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Aachen: BesetzerInnen und die ASten der FH und der RWTH Aachen einigen sich auf gemeinsames Nutzungskonzept für die Goethestr. 3

Pressestimmen

VertreterInnen der BesetzerInnen der Goethestr. 3, des AStA der FH Aachen, sowie des AStA der RWTH Aachen haben sich in den Räumen des besetzten Hauses getroffen, um ein gemeinsames Konzept zur langfristigen Nutzung des Gebäudes zu erarbeiten. Das Treffen verlief überaus vielversprechend. Die Gruppen konnten sich auf ein Nutzungskonzept einigen, hier Stichpunkte:

Das Haus soll in Eigenorganisation und sich finanziell selbst tragend genutzt werden. Die Arbeit wird auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis geleistet. Dabei sind vorgesehen:
* Wohnraum/Notunterkünfte auch für wohnungslose StudentInnen
* Cafebetrieb/preiswertes Essen
* Infoladen
* Umsonstladen
* Seminar- und Veranstaltungsräume
* Frauenraum
* Archiv/Bibliothek
* Fahrradwerkstatt
* Kinderbetreuung
* Mitbenutzung der Räumlichkeiten durch den AStA der FH Aachen
* Lern- und Nachhilferaum für SchülerInnen und StudentInnen, in dem u.a. kostenlose Sprachkurse angeboten werden sollen

Der Erhalt und die Neuschaffung von Wohnraum sind wesentlicher Teil des Konzepts. Der vorhandene Wohnraum in den oberen Etagen der Goethetr. 3 stand jahrelang leer und soll offenbar nun nach Vorstellung des BLB langfristig unbewohnt bleiben.

Leider haben bisher weder der BLB noch die Stadt Gesprächsbereitschaft signalisiert, obwohl die BesetzerInnen mehrfach an sie herangetreten sind. Im Gegenteil: Der BLB hat bereits Strafanzeige erstattet und droht mit der Räumung durch die Polizei. Die BesetzerInnen der Goethestraße und die ASten der FH und der RWTH Aachen fordern den BLB und die Stadt Aachen auf, die Strafanzeige umgehend zurückzuziehen und von jeglichen Zwangsmaßnahmen abzusehen.

Darüber hinaus bekräftigen die Gruppen die Forderung an die Stadt Aachen bzw. das Land NRW adäquate Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

(Die HausbesetzerInnen, AStA der RWTH Aachen, AStA der FH Aachen)




Autonomes Zentrum: Neuer Start wird viel Geld kosten

Aachen. Es bleibt dabei: Besetzer wie Polizei und Stadt wahren Ruhe und suchen nach einer Lösung. Während die Menschen im besetzten Haus an der Goethestraße verschiedene Angebote erarbeiten, mit denen sie Leben und Besucher in "ihr" Haus bringen möchten, hat sich der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss am Dienstagabend mit der Zukunft des Autonomen Zentrums beschäftigt. Und die Zeichen stehen auf Wiedereröffnung. Allein: In welcher Form ist ungewiss. Die Stadt berichtete, dass selbst die kleinste Lösung - ein Vereinsheim, in dem keine Veranstaltungen stattfinden dürfen - rund 20 000 Euro Investitionen verschlingen würde. Eine größere Lösung mit Veranstaltungen könne leicht Richtung 200 000 Euro gehen. Zunächst soll der Verein nun aktiv werden und muss Bauanträge einreichen, einen für den Vereinsraum, einen zweiten für eine mögliche Versammlungsstätte. Erst dann will die Politik entscheiden, ob und wie hoch sich die Stadt an den Kosten beteiligt. "Dabei muss natürlich die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden", so ein Ratsherr. Die Verwaltung war unterdessen auch aktiv. Sie hat versucht, den ehemaligen Bunker aus der Bundesliste der Luftschutzeinrichtungen loszueisen. Für Bunker gelten nämlich strengere Brandschutzvorschriften. Der Versuch scheiterte jedoch.

