Das "Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft" in Eschweiler
Im November 98 zog der Vorsitzende der 'Jungen Nationaldemokraten' (JN) NRW, Achim Ezer, in das bis Ende 97 von Manfred Rouhs und seiner Zeitschrift 'Europa Vorn' (heute: 'Signal') genutzte 'braune Haus' in der Jülicher Straße 247-249 in Eschweiler-Dürwiß (Kreis Aachen) ein.
Das Haus wurde zum Sitz der JN NRW und ihrer Zeitung 'Schwarze Fahne' sowie des dazugehörigen Versandes und sollte zu einem Schulungszentrum ausgebaut werden.
Nachdem Ezer am 12.4.99 eine Kampfabstimmung um den Posten des JN- Bundesvorsitzenden knapp gegen Sascha Roßmüller verlor, warf der Flügel um Ezer (JN NRW, Sachsen und einzelne Kader aus Baden-Württemberg) der JN Wahlbetrug vor und trat Ende Mai geschlossen aus. Der NPD/JN-Führung wurden außerdem die satzungswidrige Aufnahme eines bosnischen Doppelpassbesitzers in die JN ("Man muá bereit sein, positive Elemente in die Volksgemeinschaft einzubinden", Sascha Roßmüller) sowie "rufschädigendes Verhalten" vorgeworfen. Damit war insbesondere Roßmüllers vorzeitiges Verlassen eines Liederabends gemeint, der stattdessen eine polnische Prostituierte aufsuchte, was ihm den Vorwurf der "Rassenschande" einbrachte. Er habe sich dabei allerdings als "Herrenmensch" gefühlt.
Diese persönlichen Vorwürfe, wozu auch "Trunksucht" und "schlechtes Benehmen" gehören, sind natürlich nur vordergründig Anlaß der Trennung. Es geht vor allem um das Verhältnis der JN zur Mutterpartei NPD und zu den militanten Neonazis aus den "Freien Kameradschaften". Der ausgetretene Teil des Verbandes propagiert eine "kämpferische JN" als außerparlamentarische Opposition, wozu auch eine Zusammenarbeit mit den nationalsozialistischen "Freien Kameradschaften" zählt, der jetzige JN-Bundesvorstand und die NPD dagegen sehen die JN nur als 'Anhängsel' der NPD und konzentrieren sich auf die bevorstehenden Wahlen, insbesondere im Osten.
Unter Führung der ehemaligen JN-Kader Achim Ezer und Frank Amberg wurde nun am 5. Juni das "Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG) mit Sitz in Eschweiler-Dürwiß als "Rechtsabspaltung" der NPD/JN gegründet. Neben dem Haus in der Jülicher Straáe, in dem das erste BDVG-Schulungszentrum entstehen soll, wurden auch Zeitung und Versand der "Schwarzen Fahne" übernommen, welche wohl auch zur Finanzierung des BDVG beitragen sollen.
Die übrigen ausgetretenen JN-Kader gehören auch dem BDVG an und planen weitere Kader-Schulungszentren, was das BDVG zu einer relevanten Kraft in der extremen Rechten macht.
Das BDVG sieht seinen Schwerpunkt in der Bildungsarbeit "in Verbindung mit politischer Aktion", hält die "nationale Idee" für "größer und bedeutender als den einzelnen" und möchte "die Volksgemeinschaft im kleinen vorleben". Ansonsten finden sich im BDVG-Grundsatzprogramm die üblichen Widerwärtigkeiten versammelt, die "Wiedereingliederung der völkerrechtswidrig abgetrennten deutschen Gebiete" wird ebenso gefordert wie das "Ende der lebensfeindlichen und menschenverachtenden multikulturellen Ideologie". Es wird zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital unterschieden, die Todesstrafe soll wieder eingeführt werden und die "Gesundung und Festigung des Bauerntums als Kultur- und Kraftquell unseres Volkes" wird verlangt.
Am Samstag, den 4. September 99 findet unter dem Motto "Laut und bunt gegen Nazis" eine überregionale antifaschistische Demonstration mit anschlieáendem Konzert gegen das BDVG in Eschweiler statt (Beginn: 12 Uhr Talbahnhof).
Weitere Informationen gibt es beim Antifaschistischen Bündnis Aachen, c/o Rotes Büro, Charlottenstr. 6, 52070 Aachen, Fax 0241-5152478, e-mail: antifa_b_aachen@iname.com oder im Internet über die Seiten: www.nadir.org/nadir/initiativ/rotes_buero
R. Hotzenplotz