Ernte senste, von den Soldaten auf den Boden gelegt und mit Holzlatten, Gewehrkolben und Füßen so lange geschlagen, bis er bewußtlos wurde. "Während sie mich schlugen, haben sie mich immer wieder nach meinem Sohn gefragt. Ich sollte sagen, wo mein Sohn sich befindet. Sie haben mir vorgeworfen, den Terroristen Brot gegeben zu haben. Sie haben mich auch erniedrigt. Als ich mich an das staatliche Krankenhaus gewendet habe, haben die dort zuständigen Ärzte mir gesagt, ich soll vom Staatsanwalt eine Erlaubnis bringen, dann könnten sie mir eine Attest schreiben. Sie haben mir kein Attest geschrieben. Sie haben das abgelehnt. Ich habe Angst gehabt, zur Staatsanwaltschaft zu gehen. Ich konnte 4 Tage wegen der Zusammenschlagung nicht aufzustehen. Nach 4 Tage bin ich zum Arzt gegangen. Er hat mir auch kein Attest gegeben." (ÖP 1.7.)

Bingöl: Während Militärkontrollen in der Nähe von Bingöl-Bialaloglu sind bei einer Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und der ARGK am 4.Juli, 3 Soldaten gestorben und 9 verletzt worden. Das Militär hat vorgestern das Dorf Bilaloglu, das zu Bingöl gehört überfallen. Sie haben am Dorfeingang das Feuer eröffnet und dabei 5 Tiere, die auf der Weide waren, erschossen. Sie haben alle 260 Dorfbewohner auf den Dorfplatz getrieben und festgenommen. Danach wurden sie zur Militär-Gendarmerie nach Bilaloglu gebracht. Dort mußten sie auf dem Hof der Gendarmerie 5 Stunden lang in der heißen Sonne warten. Sie wurden alle massenweise verprügelt, dann wurden sie freigelassen. Sie gingen zum Krankenhaus, um dort die Folterungen feststellen zu lassen. Die Ärzte weigerten sich, ihnen die Bescheinigungen auszustellen. Die Ärzte sagten ihnen: "Das ist einer Sache des Militärs, wir können uns in der Sache nicht einmischen." Die Ärzte sagten, daß sie nicht gefoltert wurden. Bei der Folterung der Menschen wurde einer Frau das Bein gebrochen.(ÖP 9.7.)

Batman: Die Verbindungsbrücke zwischen Sosan und Kozluk, Diyarbakir-Silvan wurde vom Militär mit einer Eisentür versehen, damit wird den Zivilisten der freie Zutritt der Brücke verwehrt. Die Brücke wird nur für militärische Zwecke benutzt. Die Brücke diente 10 Dörfern als Verbindung. Der Schlüssel der Tür ist in der Nacht auf der Militärstation in Ismailka deponiert. Über die Brücke werden nur Militärfahrzeuge gelassen, sagten die Dorfbewohner aus Qirika (Inanli). "Sie haben uns zuerst gesagt, daß wir Dorfschützer werden sollten. Dann haben sie jetzt unsere Brücke gesperrt. Wir müssen den Weg laufen". (ÖP. 9.7.)

Antep: Die Unterschriften Kampagne gegen die Todesstrafe des IHD wird von der Polizei verfolgt. Vorgestern wurden 2 Menschen, während sie Unterschriften sammelten, festgenommen. Gestern wurde der IHD in Antep von der Polizei überfallen und 2 Stunden lang durchsucht. Die Polizei hat viele Bücher und Zeitschriften des Vereins beschlagnahmt. Sie haben das Vorstandsmitglied des Vereins, Ali Simsek, mitgenommen. Außerdem hat die Polizei die Hadep-Sahinbey Vorsitzenden Ridvan Özer, Fatma und Ercan noch andere Menschen zu sich gerufen, um über diese Unterschriftenaktionen der Polizei zu berichten. In einem anderen Stadtteil von Antep, in Ulas, befinden sich Sevda Torunoglu und Songül Tilkioglu, die gegen die Todesstrafe Unterschriften sammelten immer noch in Haft. Ebenfalls wurde die Festnahme von Sabri Göz und seinen Angehörigen von der Polizei bestätigt, die am 5. Juli bei dem Überfall der Polizei in dem Stadtteil Vatan Mahallesi während einer Unterschriftenaktion festgenommenen wurden.(ÖP 9.7.)

Tekirdag: In Tekirdag-Cerkezköy hat die Polizei, die für die Kampagne gegen die Todesstrafe Unterschriften sammelnden 4 Arbeiter, festgenommen. 39 Menschen hatten die Liste unterschrieben. (ÖP 9.7.)

