Dienstag, 30. Mai 2000

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Presseerklärung

Nazi-Preis für den US-Präsidenten?

Am 2. Juni wird US-Präsident Clinton den Karlspreis explizit für den Krieg in Jugoslawien in Aachen empfangen. Diesjähriger Laudator wir Gerhard Schröder sein. Dieser Preis wurde bislang Personen verliehen, die halfen Deutschlands ökonomische, politische uind militärische Kraft nach dem 2. Weltkrieg wiederaufzubauen und - aktuell - halfen, Deutschlands Einfluß in Osteuropa und mit militärischen Mitteln auf dem Balkan zu erweitern. Der Preis wurde 1949 gegründet und von Kurt Pfeiffer initiiert, der auf merkwürde Art von einem NSDAP- Mitglied zu einem "Demokraten" mutierte. Wie im Padover Bericht erwähnt, blickte er auf die Zeit von 33-45 als ökonomisch erfolgreiche Zeit zurück. So erscheinen uns auch die Quellen des Preisgeldes dubios. Pfeiffer's Idee zur Karlspreisinitiative war "[Ich will die] Wiederaufrichtung der Deutschen, ihre Besinnung auf die unvergänglichen Werte und die schöpferischen Leistungen des Volkes". Dieser Preis ist der Versuch, die deutsche Geschichte reinzuwaschen und möglichst unbeschadet die geopolitischen Europakonzepte der Nazis in die Nachkriegszeit zu retten. Diesem Sinne gilt auch der Name "Karlspreis": Karl der Große war eine Kultfigur des NS, führte die Feudalherrschaft ein und einigte Europa mit Kriegen und mehrfachem Völkermord. Der erste Preisträger war Programm: Der Ausgezeichnete, Graf Coudenhove Callergie, gründete die Pan-Europa Bewegung ausgehend von Ideen des italienischen Faschisten Benito Mussolinis. Er teilte die 'Welt in 5 Größräume ein, wobei besonders der "Europäische Großraum" geordnet werden mußte. Die Bewegung nennt Ihn ihren "Propheten". Angesichts der diesjährigen Preisverleihung betonten der Aachener OB J. Linden und der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums W. Everheim die Ideale der Pan-Europa-Bewegung. Dabei ist die Pan-Europa-Bewegung ein Bindeglied zwischen Antidemokraten, klerikal konservativen, rechtsextremen Vereinen und Mafia-monarchischen Familien. Sie wird gegenwärtig von Otto von Habsburg und seinen Bekannten/ Verwandten kontrolliert. Heute, 10 Jahre nach der Deutschen (Wieder-) Vereinigung und ein Jahr nach dem ersten bundesrepublikanischen Kriegseinsatz zur Aufspliterung Jugoslawiens sind die Ideale des ersten Preisträgers hoch im Kurs. Seit '89 wurden Politiker mit dem Karlspreis ausgezeichnet, die beim Ausbau der Deutschen Vorherrschaft in einem größerem Europa halfen. Wird der US-Präsident ausgezeichnet, weil er dabei zusah und dabei half, die deutsche Dominanz in Osteuropa zu vergrößern und insbesondere im Balkan sogar gegen nationale Interessen der USA? Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, daß das Karlspreisdirektorium von '49 bis heute wiederholt, daß gute Ideen nicht aus demokratischen Traditionen, sondern von einzelnen hervorgehobenen Personen kämen. Für weitere Einzelheiten und Hintergrundinformation können Sie zurückfragen via Fax ++49 241 5152478 oder via email: rotes_buero@mail.nadir.org

Es grüßt Ihr Rotes Büro-Team

P.S. Zu Protesten gegen die Karlspreisverleihung rufen verschiedene Gruppen in Aachen auf. Weiteres dazu finden Sie unter www.nadir.org/nadir/initiativ/rotes_buero.