'Nicht eine Bombe, 18 Bomben‘

Nach Meinung des CHP-Abgeordneten aus Hakkari, Esat Canan, muss nicht nur der letzte Bombenanschlag in Semdinli untersucht werden, sondern alle in den letzten Monaten in Hakkari, Yüksekova und Semdinli stattgefundenen Explosionen. „Sie müssen als ein ganzes betrachtet werden, denn alle 18 Bombenanschläge stehen miteinander in Zusammenhang“, erklärte Canan. Die Parteien CHP, AKP und ANAP fordern eine parlamentarische Untersuchung der Vorfälle. Parlamentspräsident Bülent Arinc hat eine solche Untersuchung bereits zugesichert.

Gegenüber RADIKAL erklärte Canan, der direkt nach dem Anschlag auf einen Buchladen in der Kreisstadt eingetroffen war: „Bevor ein Jandarma-Unteroffizier während der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung [des Tatfahrzeuges] auf die Menschenmenge schoss, wurde bereits aus einem Polizeipanzer geschossen. Dieses Ereignis, bei dem der Staatsanwalt selbst Zeuge war, findet keine Beachtung. Meiner Meinung nach gibt es im Zusammenhang mit diesen Schüssen dahinter stehende Befehlsgeber. Das soll vertuscht werden. Auch die Bombe im Buchladen sollte nicht vergessen werden. Erst am Tag nach dem Anschlag konnte im Buchladen eine Untersuchung stattfinden. Der Untersuchungsbericht muss veröffentlicht werden. Dann wird klar werden, dass auch diese Handgranate aus der [staatlichen] Produktion MKE stammt und von gleicher Bauart ist, wie die im Kofferraum [des Tatfahrzeuges] sicher gestellten Handgranaten. Es hat 18 Bombenanschläge gegeben. Die meisten davon habe ich untersucht. In Semdinli gab es sechs Explosionen, in Yüksekova acht und in Hakkari vier. Keiner der Täter ist gefasst worden. Die meisten richteten sich gegen Geschäftszentren, gegen Geschäfte reicher Personen. Die Bombenanschläge müssen als Gesamtheit untersucht und aufgeklärt werden“.

Gegenüber der Tageszeitung Milliyet erklärte Canan außerdem: „Auftragsort des Jandarma-Geheimdienstes sind die Berge. In der Kreisstadt gibt es keinen Zusammenhang zu geheimdienstlichen Aufträgen. Sie sind nach Semdinli gekommen, um diese Aktion auszuführen. In den ersten beiden Tagen wurde überhaupt keine Erklärung abgegeben. Dadurch wurde ermöglicht, einen Verteidigungsplan für die Unteroffiziere zu erstellen. Entsprechend der Entwicklungen wurden ihre Aussagen angepasst. Die Täter werden von oben geschützt.“

Quelle: Radikal, Milliyet, 15.11.2005, ISKU

Übersetzung aus dem Türkischen
ISKU | Informationsstelle Kurdistan