Aachen: Bis zu 300 Menschen demonstrieren für selbstverwaltete Freiräume
Die heutige Demonstration für politische, soziale und kulturelle Freiräume wurde von den FreundInnen des Kulturzentrums "Autonomes Zentrum" (AZ) gemeinsam mit den HausbesetzerInnen der Goethestraße 3 gestaltet. Redner dieser und anderer Gruppen, z.B. auch vom AStA der RWTH forderten u.a. die sofortige uneingeschränkte Wiedereröffnung des AZ und wandten sich entschieden gegen eine drohende polizeiliche Räumung der Hausbesetzung.
Gleichzeitig übte die Demo Solidarität mit anderen bedrohten oder bereits von der Polizei zerschlagenen kulturellen, sozialen, politischen Einrichtungen und alternativen Wohnprojekten. Grußworte wurden mit einer Großdemonstration von 5000 TeilnehmerInnen in Hamburg ausgetauscht, die sich gegen die Räumung des Bauwagenplatzes "Bambule" in der Hamburger Innenstadt richtete.
Die Demonstration durch die Aachener Innenstadt vermittelte ein sehr entschlossenes und kämpferisches Bild vom notwendigen Kampf um selbstverwaltete Freiräume. Die DemonstrantInnen skandierten u.a. "Goethestraße bleibt!", "Kein Tag ohne Autonomes Zentrum", "Autonome Zentren erkämpfen und verteidigen!", "Wohnungsnot muß nicht sein: zieht in leere Häuser ein!" und "no nation - no border - fight law and order".
Die Aachener Bevölkerung zeigte reges Interesse für die Inhalte der Demonstration. Tausende Flugblätter konnten verteilt werden. Das besetzte Haus in der Goethestraße verzeichnete nach Ablauf der Demo noch einmal verstärkten Zuspruch und Zulauf der interessierten AachenerInnen.
Aufruf zur Demo:
Für kulturelle und politische Freiräume in Aachen und überall!
Mit der weiterhin andauernden Schließung des selbstverwalteten Kulturzentrums "Autonomes Zentrum" (AZ) am Hauptbahnhof Aachen durch die Stadtverwaltung war zwischenzeitlich der letzte Flecken alternativer Kulturarbeit aus dem Stadtbild verschwunden. Erst eine Hausbesetzung im Aachener Südviertel sorgte wieder für entsprechende soziale, kulturelle und politische Freiräume.
Die Schließung des AZ fügt sich nahtlos in eine zunehmende Ausgrenzungspolitik ein, die bereits seit geraumer Zeit auch in Aachen betrieben wird. Für MigrantInnen, Obdachlose und Drogenabhängige werden von Seiten der Behörden no-go-areas geschaffen, in denen Bundesgrenzschutz, Polizei und Ordnungsamt mit gnadenloser Härte eine regelrechte Vertreibungspolitik betreiben oder umsetzen. Soziale Einrichtungen und Jugendtreffs werden durch die Kürzung öffentlicher Mittel in den Ruin getrieben. Wer nicht in das Bild des angepaßten Spießbürgers paßt, soll aus dessen Blickfeld verschwinden - das ist deutsche Normalität - das wird mehr und mehr auch Aachener Normalität! Der Angriff der Stadt Aachen auf das AZ ist somit weniger als ein politischer zu begreifen, sondern vielmehr als einer auf den gesamtgesellschaftlichen Frieden der Stadt. Die sofortige Wiedereröffnung des AZ in altbekannter Form und mit dauerhafter Rechtssicherheit ist unabdingbar.
Der durch eine Hausbesetzung neugeschaffene Freiraum in der Aachener Goethestrasse ist auf regen Zuspruch der unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten gestossen. Hier entsteht derzeit ein Zentrum, in dem zahlreiche Ansprüche kultureller, sozialer und politischer Art verwirklicht werden können. Ein langfristiges Nutzungskonzept unter Beteiligung der Aachener Studierendenvertretungen liegt vor. Dennoch droht dem Haus jederzeit die polizeiliche Räumung, die Stadt Aachen verweigert jedes Gespräch, und eine permanente Überwachung durch die Polizei ist ohnehin an der Tagesordnung. Das Tag für Tag wachsende Interesse an dem Projekt in der Goethestrasse zeigt die Notwendigkeit eines Autonomen Zentrums über kulturelle Angebote hinaus. Die stetig wachsende Nutzung, das Medieninteresse und die Solidarität der AnwohnerInnen sprechen für sich.
Für den sozialen Frieden in Aachen sind AZ und Goethestrasse dringend erforderlich, aber Aachen braucht langfristig 1, 2, 3, viele selbstverwaltete autonome und soziale Zentren - auch um der oben beschriebenen Ausgrenzungspolitik einen gesunden Widerstand aus der breiten Mitte der Bevölkerung entgegensetzen zu können! Diese Zentren werden nicht als Geschenk vom Himmel fallen - sie müssen erkämpft werden. Wachsende Wohnungsnot, soziale Repression gegen Studierende (Studiengebühren) und Alltagsrassismus durch die Grenznähe (Menschenjagden des BGS, Behördenwillkür) tun in einer Stadt wie Aachen das übrige. Die Betroffenen der zunehmenden Ausgrenzungspolitik sind viele - und viele können viel erreichen. Also seien wir realistisch - und fordern das Unmögliche!
Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!!!
Autonome Zentren erkämpfen und verteidigen!
Goethestrasse bleibt!
Soziale Revolution - hier und weltweit!
Schafft 1, 2, 3, viele Freiräume!
Bambule ist überall! - Solidarität mit den Betroffenen der Schill-Politik in Hamburg!
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