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Pressemitteilung Nr. 48 Manisa: Wenn man die Polizei nach Namen fragt, wird man gefoltert Am 13. September 1999 wurde der Bauarbeiter Ayhan Boztas von Polizeieinheiten festgenommen und gefoltert. Er hatte einen Zivilpolizisten nach dessen Namen gefragt, dies reichte als Grund für seine Festnahme. Ayhan Boztas dachte, daß er der Baumeister ist, der bei der Baustelle neu angefangen hatte. Der Vorfall hat sich nach Schilderung von A. Boztas wie folgt abgespielt: "Mein Chef hat mir einen Tag vorher Bescheid gesagt, daß auf der Baustelle ein neuer Baumeister anfangen wird. Nach der Beschreibung meines Chefs, wo ich ihn finden sollte, stand ein Mann, auf den ich zugegangen bin und ihn nach seinem Namen gefragt habe. Er antwortete darauf, ich bin ein Polizist und was bildest du dir ein, mich nach meinem Namen zu fragen. Dann fing er an, mich zu beleidigen und zusammenzuschlagen. Eine Weile später kamen andere Polizeibeamte und haben mich in einen weißen Renault PKW gesetzt. Ich habe versucht, mich gegen diese Zwangs-Transportierung zu wehren. Ich bin zum Polizeipräsidium gebracht worden. Sie haben mich dort weiter zusammengeschlagen. Ein Polizist hat mich auf den Beton geworfen. Ich war bewußtlos. Ich wurde später zum Krankenhaus gefahren und der zuständige Arzt fragte nach, was und wo ich mich verletzt habe, dabei habe ich ihm leise in seine Ohren geflüstert, daß die Polizei mich zusammengeschlagen hat. Der Arzt hat bei mir eine Gehirnoperation durchgeführt. Ich wurde eine Weile später aus dem Krankenhaus entlassen." Er wurde eine Woche früher aus dem Krankenhaus entlassen, obwohl er eine Woche länger im Krankenhaus hätte bleiben müssen. Sein Gesundheitszustand hat sich Zuhause verschlechtert. Er mußte noch einmal in ein Krankenhaus gebracht werden. Er wurde noch einmal am Gehirn operiert. Während der Operation waren die Polizeibeamten anwesend. Boztas ist verheiratet und hat 3 Kinder. Seine Familie hat gegen den Zivilpolizisten und andere Beamte, die ihn im Polizeipräsidium zusammengeschlagen haben eine Anzeige erstattet. (ÖP 28.9.99) Koluman ist tot 10 politische Gefangene ermordet Erneute Hinrichtung in Adana Adana: Der Vater des am 5.10.99 durch die Polizei hingerichteten Murat Bektas hat einen Anwalt beauftragt, Anzeige gegen die Verantwortlichen der Hinrichtung zu stellen. (Ö.P. 14.10.99) Dersim: Riza Irgit, der in dem zu Dersim- Mazgirt gehörenden Dorf Ortaharman lebt, wurde am 7. Oktober 99 an der Elmali Brücke zwischen Elazig und Dersim von dem Dorfschützer Aga Ilaslan und seinen Leuten mit Latten und Gewehrkolben zusammengeschlagen. Irgit hat an mehreren Stellen der Körper Verletzungen erlitten, er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Bruder hat sich an den IHD -Elazig gewandt und dort um Hilfe gebeten. Haydar Igdir hat eine Anzeige gegen die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft Mazgirt eingereicht. Sie sollen vor Gericht gestellt werden. Inzwischen hat der IHD-Elazig Vorsitzende, Cafer Demir, das Krankenhaus angerufen, und über den Gesundheitszustand von Irgit mit dem zuständigen Arzt, Vedat Aslan, gesprochen. Riza Irgit schwebt immer noch in Lebensgefahr. (ÖP 10.10.99) Siirt: Das Militär von Eruh läßt 9 Dorfbewohner aus Buzikre nicht in ihr Dorf gehen. Die Dorfbewohner wurden im Mai 1998 gezwungen Dorfschützer zu werden. Sie mußten die Waffen des Militär annehmen. Später im November 98 kamen die Soldaten wieder zum Dorf und nahmen 27 Dorfbewohner fest. Sie wurden zur Militärstation gebracht und dort verhört. Die Verhöre haben unter schwerer Folter eine Woche gedauert. Sie wurden zum Gefängnis Siirt gebracht. Ein Jahr später wurden die Dorfbewohner aus Buzikre (Cintepe) vor Gericht