Hakkari-Cukurca: Nach Auseinandersetzungen zwischen der ARGK und türkischen Militärs haben Soldaten im Zentrum Cukurca 18 Menschen festgenommen. Die Namen, die bisher bekannt sind: Der Schriftführer des Staatlichen Krankenhauses, Talat Dogan, sowie die Beamten des Krankenhauses Fuat Yilmaz, Pirozbey Budak , Savas Ates, Sefer Bulut, Aydin Ertunc. (ÖP. 9.7.)

SIIRT: In dem zu Siirt-Pervari gehörenden Dorf Doganli, das 250 Bewohner hat, haben vor einem Monat 11 Dorfschützer ihre Waffen niedergelegt und sind aus dem Dorf weggegangen. Am 3.Juli haben noch 3 Dorfschützer ihre Waffen abgegeben und das Dorf verlassen. Es gibt noch 200 Dorfschützer in dem Dorf. (ÖP 9.7.)

Canakkale: Am 6 Juli 1999 wurde Mustafa Koca in Canakkale-Yenice in Untersuchungshaft durch Folter ermordet. Während der Festnahme hat die Polizei Mustafa Koca geschlagen, sagten Augenzeugen aus Yenice. Er wurde unter dem Vorwand, er habe die Polizei beleidigt festgenommen. Mustafa Koca (37) wurde im Polizeirevier mit Faustschlägen und Gummiknüppeln an gleichen Tag ermordet. Der zuständige Polizeibeamte Niyazi Caglar wurde in Haft genommen. Er wurde später ins Canakkale-Gefängnis gebracht. Ein anderer Beteiligter, Akif Görgen, wurde suspendiert. Die Frau von Mustafa Koca hat eine Anzeige gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Die Frau sagte: "Ich habe als letzte davon gehört, daß mein Man nach der Folter gestorben ist. Bei mir ist ein Wächter vorbeigekommen. Mein Man wäre krank, ich soll sofort zum Krankenhaus. Der Wächter wollte aber nicht, daß öffentlich wird, daß er Bescheid gesagt hat. Seinen Name wollte er nicht der Öffentlichkeit bekanntgeben. Er sagte: "sie haben Deinen Mann mit Faustschlägen ermordet." Der Bruder von Mustafa Koca hat sich auch über den Arzt beschwert, der keine erste Hilfe geleistet hat. "Als Mustafa Koca in eine kleine Gesundheitsstation eingeliefert wurde, hat der Arzt überhaupt nichts gemacht. Er hätte meinem Bruder wenigstens erste Hilfe leisten können, damit er vielleicht gerettet hätte werden können. Außerdem hätte der Arzt die Handschellen während der Untersuchung abmachen können." Die Augenzeugen werden als Zeugen auftreten. Der Beamte der Landwirtschaft des Bezirkes, Seref Birgül, sagte: "Nach draußen kamen die Stimmen des gefolterten Menschen. Wir sind auf das Fenster geklettert, um zu sehen, was in dem Raum los ist, als wir sahen, daß ein kräftiger und langer Polizist, der ununterbrochen einen Menschen zusammenschlug, der die Hände auf dem Rücken gebunden hatte. Wir haben es alle gesehen. Wir sind alle Zeugen". Ein anderer, der seinen Namen nicht öffentlich sagen wollte, sagte: "Ich bin auch Zeuge. Ich bin Beamter, deswegen möchte ich nicht meinen Namen bekanntgeben. Wir sind alle Zeugen, daß Mustafa Koca von der Polizei umgebracht wurde. (ÖP 11.7.)

Izmir: Am 2.Juli wurde Alpaslan Yelden (37) mit dem Vorwurf, er habe seine Freundin umgebracht, von der Polizei festgenommen. Einen Tag später wurde er von der Polizei ins Krankenhaus geliefert. Nachdem die Nachbarn die Eltern des Alpaslan Yelden benachrichtigt haben, haben die Eltern die zuständige Polizei angerufen und nachgefragt, ob ihr Sohn dort ist oder von ihnen festgenommen wurde. Die Polizei sagte: Wir haben keinen mit dem Namen bei uns. Die Mutter sagte: wir haben drei Tag lang unseren Sohn Alpaslan gesucht. Danach sind wir nach Izmir-Bozkaya gefahren, wo ihr Sohn sich bei der Polizei als letztes befand. Die Polizei sagte, euer Sohn ist umgefallen, deswegen haben wir ihn ins Krankenhaus gefahren. Er schwebt in Lebensgefahr. Die Polizei hat bei dem Krankenhaus seinen Namen als "unbekannt" eintragen lassen. Der Vater sagte: "Sie haben meinen Sohn gefoltert. Deswegen wollen sie, daß die Öffentlichkeit davon nichts mitkriegt. Ich werde gegen die Zuständigen Anzeige erstatten. Ein Arzt vom Krankenhaus sagte: Die Polizei hat uns unter Druck gesetzt, damit wir ihn als Unbekannten eintragen. In wischen hat die Familie Yelden den Menschenrechtsverein Izmir eingeschaltet. (ÖP 11.7.)

