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letzte Änderung: 30/01/03 15:24 |
Bildung
Wirtschaftsförderung und Public-Private Partnerships zwischen Pharmaindustrie (Altana / Byk Gulden) und Universität (Fachbereiche Biologie, Chemie und Life Science) am Beispiel Tierversuche in Konstanz
"Tierversuche bleiben in Konstanz" frohlockte der Südkurier am 10.12.2002 ob der Pläne von Altana / Byk Gulden, seine Hamburger Labor-Standorte in Willinghusen zusammenzulegen. Laut Südkurier leben derzeit 80 Hunde in Konstanz als Versuchstiere. Wie gross die Zahl der darüberhinaus in Konstanz regelmäßig für Pharmaversuche benutzten und anschliessend umgebrachten Tiere ist, lässt sich erahnen, wenn man in der Datenbank der Ärzte gegen Tierversuche recherchiert. Dort sind wissenschaftliche Aufsätze von Tierversuchen ausgewertet worden, die Beschreibungen der tierquälerischen Versuche, die Anzahl und Arten der verbrauchten Tiere sowie die Namen der dafür verantwortlichen Institute und Personen enthalten.
In Konstanz sind es vor allem Altana / Byk Gulden (Abteilung für Respiratorische Pharmakologie und Biometrie, Institut für Pathologie und Toxikologie) und verschiedene Institute der Universität (Fachbereich Biologie, Biochemische Pharmakologie, Institut für Biopsychologie, Fakultät für Psychologie, Sozialwissenschaftliche Fakultät), die in dieser Datenbank verzeichnet sind. Laut Datenbank wurden allein zwischen 1998 und 2001 mindestens 19 Versuche durchgeführt, bei denen zusammen mehr als 1000 Ratten, 500 Mäuse, 18 Wirbellose (Hummer), 46 Tauben und 51 Goldfische getötet wurden. Die zumeist qualvollen Bedingen, unter denen dies geschieht, lesen sich etwa so:
Dokument Nr. 9 |
Es ist davon auszugehen, dass dort lange nicht alle Tierversuche, die unter Beteiligung von Konstanzer WissenschaftlerInnen durchgeführt werden, erfasst sind. Und wieviele Tiere Jahr für Jahr von der Altana / Byk Gulden weltweit vernutzt werden, ist nur zu ahnen. Die Altana Pharma GmbH mit Hauptsitz in Konstanz ist eine Firmengruppe mit über 7.000 MitarbeiterInnen und die Muttergesellschaft Altana AG ein transnationaler Pharma- und Chemie-Konzern mit ca. 2,3 Mrd $ Jahresumsatz und 9.500 MitarbeiterInnen an zig Standorten weltweit.
Mit dem Wintersemester 2002/2003 können Studierende zum ersten Mal den neu gegründeten und von den Fachbereichen Biologie und Chemie gemeinsam geplanten Bachelor/Master Studiengang "Life Science" belegen. Der Lehrplan ist perfekt auf die Anforderungen des Konstanzer Pharmaunternehmens zu geschnitten und Fächer wie "Zoologie", "Genetik", "Zellbiologie" oder "klinische Medizin/Pathophysiologie" lassen nichts Gutes ahnen.
An der Universität Konstanz besteht darüber hinaus eine ungewöhnlich weit fortgeschrittene Partnerschaft zwischen einem Unternehmen der Pharmaindustrie und dem Wissenschaftsbetrieb. Im DFG-geförderten Graduierten-Kolleg 703 "Biomedizinische Wirkstoff-Forschung" verhelfen unter der Leitung von Prof. Albrecht Wendel 5 Hochschullehrer der Universität (Biochemische Pharmakologie, Biologische Chemie, Molekulare Toxikologie und Molekulare Genetik) und 2 habilitierte Forscher der ALTANA Pharma GmbH gemeinsam 16 Graduierten zur Promotion. Na, wenn das keine "vorausschauende Interaktion" mit dem späteren Berufsfeld wird ... Die Altana Pharma steuert dazu "zusätzliche Sachmittel" bei. Aus Sicht einer unterfinanzierten Hochschule mag sich dies wie eine selbstlose Unterstützung der Wissenschaft durch ein wohlwollendes Unternehmen darstellen. De facto handelt es sich aber um eine recht direkte Subventionierung der Privatwirtschaft seitens des Staates wenn öffentliche Mittel für gemischt durchgeführte und einseitig verwertete Forschungsprojekte verwendet werden. Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie im Zeitalter des Spätkapitalimus eben.
In die gleiche Kerbe schlägt der von der Altana AG an der Uni Konstanz eingerichtete Herbert-Quandt-Stiftungslehrstuhl für Existenzgründung und Innovationsforschung und das Vorhaben eine Existenzgründungsgesellschaft ins Leben zu rufen. Altana begründet diese public-private partnerships recht offen mit der Notwendigkeit von wissenschaftlich-technischen Wissen für ihren unternehmerischen Erfolg.
Der seit 1980 jährlich von der Quandtstiftung in Kooperation mit der Universität Konstanz verliehene "Byk-Preis" (15.000 Euro als Auszeichnung für 3 naturwissenschaftliche Dissertationen) ist nur ein weiteres Beispiel für die Verquickungen zwischen Hochschulen und Pharmaindustrie gerade auch in Konstanz. Die gemeinsam von Uni Konstanz und Byk Gulden / Altana durchgeführten und anschliessend publizierten Tierversuche unterstreichen das ebenso wie das Sponsering der Uni-Bibliothek durch Byk Gulden. Denn nur "durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Firma Byk Gulden GmbH kann die Bibliothek der Universität Konstanz seit 1998 folgende naturwissenschaftliche Zeitschriften beschaffen: Nature Science, Lancet, American Journal of Pathology". Bei der Altana GmbH liest sich das so: "Hinter unseren Aktivitäten im Bereich Sponsoring & Public Private Partnership steht die enge Zusammenarbeit der ALTANA im Bildungsbereich mit öffentlichen und privaten Organisationen. Dies geschieht stets im beiderseitigen Interesse und ist am Gemeinwohl orientiert."
Herbert Quandt ist übrigens 1. Vorsitzender der Altana AG. Ihm zu Ehren hat die Altana AG eine 2. Herbert-Quandt-Stiftung gegründet, die zusammen mit der Herbert-Quandt-Stiftung von BMW an ihrem Sitz in Bad Homburg neuerdings Ziel von Antifa-Demonstrationen geworden ist. "Die BMW-eigene Quandt-Stiftung hat sich auf die Organisierung und Förderung sogenannter „Sicherheitskonferenzen“ auf fast allen Kontinenten spezialisiert, auf denen hochrangige Militärs, PolitikerInnen und VertreterInnen der Rüstungsindustrie die Sicherung der Neuen Weltordnung besprechen." (vgl. http://www.antifa-hg.org/)
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