Aachen: Neue Mahntafel im alten Arbeiterviertel
Den Opfern der Nazi-Gewalt in Aachen einen Namen und ein Gesicht zu geben, auch dazu diente die Kundgebung am Donnerstag am Hansemannplatz. Zum 70. Jahrestag der so genannten Machtergreifung wurde dort eine weitere Tafel im Rahmen der "Wege gegen das Vergessen" enthüllt. Sie befindet sich, eingelassen ins Pflaster, mitten im alten Arbeiterviertel um Alexanderstraße, Peterstraße, Gasborn, Jülicher Straße.
Vor 1933 versuchten die Nationalsozialisten mehr als einmal, dort Fuß zu fassen, es gelang ihnen allerdings nicht. Als sie dann an der Macht waren, konnten sie sich auch in vormals NS-resistenten Gegenden breit machen - "die Menschen waren nicht mehr da", wie es am Donnerstag Abend Hein Kolberg von der VVN formulierte. Und er meinte damit die Aktivisten des Widerstands, die da schon in Gefängnissen und Konzentrationslagern verschwunden waren.
Um sie der Vergessenheit zu entreißen, wurden die Namen von rund 70 in alten Akten genannten Gegnern des Nationalsozialismus verlesen; zu ihrem Gedenken legten die Anwesenden rote Nelken nieder. VVN-Vorsitzender Kurt Heiler: "Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt und verloren."
Zuvor hatte Herbert Ruland als Vertreter der Volkshochschule erklärt, die neue Bronzetafel befinde sich genau am richtigen Ort - da, wo Not und Elend unter den Bewohnern geherrscht hätten, in einem Quartier der Stadt, wo schon lange vor der Machtergreifung "der Faschismus als das gegeißelt wurde, was er war". Kolberg: "Hier hat es immer geheißen: Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, und wer Hitler wählt, der wählt den Krieg."
DGB-Vorsitzender Heinz Kaulen schlug den Bogen von 1933 ins Jahr 2003 und betonte, dass es - bei allen Unterschieden zu damals - Grund zur Besorgnis gebe: "In den letzten Jahren der Ausländerhatz durch neonazistische Horden hat unser Staat mehrfach vor dem Mob kapituliert. Ausländer sind vor deutschen Stiefeln und vor deutschem Hitlergruß in Angst um ihr Leben geflohen oder haben ihr Leben verloren."
Wachsen müsse die Entschlossenheit, die Gefahr von Rechts zu benennen und zu bekämpfen. Die Aachener aus dem Widerstand "ermahnen uns, wachsam zu sein, dass sich das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht wiederholt".
(Aachener Nachrichten, 31. Januar 2003)
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