Eruh: Die in der Nähe der Wälder von Eruh liegenden Dörfer Qalendero, Siriko, Kanika und Pares (Uzunluk) wurden von Soldaten, die sich wegen der Militäroperationen in der Umgebung aufhalten, in Brand gesetzt. Ebenfalls haben die Soldaten von der Görendoruk Militärstation am 9.Juli in der Nähe des Cirav Berges, die Umgebung und das Dorf Torik in Brand gesetzt. Das Feuer hat einen sehr weiten Umfang erreicht. Alle Felder, Obstbäume und Nußplantagen wurden vom Feuer betroffen. (ÖP 13.7.)

Istanbul: Die Angehörigen der Gefangene sind in Untersuchungshaft Angehörige der politischen Gefangenen haben gestern vor der Justiz gegen neue Isolations-Haft-Bedingungen in den Gefängnissen mit einer Presseerklärung protestiert. Die Angehörigen der Gefangenen wurden während der Presseerklärung von der Polizei angegriffen und dabei wurden 4 Personen der Angehörigen festgenommen. Als die Angehörigen ihre Presseerklärung vorlasen, hat die Polizei ohne Vorwarnung angegriffen. Fatos Kilic, Gülüsen Dinler, Suzan Zengin und Hüseyin Cakiroglu wurden bei den Angriffen der Polizei festgenommen. Sie befinden sich in Untersuchungshaft. Nach den Angriffen der Polizei haben die Angehörigen der Gefangenen eine schriftliche Erklärung abgegeben, in der sie ihre Forderungen zum Ausdruck brachten. Sie protestierten gegen die neuen gebauten Typ-F Gefängniszellen. In Zukunft werden alle politischen Gefangenen in der Türkei in solche Typ-f-Zellen untergebracht. Es wird keine Zusammenlegung der Gefangenen geben. Die erste praktische Umsetzung der Verlegung der Gefangenen hat schon mit den Gefangenen Kemal und Bülent Ertürk, die sich seit 59 Tage im Hungerstreik befinden, angefangen. (Evrensel 15.7.)

Izmir: Die Stadtverwaltung von Izmir -Konak hat 83 Häuser, die vor 13 Jahre (als Gecekondus) von den Menschen gebaut worden waren, mit Bulldozern und Baggern abgerissen. Die Einwohner wurden erst kurz vorher davon in Kenntnis gesetzt, daß sie ihre Häuser am 13 Juli verlassen sollten. Sie haben den Einwohnern keine Unterkunfts-Alternative vorgeschlagen. Die Einwohner haben gegen das Vorhaben der Stadtverwaltung Widerstand geleistet. Obwohl Menschen gegen die Polizei und Beamten der Stadtverwaltung Widerstand leisteten, haben die Bauarbeiter, die für den Abriß der Häuser zuständig waren, mit Baggern und Bulldozern die Häuser abgerissen. An den Auseinandersetzungen waren zum großen Teil Frauen beteiligt. Sie wurden mit Gummiknüppeln zusammengeschlagen. Ein Gecekondu-Bewohner sagte: "Ich bin vor 6 Jahren aus Tunceli-Ovacik mit Gewalt durch das Militärs vertrieben worden. Unser Dorf wurde vom Militär in Brand gesetzt. Wir haben damals in Izmir für uns Wohnungen gesucht aber sie haben uns keine Wohnungen vermietet, weil wir aus Kurdistan kamen. Aus diesem Grund haben wir uns hier ein Gecekondu gebaut. Die Bewohner haben rechtliche Schritte gegen die Verwaltung eingeleitet. (Evrensel.15.7.)

Mus: In dem zu Mus-Malazgirt gehörenden Dorf Nordin wurde eine Frau namens Hülya Özyildirim am 9. Juni 1998 von einem Dorfschützer, Abdul Kadir Erkoc,5 Tage nach der Geburt ihres Kindes vergewaltigt. Die Anwältin, Eren Keskin, sagte: "Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden". Sie wird eine Anzeige gegen sie einleiten. Die Frau wurde nach der Vergewaltigung von dem Militär und Dorfschützer bedroht, wenn sie gegen sie eine Anzeige machen würde. Sie konnte nicht mehr im Dorf bleiben, weil sie von dem Dorfschützer immer wieder mit dem Tod bedroht wurde. Aus dem Grund ist sie in den Westen der Türkei nach Bandirma gekommen. Die Vergewaltigung und Bedrohung der Dorfschützer hat auf für den psychologischen Zustand der Frau schlimme Folgen. Sie ist in Bandirma in Behandlung, sagte die Anwältin Eren Keskin. Nach der Behandlung werden sie mit den Ergebnissen das Verfahren noch einmal aufrollen. Der Dorfschützer wurde damals von den Soldaten festgenommen, er ist nach einem Monat wieder auf freien Fuß gesetzt worden. (ÖP 15.7.)

Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt.Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P = Özgür Politika, Evrensel)