R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. with friends on tour to cuba

Offener Brief an das Internationale Vorbereitungskomitee der 14. Weltfestspiele der Jugend und StudentInnen Havanna, 2.8.97

Waehrend des Solidaritaetsmarsches am 28.7.97 in Havanna, kam es bei der Abschlusskundgebung vor der Ehrentribuehne zwischen der Delegation der deutschen Jungsozialisten [Jusos] und einigen Delegierten aus der BRD zu einem Zwischenfall, bei dem den Jusos die deutsche Nationalfahne entrissen wurde. Die Delegation der BRD hat bereits im Vorfeld der Weltfestspiele beschlossen, keine Symbole des imperialistischen deutschen Staates waehrend des Festivals zu zeigen. Im Folgenden wollen wir die Gruende fuer diesen Beschluss naeher erlautern.

Diese Fahne steht fuer die Verbrechen des deutschen Imperialismus und die Herrschaft des Kapitals, wie der Zerschlagung der Novemberrevolution 1918, als die Republik in Weimar installiert wurde, um die Aufstaende der revolutionaeren Arbeiter-, Bauern- und Soldatenraete in Deutschland zu ersticken, wodurch der Faschismus ungehindert hochgezuechtet wurde, und die herschende Kapitalistenklasse schliesslich die Macht an die Nazis uebertrugen und die ganze Welt in einen unvergleichlich grausamen Krieg und Voelkermord stuerzte.

Nach dem Krieg wurde auf betreiben der US-Imperialisten 1949 ein kapitalistisch-imperialistischer Staat installiert, die BRD, die sich diese Fahne zum Symbol waehlte. Die BRD gruendete ihre imperialistischen Machtstrukturen vor allem auf faschistische Funktionstraeger die NSDAP, die weiterhin als Richter, Polizisten, Gehemdienstleute und Politiker fungierten. Auch die Wirtschaftsstrukturen, die kapitalistischen Konzerne, die sich an den Verbrechen der Nazis bereicherten, blieben unangetastet und profitieren davon noch heute, wie z.B. IG-Farben, Krupp, MBB, Siemens und Thyssen.

Die Verbrechen des BRD-Imperialismus sind deshalb ebenso zahlreich wie weltweit verabscheuungswuerdig. Bereits 1953 wurde die BRD remilitarisiert und bald darauf atomar bewaffnet. 1956(bis heute) wurde die Kommunistische Partei verboten, und viele Tausende Mitglieder kamen ins Gefaengnis, spaeter wurden unzaehlige mit Berufsverboten belegt, und die in den 60er Jahren entstanden progressiven neuen Linken Bewegungen wurden mit immer schaerferen Repressionen fast vollstaendig aufgerieben. Die politischen Gefangenen wurden unter unmenschlichen Isolationsbedingungen gefoltert, ueber Jahrzehnte hinweg um sie geistig unbd physisch zu vernichten. Selbst vor ihrer Ermordung schreckte die damals sozialdemokratisch gefuehrte Regierung nicht zurueck [Stammheim am 18.10.1977].

Waehrend dieser Zeit konnten sich alte und neue Nazis vom deutschen Staat unbehelligt reorganisieren und oeffentlich betaetigen. Am 1. Maerz 1997 durften wieder 5000 Faschisten unter dem Schutz der Polizei in Muenchen demonstrieren. Mittlerweile ist der faschistische Terror auf deutschen Strassen Alltag und Morde an linken Oppositionellen, AuslaenderInnen, Behinderten, alternativen Jugendlichen, Punks etc. sind keine Einzelfaelle. Immerwieder brennen ihre Haeuser und der Hass auf diese Menschen wird weit in alle politischen Parteien und in die Bevoelkerung hineingetragen. Eine neue Rekordarbeitslosigkeit [ca 7 Millionen], steigende Wohnungsnot, immer teurere und schlechtere gesundheitliche Versorgung und die Abschaffung des Asylrechts, entgegen die Verfassung, ist das Ergebnis dieser Politik.

Der deutsche Imperialismus konnte indessen seine Weltmachtbestrebungen kontinuierlich ausbauen. Die Staaten des Trikonts wurden durch angebliche Wirtschaftshilfe oekonomisch und politisch in eine neue Abhaengikeit getrieben. Durch die Annexion der DDR und das Ende des kalten Krieges bekamen diese Entwicklungen noch staerkeren Auftrieb, die Rolle der Bundeswehr innerhalb der UNO und der NATO hat sich gewandelt. Auf der Suche nach neuen Feindbildern verkuendet der Generalsstab: ”Der Feind der Zukunft ist klein, schwarz, sexuell frustriert und kennt keine Moral!” Nun fallen wieder Schuesse durch deutsche Soldaten auf fremdem Boden [Albanien 1997].

Dass diese deutsche schwarz-rot-goldene Fahne, die all diese Verbrechen des deutschen Imperialismus symbolisiert, durch Delegierte aus der BRD, waehrend der 14. Weltfestspiele, dessen Motto: “Fuer antiimperialistische Solidaritaet, Frieden und Freundschaft” lautet, hochgehalten wird, ist fuer uns als AnarchistInnen und KommunistInnen, die wir gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus kaempfen, nicht miteinander vereinbar. Wir sehen darin einen Versuch, dem imperialistischen deutschen Staat den Weg freizumachen, sich hier in Kuba expansionistisch zu betaetigen. In dieser Situation haben sich einige Delegierte aus der BRD entschlossen, sich ueber die ueblichen Gepflogenheiten hinwegzusetzen und ihrem internationalistischen Anspruch gerecht zu werden. Entgegen der hervorgebrachten Geruechte moechten wir den Ablauf der Geschehnisse aus unserer Sicht kurz erlaeutern.

Waehrend der Abschlusskundgebung hielten einige Jusos die schwarz-rot-goldene Fahne hoch, worauf 6 Delegierte aus der BRD die Fahne ergriffen und aus deren Haenden zu entreissen versuchten. Was schliesslich auch gelang. Die Jusus wurden daruafhin gewalttaetig und schlugen wild um sich. Waehrend des Gerangels geriet eine Haarstraehne zwischen den Stoff und die vielen zugreifenden Haende. Dies war nicht unsere Absicht. Wir wollten die Fahne lediglich gewaltfrei an uns nehmen und wurden dabei von den Jusos geschlagen. Wir haben uns daraufhin zurueckgezogen. Unsere Aktion war nicht gegen die Integritaet Kubas gerichtet! Wir sind Freunde der kubanischen Revolution und achten das Motto der 14. Internationalen Weltfestspiele und treten fuer die Internationale Solidaritaet mit allen revolutionaeren Kraeften und Voelkern dieser Welt ein, und ganz besonders mit dem kubanischen Volk.

Muerte al imperialismo!

Viva la revolucion!

Venceremos!

Die beteiligten Genossen.


die faust zum gruß R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N.


Fotostory zu den 14. Weltfestspielen der Jungend und StudentInnen 1997 in Cuba - ( skip Intro )
Aufruf zu den 14. Weltfestspielen der Jugend und StudentInnen 1997 in Cuba
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