Erklärung der Volksbefreiungsarmee Kurdistans ARGK an die ARGK-Einheiten vom 13. Juli 1999 bezüglich der letzten Entwicklungen in der Türkei und Kurdistan

An alle ARGK-Einheiten, Kommandanten und Kämpfer!

Unser Volk und unsere Befreiungsbewegung haben seit der Urteilsverkündung am 29. Juni mit ihrem Widerstandswillen gezeigt, daß dieses Urteil unsererseits nicht akzeptiert wird und auch in Zukunft nicht akzeptiert werden kann. Dieser entschlossene Widerstand ist eine Antwort an alle uns freundlich oder feindlich gesinnten Kräfte und zeigt offen die Entwicklungen im Falle einer Vollstreckung des Todesurteils. Dieses Faktum sollte sich jeder, vor allem die türkische Seite, vor Augen halten.

Ohne Zweifel wird unser Volk auch in Zukunft mit demokratischem und politischem Widerstand gegen dieses Urteil ankämpfen. Unser Volk wird alles dafür einsetzen, um seine ihm zustehenden Rechte zu bekommen und sie auch zu verteidigen. In diesem Sinne rufen wir unser Volk auf, auch weiterhin diesen gerechten Widerstand aufrechtzuerhalten.

Auch alle Einheiten unserer Volksbefreiungsarmee haben in diesem Zeitraum gegen Angriffe der türkischen Armee tapfer Widerstand geleistet. Mit ihrem Kampfgeist haben sie unseren Volkswiderstand unterstützt und sind zu einer vereinten Kraft geworden. Dieser aktive Widerstand wird auch in Zukunft gegen jede Art von Angriffen der türkischen Armee weitergeführt werden.

Ab diesem Zeitpunkt bis zu einem erneuten Befehl sollen keine weiteren Selbstopferungs-Anschläge durchgeführt werden. Es wird versucht werden, Angriffe verschiedener Kreise auf zivile Ziele zu verhindern.

Alle Kommandanten und Kämpfer!

In dieser heiklen Phase unseres Widerstandes dürfen keine Schritte unternommen werden, die unserem Kampf schaden könnten. Dazu muß die von uns vorgegebene Linie eingehalten und umgesetzt werden. Wir möchten letztendlich in diesem Sinne unseren Märtyrern, die in diesem Kampf gefallen sind, unseren Respekt entgegenbringen und grüßen alle unsere Genossen."

Aufruf des Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan vom 2. August 1999 aus Imrali

Die Umstände des bewaffneten Konflikts und Gewalt in der Türkei bedeuten ein Hindernis für die Menschenrechte und die demokratische Entwicklung. Die wesentliche Rolle spielt dabei jene Gewalt, die aus dem Kurdischen Problem resultiert. Um das Dilemma zu überwinden und das Problem zu lösen ist es notwendig die Gewalt zu beenden.

Aus diesem Grunde, in Erinnerung an den umfassenden Waffenstillstand der PKK vom 1. September 1998, rufe ich (die Arbeiterpartei Kurdistans, PKK) dazu auf, ab dem 1. September 1999 den bewaffneten Kampf zu beenden und alle bewaffneten Kräfte auf Territorien außerhalb der türkischen Staatsgrenzen zurückzuziehen.

Ich drücke in diesem Zusammenhang meine Hoffnung aus, daß sich auf diese Weise eine neue Phase in Richtung auf einen Dialog und Übereinkunft entwickeln wird.

Ergänzend hierzu rufe ich alle Staaten und die betreffenden gesellschaftlichen Institutionen und Verantwortlichen dazu auf, sensibel gegenüber dem Erfolg dieser Phase des Friedens und der Brüderlichkeit zu sein und diese zu unterstützen. Die nationalen und internationalen Regierungen und Institutionen rufe ich dazu auf, sich gegenseitig hierbei positive behilflich zu sein.