gestellt. Das Gericht fand die inhaftierten Dorfbewohner als nicht schuldig. Sie wurden freigesprochen. Als die Dorfbewohner in ihr Dorf gehen wollten, wurden sie von dem zuständigen Militär daran gehindert. Sogar ein Dorfbewohner wurde ins Auto gesteckt und wieder zurück zur Stadt Siirt geschickt. Als sie nach der Entlassung in Eruh eintrafen, wurden sie zum zuständigen Militär gebracht. Dort wurde den Dorfbewohnern gesagt, daß sie im Gefängnis waren und wir werden euch keine Erlaubnis geben, daß ihr in euer Dorf gehen dürft. Ihr seid alle Terroristen. Wenn ich höre, daß ihr himlich zum Dorf geht, werde ich euch alle töten. (ÖP 12.10.99) Dersim: In dem zu Dersim-Nazmiye gehörenden Dorf Günlücek wurde am 2.10.1999 ein Dorfbewohner, namens Ali Hidir Kocamis, nach Aussagen eines Kronzeugen wegen angeblicher Unterstützung der PKK festgenommen und nach Dersim gebracht. Während des einwöchigen Verhörs wurde er schwer gefoltert. Während der Folter wurde ihm immer wieder gesagt, er soll über die PKK Informationen geben, weil seine Kinder sich der PKK angeschlossen haben. Nach einer Woche wurde er aus der Haft entlassen. Sein Gesundheitszustand hat sich so verschlechtert, daß er nicht mehr laufen kann. (ÖP 12.10.99) Nachrichten Zentrum: Van: Der Dieseltreibstoff der Dorfbewohner wurde vom Militär beschlagnahmt In dem zu Van-Saray gehörenden Dorf Turan wurden 40 Tonnen Diesel am 7.10.99 vom Militär beschlagnahmt. Der Treibstoff war für den kommenden Winter von den Dorfbewohnern besorgt worden. Diyarbakir: In Diyarbakir-Kulp haben die Dorfschützer 2 Menschen angeschossen. Am 8.10.99 hat der Dorfschützer Hikmet Tanrikulu um 9.30, Ferman Celik und Mehmet Yildiz vor dem Rathaus angeschossen. Sie wurden ins Krankenhaus eingeliefert und schweben immer noch in Lebensgefahr. (ÖP 11.10.99) Mus: Über den am 1.Oktober aus dem Gefängnis mitgenommenen Gefangenen, Siddik Kuzu, fehlen immer noch Informationen. Die Angehörigen des Gefangenen sagten, daß er vor einem Monat festgenommen worden sei. Er wurde von Jitem aus seiner Zelle herausgeholt und bis jetzt ist unbekannt, wo er geblieben ist. (ÖP. 11.10.99) Adana: In dem zu Adana -Seyhan gehörenden Dorf Sarihamzali hat die Polizei ein Haus gestürmt. 2 Menschen haben sie festgenommen, die angeblich Mitglieder der TKP/ML sind. (ÖP 12.10.99) Izmir: Ein 13 jähriges Mädchen wurde bei der Polizei schwer gefoltert. Das Mädchen wurde Ende September in Izmir-Kemeralti festgenommen und zum Polizeipräsidium Bozkaya gebracht. Sie schilderte die Vorgehensweise der Polizei: "In Kemeralti wurde einer Frau Geld gestohlen. Die Polizei sagte, ich hätte das Geld von der Frau geklaut. Dann fingen sie an, mich zu beleidigen. Sie schleppten mich ins Auto und brachten mich nach Bozkaya zur Polizei. Dort haben sie mich zusammengeschlagen. Ich hatte viel Angst. Sie haben mir das Geld, das ich von meiner Mutter hatte, weggenommen. Am 6.Oktober bin ich wegen meiner Ohrenschmerzen ins Krankenhaus gegangen dort standen Zivilpolizisten, die mich damals festgenommen und gefoltert haben. Sie fragten mich, was ich will, daraufhin sagte ich, ich möchte mich untersuchen lassen und über die Folter ein Attest haben. Daraufhin haben sie mich noch einmal festgenommen, und nach Izmir-Bozkaya gebracht. Sie haben mir meine beiden Hände festgebunden und meinen Anzug ausgezogen. Nachdem sie ihn ausgezogen haben, haben sie zusammen über mich gelacht. Siebeleidigten mich weiter. Sie sagten, wenn ich sie anzeige, werden sie weiter schlagen und einen Grund finden, mich ins Gefängnis zu bringen. Sie brachten eine Frau und sagten ihr, sie soll sagen, daß ich Geld von ihr geklaut habe. Die Polizisten sagten: sie ist ein Dieb. Sie hat dein Geld geklaut. Ich bin später dem Staatsanwalt vorgeführt