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Aachen: Mehrere hundert Menschen demonstrieren für Autonome Zentren

Aktueller Anlaß für diese Demonstration war die Schließung des Kulturzentrums "Autonomes Zentrum" (AZ) am Aachener Hauptbahnhof. Auch das Autonome Antifaprojekt hatte gemeinsam mit weiteren antifaschistischen Gruppen zum Erhalt und Ausbau von kulturellen und politischen Freiräumen aufgerufen.

autonome zentren erkämpfen und verteidigen!

Wir dokumentieren den Redebeitrag des AStA der RWTH:

Ich hoffe mal, daß ich als Vertreter des AStA hier überhaupt erwünscht bin, denn auf einem Flugblatt habe ich gelesen, daß die Anliegen der Aufrufenden nichts mit "Chaoten" verbindet. Also, in unserem AStA sieht es hin und wieder auch ganz schön chaotisch aus...

Aber das nur am Rande. Unser Problem ist die Schließung des AZ, im Zuge kulturellen und sozialen Kahlschlages in Aachen. Die Probleme, die sich um das AZ als alternatives Sozial- und Kulturzentrum rankten, waren dem Baumt der Stadt seit Jahren bekannt: An deren Beseitigung wurde ständig in gegenseitigen Einvernehmen gearbeitet. Trotzdem hat es nun den Anschein, als wolle sich das Bauamt nun unter Zunichtemachung der positiven Bemühungen profilieren, um Vorwürfen im Zusammenhang mit dem "Black & White" wegen Untätigkeit oder Unfähigkeit aus dem Weg zu gehen.

Dabei wird kurz gesagt eine "Hau-drauf-und-weg"-Politik verfolgt. Anstatt verantwortungsbewußt mit allen Beteiligten nach einer angemessenen und dauerhaften Lösung zu suchen, fährt die Stadt nun einen harten Kurs gegen das AZ; ein alternative Kulturprojekt, in dem sie - so scheint es - allenfalls eine Bedrohung zu sehen vermag.

Der Schaden, der durch den Wegfall des AZ in Aachen entstehen würde, wäre immens: Während die Stadt mit der Kampagne "Räumt auf, wenn Ihr Aachener seid" eine rigorose Linie der "Sauberkeit" und "Sicherheit" vollzieht, mangelt es an Angeboten für perspektivlose Jugendliche. Graffitisprayer werden wie Gewaltverbrecher behandelt; der Betreiber des "Musikbunker Aachen", nennt sie gar in einer Reihe mit Vergewaltigern. Das Autonome Zentrum hingegen bemüht sich um die gesellschaftliche Integration vieler Jugendlicher, indem es deren soziales wie kulturelles Engagement fördert und hierzu nötige Strukturen bereithält.

Zusätzlich ist das alternative Kulturangebot der Stadt gefährdet: Die Stadt droht im Sumpf provinzieller Einseitigkeit zu versinken, wenn sich das kulturelle Leben auf Stadttheater, Kultursommer und Karneval beschränkt. Nicht zuletzt Aachener Studierenden und vielen anderen entstehen durch den Wegfall des AZ Nachteile, denn preiswerte Räumlichkeiten für bezahlbare Konzerte sind extrem dünn gesät: Das Kulturprogramm des AStA ist daher ernsthaft beeinträchtigt. Anstatt die Veranstaltungen im Autonomen Zentrum als Bereicherung für künstlerische Vielfalt aufzunehmen, werden sie von der Stadt, deren Jugend- und Kulturabteilungen bisher untätig blieben - offenbar nur als Störfaktoren gesehen.

Diese Tendenz geht einher mit der rigiden Behandlung "unerwünschter Personen": In Aachen wurde vor zwei Wochen ein hier seit Jahren lebender Mensch aus Polen in Abschiebehaft genommen, obwohl er dort wegen seines auffälligen Punk-Outfits an den meisten Orten gewalttätige Übergriffe zu befürchten hätte. Vorher war ihm und anderen untersagt worden, gegen Spenden Autofensterscheiben zu putzen.

Das Konzept der "sauberen Innenstadt" richtet sich scheinbar nicht mehr länger nur gegen unliebsame Personen, sondern gegen ganze Einrichtungen. Der AStA wird die Proteste der AZ-Betreibergruppe durch Solidaritätsbekundungen und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.

Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!

Weitere gelungene Redebeiträge hielten u.a. Vertreter des AZ und der ehemaligen HausbesetzerInnen im Vorfeld der AZ-Entstehung. Leider liegen uns diese Beiträge nicht vor.


Ausführliche Informationen zur AZ-Schließung:
Autonomes Zentrum Aachen