laut und bunt gegen nazis

antifaschistische demonstration

gegen das nazizentrum in eschweiler-dürwiß (kreis aachen)

anschließend konzert und kulturschock

samstag, 4. september 99, 12 uhr eschweiler talbahnhof

Das 'braune Haus'

Ende 97 mußten Manfred Rouhs und sein neofaschistischer 'Europa Vorn'-Verlag (heute: 'Signal') nach antifaschistischen Protesten das 'braune Haus' in der Jülicher Straße 247-249 in Eschweiler-Dürwiß verlassen. Ein Jahr später wurde das Haus an den damaligen JN-Kader Achim Ezer vermietet und zum Sitz der 'Jungen Nationaldemokraten' (JN) NRW sowie ihrer Zeitung 'Schwarze Fahne' und des dazugehörigen Versandes.

Die Spaltung der JN

Ezer kandidierte im April 99 als JN-Bundesvorsitzender und verlor die Kampfabstimmung gegen Sascha Roßmüller. Die schon vorher bestehenden Differenzen zwischen der JN Sachsen, NRW und Teilen aus Baden-Württemberg auf der einen und der Mutterpartei NPD und dem amtierenden JN-Bundesvorstand auf der anderen Seite führten nun zusammen mit persönlichen Angriffen (Roßmüller wurde wegen seines Besuches bei einer polnischen Prostituierten 'Rassenschande' vorgeworfen, dieser rechtfertigte sich damit, er habe sich 'dabei als Herrenmensch gefühlt') und dem Vorwurf des Wahlbetrugs zum Austritt des Flügels um Ezer aus der JN. Der ausgetretene Flügel sieht sich als 'außerparlamentarische Opposition' und arbeitet mit den militanten, nationalsozialistischen 'Freien Kameradschaften' zusammen, der amtierende Bundesvorstand der JN dagegen distanziert sich offiziell davon und konzentriert sich auf die nächsten Landtagswahlen.

Das 'Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft'

Unter Führung der ehemaligen JN NRW-Kader Achim Ezer und Frank Amberg und unter Beteiligung der übrigen aus der JN ausgetretenen Kader wurde nun am 5. Juni das "Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG) mit Sitz in Eschweiler-Dürwiß als "Rechtsabspaltung" der NPD/JN gegründet. Neben dem Haus in der Jülicher Straße, in dem das erste BDVG-Schulungszentrum entstehen soll, wurden auch Zeitung und Versand der "Schwarzen Fahne" übernommen, welche wohl auch zur Finanzierung des BDVG beitragen sollen.

Das BDVG sieht seinen Schwerpunkt in der Bildungsarbeit "in Verbindung mit politischer Aktion", hält die "nationale Idee" für "größer und bedeutender als den Einzelnen" und möchte "die Volksgemeinschaft im Kleinen vorleben". Darüberhinaus finden sich im BDVG-Grundsatzprogramm die üblichen Widerwärtigkeiten versammelt, die "Wiedereingliederung der völkerrechtswidrig abgetrennten deutschen Gebiete" wird ebenso gefordert wie das "Ende der lebensfeindlichen und menschenverachtenden multikulturellen Ideologie". Es wird zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital unterschieden, die Todesstrafe soll wieder eingeführt werden, die "Gesundung und Festigung des Bauerntums als Kultur- und Kraftquell unseres Volkes" wird verlangt und die Familie verHERRlicht.

Die alltäglichen deutschen Widerwärtigkeiten

Die Demonstration richtet sich gegen das offen nationalsozialistisch auftretende BDVG. Darüber aber darf nicht der Kampf gegen die alltäglichen deutschen Verhältnisse vergessen werden.

Die vom BDVG propagierte Volksgemeinschaft formiert sich ansatzweise schon heute, wenn Deutsche gemeinsam gegen angebliche 'Asyl- und SozialschmarotzerInnen', 'ausländische Drogenbanden', nicht in ihre Norm passende Menschen und das in dieser Form nicht existente Wahnbild der 'Organisierten Kriminalität' hetzen. Zumeist nur verbal, während der Bundesgrenzschutz beispielsweise die als 'Schlepper' diffamierten FluchthelferInnen jagt und als 'Illegale' bezeichnete AsylbewerberInnen an der deutschen Ostgrenze erschießt, ertrinken läßt oder in den Tod hetzt.

Wenn tödliche Abschiebungen auf der Tagesordnung sind und die deutsche Armee ohne nennenswerten Widerstand wieder weltweit 'humanitär' morden darf und dabei auch gleich die deutsche Geschichte durch Vergleiche zwischen Milosevic und Hitler entsorgt wird. Unter tatkräftiger Mithilfe der deutschen Presse und der deutschen Bevölkerung, die mit Erinnerung an ihre eigenen Taten noch nie etwas anfangen konnte und ihren Rassismus jetzt schon durch eine Unterschrift bei der CDU beweisen kann.

Wenn (nicht nur) Martin Walser zum Verdrängen des Dritten Reiches auffordert und seine antisemitischen Reden gefeiert werden, sich das deutsche Volk und die deutschen 'Intellektuellen' in der Verurteilung von Ignatz Bubis einig sind, und einige wie Henning Voscherau und Rudolf Augstein diese antisemitischen Exzesse noch steigern. Wenn diese antisemitischen Stereotypen in den Reaktionen auf die Forderungen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen gegen deutsche Firmen nur fortgesetzt werden und sich das deutsche Volk und die deutsche Regierung demonstrativ hinter die deutsche Industrie stellen, dann muß klar sein, daß Antisemitismus und Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft kommen und diese genauso zu bekämpfen ist wie offen auftretende Neonazis.

 

weg mit nationalem konsens und vaterland !

deutsche normalitäten angreifen !

das 'bildungswerk deutsche volksgemeinschaft' zerschlagen !

 

 

 

zugverbindungen:

regionalexpress dortmund hbf 9.15 uhr essen hbf 9.39 uhr duisburg hbf 9.54 uhr

düsseldorf hbf 10.11 uhr köln hbf 10.45 uhr -> eschweiler hbf 11.25 uhr

regionalexpress aachen hbf 11.17 uhr -> eschweiler hbf 11.30 uhr

wir gehen gemeinsam zum talbahnhof und nach der demo geschlossen zum hbf zurück.

es ist mit fotografierenden nazis im haus des bdvg zu rechnen.

 

antifaschistisches bündnis aachen c/o rotes büro charlottenstr. 6 52070 aachen fax 0241-5152478

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