worden. Er ließ mich frei. Ihm habe ich die Folter vorgetragen. Nach der Entlassung konnte ich nicht mehr gehen. Ich habe unheimlich viel Angst gehabt. Ich konnte nicht mehr schlafen. Wenn ich daran denke, will ich sterben. Ich habe Angst, daß sie mich wieder festnehmen. Meine Mutter kann nicht einkaufen gehen, weil sie gelähmt ist." Die Mutter versucht, ihr Kind mit Hilfe der Menschenrechtsstiftung behandeln zu lassen. (ÖP 12.10.99) Istanbul: Die wegen Krankheit aus dem Gefängnis Umraniye entlassene Hanim Baran hat eine Anzeige gegen die Verantwortlichen gestellt, die sie 1994 12 Tage lang gefoltert haben. Im Namen von Hanim Baran haben die Anwälte Eren Keskin, Fatma Karakas und Safak Yildiz bei der Staatsanwaltschaft Fatih die Anzeige eingereicht. Die Verantwortlichen sollen nach dem türkischen Gesetz § 243, 416, 421 bestraft werden. In der Anzeige werden folgende Vorwürfe erhoben: "Unsere Mandantin Hanim Baran, wurden, in der Zeit, wo sie eingesperrt war, von den zuständigen Polizeibeamten die Augen mit einem Band verbunden, und in dieser Zeit wurde die Augenbinde nicht abgenommen. Sie mußte 5 Tage nackt (ausgezogen) verbringen. 6 mal wurde sie an der Decke aufgehängt. Wenn sie aufgehängt war, wurden ihr an ihrer Vagina und den Brustspitzen Stromschläge gegeben. Außerdem wurden ihre Geschlechtsorgane mit Hochdruckwasser abgespritzt. Weiter mußte sie sich nach vorne beugen und dabei wurde eine schwere Last oder auch männliche Person auf sie fallengelassen. Zuerst dachte sie, daß ihre Knochen gebrochen sind, in dem Moment merkte sie, daß ihr Geschlechtsorgan blutete. Diese Blutung hat auch die nächsten Tagenangedauert. Später hat ein Polizist seinen Gummiknüppel in ihre Vagina gesteckt. Nach der Entlassung konnte sie tagelang nicht mehr essen. (ÖP 12.10.99) Diyarbakir: Dem ehemaligen türkischen US-Botschafter Sükrü Elekdag und dem ehemaligen CHP-Abgeordneten Bülent Tanla wurde vom Militär die Einreise nach Lice verhindert. Beide arbeiten an einem Projekt "Gesellschaftlichen Frieden herstellen". Beide befinden sich seit Tagen in Diyarbakir und sind dort mit ca. 60 Parteienvertretern und zivilen Organisationen zusammengekommen, um eine Lösung in der Kurdenfrage zu erarbeiten. Sie wollten u.a. auch diese Untersuchungen in Lice vornehmen, was vom Militär verhindert wurde. Erzurum: In dem Dorf Karabey, das zu Erzurum-Cat gehört, wurden 7 Verwandte einer ARGK-Kämpferin, die bei einer Auseinandersetzung mit dem Militär umgekommen war, verhaftet. Die Verwandten wollten vor 10 Tagen an der Beerdigung teilnehmen. Sie wurden festgenommen und 7 Tage lang verhört, anschließend in das Gefängnis von Erzurum gebracht. Anschließend haben Soldaten der türkischen Armee das Dorf der Betroffenen überfallen und das Haus des u.a. festgenommenen Kemal Güleser durchsucht. Bei der Durchsuchung haben die Soldaten ein Fernglas gefunden und daraufhin dies zum Anlaß genommen, die Frau und Tochter von Kemal Güleser festzunehmen. Sie wurden beide zur Gendarmerie gebracht und verhört und am Nachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt. (ÖP 14.10.99) Adana: Die in Adana-Sarihamzali festgenommenen Meral Solmaz, Muzaffer Solmaz und Kahraman Solmaz wurden gestern vom Staatssicherheitsgericht in Haft genommen. Ihnen wurde vorgeworfen, daß sie Mitglied der TKP/ML sind. Sie wurden ins Kürkcüler-Gefängnis gebracht. (ÖP 14.10.) Die Informationen wurden aus unten aufgeführten Zeitungen zusammengestellt. Auf Wunsch können wir Ihnen die Belegausschnitte aus den Zeitungen per Kopie zur Verfügung stellen. Nicht direkt gekennzeichnete Artikel stammen aus Mitteilungen, die wir ebenfalls auf Wunsch zur Verfügung stellen können. (Ö.P = Özgür Politika, Millyet)
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