Den Besetzern des ehemaligen FH-AStA-Sitzes an der Goethestraße und ihren Unterstützern reicht das allerdings nicht. Bei einer Pressekonferenz sagten gestern Vertreter von Fachhochschul- und RWTH-AStA sowie Vertreter der Besetzer, dass der Bedarf an selbstverwalteten Räumen für Veranstaltungen und andere Angebote weit größer sei, als er im Autonomen Zentrum allein sichergestellt werden könnte.

Mit einem ganzen Angebots-Katalog unterstrichen sie gestern erneut, wo sie den Bedarf sehen. Dabei gibt es Kursangebote, Informationsmöglichkeiten, Nachhilfe, ein Café, eine Selbstnutzer-Fahrradwerkstatt, Lesungen, Filme, ein "Archiv sozialer Bewegungen", eine Bibliothek, Wohnraum für Studierende, die sonst auf der Straße säßen...

Die Liste ist lang, länger als die begrenzte Fläche des Hauses Möglichkeiten bieten kann. Allen Ideen gemeinsam ist, dass sie gerade wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen zugute kommen sollen.

Da vom Eigentümer des Hauses Strafanzeige gegen die Besetzer gestellt ist, liegt die Entscheidung über eine Räumung bei der Polizei. Und die teilte am Dienstag mit, dass sie an ihrer ruhigen und maßvollen Marschrichtung festhalten will.

(
Aachener Zeitung, 13. November 2002)



Hausbesetzer und Studenten fordern Gespräche mit Behörden

Ungeachtet der drohenden Räumung halten die Hausbesetzer in der Goethestraße an einer Nutzung des Gebäudes fest. Gestern präsentierten sie und Vertreter der ASten von FH und RWTH ihr Konzept.

Insbesondere die beiden Studentenvertretungen betonten, das seit 13 Tagen besetzte Haus mit geschätzten 300 Quadratmetern Nutzungsfläche könne wichtigen Wohnraum für wohnungslose Studierende bieten. Vertreter des RWTH-AStA sagten, gerade arabische Studenten hätte nach dem 11. September Probleme, eine Wohnung zu finden. Günstiger Wohnraum sei also "dringend nötig", erst recht sobald Studiengebühren fällig seien.

Das in den letzten Tagen von Hausbesetzern und den beiden Asten erarbeitete Nutzungskonzepte sieht vor, ehrenamtlich Engagierte sollen "das Haus in Eigenorganisation und sich finanziell selbst tragend" nutzen. Geplant sind ein Café, regelmäßige Volksküchen mit preiswerten Mahlzeiten und ein Infoladen, in dem linke oder alternative Druckwerke angeboten und archiviert werden. Ebenso sei die Einrichtung eines mit Sach- und Lebensmittelspenden bestückten "Umsonstladens" für Bedürftige geplant. Räumlichkeiten sollen zudem für Studierendenprojekte, Nachhilfe - etwa kostenlose Sprachkurse - und Kultur offen stehen. Bislang hätten schon mehrere hundert Menschen Volksküche, Hörspiel- und Filmabende sowie das Konzert einer chilenischen Musikgruppe im Haus besucht.

Die Hausbesetzer betonten gestern, die von ihnen vorgenommenen und noch folgenden Renovierungsarbeiten würden sachgerecht ausgeführt. Nach ihren Angaben berät sie ein Sachvollständiger, das denkmalgeschützte Gemäuer solle keinen Schaden nehmen. Während Keller und beide Untergeschosse Projekten offen stünden, soll das Obergeschoss als Wohnraum dienen.

Abermals wies der FH-AStA darauf hin, er werde seinen Sitz wieder in die bis vor wenigen Monaten noch von ihm genutzten Räumlichkeiten in der Goethestraße 3 verlegen. Kritisiert wurde, weder die Stadt Aachen noch der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW hätten sich bislang gesprächsbereit gezeigt. Der RWTH-AStA fordert daher, die Behörden sollten sich "konstruktiv an der Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes beteiligen" und von einer Räumung absehen. Eine Räumungsverfügung des Amtsgerichtes Aachen ist bisher nicht erlassen worden.

(Aachener Nachrichten, 13. November 2002)