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Kanaken gegen Multi-Kulti!

Mitglieder der Kölner Ortsgruppe des bundesweiten antirassistischen Zusammenschlusses KANAK ATTAK haben am 24.04.2002 in Aachen ihre Gruppe und deren Ansätze vorgestellt. Wichtigster Tenor: Rassismen sind besiegbar...

"Wir sind anders und wir sind gleich" - dass diese migrantische Selbstbeschreibung kein Widerspruch sein muß, machten die antirassistischen Aktivist/innen vor ca. 40 Zuhörer/innen im Aachener Ché-Haus deutlich. Es hängt nur ganz davon ab, ob es darum geht, zugeschriebene Identitäten zurückzuweisen oder aber sich einer Assimilierung entgegenzustellen.

Damit sind auch bereits die beiden Hauptstränge des heutigen Rassismus in Deutschland benannt: Den üblichen rassistischen Zuschreibungen auf der einen Seite stehen Positivzuschreibungen, die altbekannte Integrationsforderung, Multikulti und der Schrei nach Toleranz ergänzend zur Seite. Beide Stränge sind für die Mitglieder von KANAK ATTAK abzulehnen: "Wir wenden uns gegen die Frage nach dem Pass und nach der Herkunft."

Im weiteren plädierten die Referent/innen dafür, mit der Geschichte des Rassismus immer auch die Geschichte der antirassistischen Kämpfe (von Migrant/innen) dagegen zu betrachten. Das führe zu dem Schluß, dass es nicht 'den einen' Rassismus, sondern viele verschiedene Rassismen gebe, die einem zeitlichen Wandel unterliegen und somit auch besiegbar sind.

In der heutigen Zeit ist nach Einschätzung der Gruppe insbesondere der Multi-Kulti-Gedanke zu bekämpfen, der an der Trennung von Menschen nach ihrer Herkunft festhält. Ebenso ist die Unterscheidung von Migrant/innen nach ihrer 'Verwertbarkeit', wie sie z.B. im neuen Zuwanderungsgesetz vorgesehen ist, nicht hinzunehmen. Schließlich noch muß die Forderung nach 'Integration' [ - in der Praxis gleichbedeutend mit Verwertbar-machung - Anm. d. Antifaprojekts] zurückgewiesen werden. Die Erfüllung der legitimen Forderungen von Migrant/innen in Deutschland darf nicht von Gegenforderungen abhängig gemacht werden.

KANAK ATTAK verstehen sich hierbei als "selbstgewählter Zusammenschluß verschiedener Leute über die Grenzen zugeschriebener Identitäten hinweg". Die Selbsttitulierung als 'Kanaken' versteht sich in diesem Zusammenhang nicht als Identitätsmoment, sondern als Haltung. Der rassistisch geprägte Begriff soll offensiv und selbstbewußt umgemünzt werden.

Die Palette der Aktivitäten von KANAK ATTAK reicht von journalistischer über kulturelle bis hin zu politischer Arbeit. Als Beispiel präsentierte die Gruppe, die auf Einladung des AStA der RWTH in Aachen gastierte, einen Beitrag ihres neuesten Projekts KANAK TV. Im Mai stehen Präsentationen der migrantischen Sichtweise auf den deutschen Rassismus sowohl an der Berliner Volksbühne wie auch am Schauspielhaus Frankfurt/Main an.

Weitere Informationen hier.

(Thomas Sommer, freier Journalist)