Zum §129a-Prozeß gegen Bernhard und Michael
Heute fällt der Bericht zum Prozeß kurz aus, da in den letzten Wochen nichts wesentliches "passiert" ist. Wichtig ist, daß dieser Prozeß nun am 14.11.98 bereits seit einem Jahr läuft. Er läuft und läuft und läuft. Der Vorsitzende Richter Breidling hat sich zum 750. Male, so in etwa, erklären lassen, wie eine Briefmarke auf einen Umschlag kommt, wie ein Poststempel auf eine Briefmarke kommt und das die Frage, um wieviel Uhr genau ein Brief in den Kasten geworfen wurde, tatsächlich nicht exakt von den Polizeiexperten zu beantworten ist. Auch ein gefundenes Nummernschild, über dessen Herkunft wir genauestens aufgeklärt wurden bzw. weiter aufgeklärt werden, ließ sich bis dato nicht auf einen Golf montieren. Aber über "das Schicksal des Schildes", so Richter Breidling, werden wir noch mehrfach hören. So manch ein Diplom Physiker, - Chemiker und sonstige Oberräte beim BKA werden ihre wenig sagenden Geschichten dazu erzählen. Ebensowenig zur Aufklärung des "Falles" trugen Aussagen von Polizeibeamten zur Beendigung des Prozesses bei. Deren Aufgabe war es war, die Nachbarschaft der "Anschlagsopfer" nach Auffälligkeiten zu befragen. Eine Knallhörzeugin konnte berichten, daß sie in Celle geboren ist und nach Aachen zur Kur wolle. Da drängte sich uns doch die Frage auf: Was hat Aachen mit Celle zu tun? Nun - auch der im Zuhörerteil und den ZuhörerInnen verdammt gut zuhörende VS-Spitzel, konnte oder wollte uns die Frage nicht beantworten. Wahrscheinlich überläßt er das seinem Chef, dem Herrn Düren, seines Zeichens stellvertretender Verfassungsschutzleiter NRW. Der bereichert nämlich den Prozeß im November gleich zweimal. Am 4. und am 11.11. steht Dürens Märchenstunde auf dem Programm. Den Dichterlesungen wird auf jeden Fall Gehör verliehen werden und selbstverständlich halten wir euch auf dem Laufenden.
Ach ja, vielleicht sage ich noch etwas zu Celle, falls Düren es denn doch nicht tut: Der niedersächsische Verfassungsschutz ließ 1978 mit Hilfe der GSG9 ein Loch in die Mauer der Celler Haftanstalt sprengen. Das Ganze sollte dazu dienen zwei V-Leute in die RAF draußen einzuschleusen.
Der Gefangene Sigurd Debus, der in Celle eingesperrt war, wurde aufgrund des Loches mit verschärften Haftbedingungen bestraft, gegen die er mit Hungerstreik protestierte. Er starb an den Folgen des Hungerstreiks und an den Folgen der mit Gewalt duchgeführten Zwangsernährung.
Erst 1986 flog der Coup des VS auf. Er wurde unter der Bezeichnung "Celler Loch" bekannt. Die Aktion wurde eines der bekanntesten Beispiele für manipulatives Eingreifen einer Staatsschutzbehörde, die durch Konstrukte und Aktionen Entwicklungen für ihre eigenen Ziele auf den Weg zu bringen versuchen. Daß sie jemals Konsequenzen dafür tragen müssen, brauchen sie nicht zu befürchten.
In diesem Sinne - lauschen wir der Märchenstunde des Herrn Düren.