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Erneut rechtsradikale Überfälle in Jena

Nach dem Überfall einer Gruppe vermutlich rechtsgerichteter Jugendlicher auf einen ausländischen Journalisten aus Kongo/Zaire letzte Woche in Jena-Lobeda, ist es über Ostern zu erneuten gewalttätigen Übergriffen auf Jugendliche aus der JG-Stadtmitte im Stadtgebiet Jenas gekommen. Neben dem Vorfall zum KARAWANE-Kongreß, der zur Zeit in Jena stattfindet und zu dem eine Gruppe des Thüringer Heimatschutzes provozierend auftrat und neben den vermehrten Aktivitäten rechtsradikaler Gruppierungen im Internet, deuten diese gewalttätigen Übergriffe in Jena auf eine neue Phase von Aktivitäten rechtsradikaler Gruppen und deren Umfeldes hin. Ziel dieser faschistischen und "vorfaschistischen" Gruppierungen ist und bleibt, ein Klima der Angst zu verbreiten, unter welchem sie die Meinungsführerschaft in weiten Stadtteilen von Jena zu übernehmen versuchen.

Vorfall am 24.04.2000 in Jena-Ost

Am Montag, den 24.04.2000 gegen 21.00 Uhr befanden sich zwei Jugendliche, ein Junge und ein Mädchen im Alter von 17 und 16 Jahren, in Jena-Ost Richtung auf dem Weg nach Hause. Als sie am ehemaligen Postkindergarten vorbeigekommen waren - heute ein stadtbekannter und problembeladener Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem rechten Spektrum -, bemerkten sie einen langsam vorbeifahrenden schwarzen BMW älterer Bauart. In dem Auto saßen 5 Personen (4 männlich eine weiblich), die von den zwei Jugendlichen nach ihrem Äußeren dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wurden.
Als die Autoinsassen das jugendliche Paar bemerkten, bogen sie rückwärtsfahrend in die Einfahrt des Raiffeisen-Rohstoffhandels ein und hielten an. Zwei männliche Personen, bekleidet mit Bomberjacke und Springerstiefel, stiegen aus dem Auto und verfolgten die zwei flüchtenden Jugendlichen. Nach etwa 200 Metern wurden die zwei eingeholt, festgehalten und verbal bedroht mit Aussprüchen wie "Du siehst so aus, als hättest du noch nie ordentlich eine auf die Fresse gekriegt". Von einem Angreifer bekam der Junge einen Kopfstoß auf das Nasenbein und wurde von einem zweiten Täter mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Das Mädchen dagegen wurde massiv eingeschüchtert: ?Wir kennen dich und besitzen ein Foto von dir.?, und beide wurden bedroht: ?Wenn ihr zur Polizei geht, machen wir euch fertig.?.

Die ärztliche Untersuchung ergab eine Nasenbeinprellung. Nach mehreren Gesprächen konnten die Überfallenen ihre Angst überwinden und haben am 26.04.2000 Anzeige gegen Unbekannt wegen Körperverletzung erstattet.

Vorfall vom 26.04.2000 in Jena-Winzerla

Auf dem Nachhauseweg von einer Veranstaltung der JG-Stadtmitte in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch, 25/26.04.2000, begegneten gegen 0.15 Uhr zwei Jugendliche, Brüder im Alter von 20 und 16 Jahren, kurz vor ihrem Haus in Jena-Winzerla einer auf der Straße laufenden Gruppe von ca. 14 Jugendlichem. Von ihrem Äußeren waren sie nicht eindeutig rechtsradikalen Gruppierungen zuzuordnen, fünf trugen Bomberjacken, ansonst Jeanshosen, Turnschuhe, nur vereinzelte waren mit Springerstiefeln bekleidet.
Ohne jedes verbale oder sonstige Vorspiel wurde der 16-jährige Jugendliche plötzlich von einem Jugendlichen hinterrücks angefallen. Als ihm sein Bruder zur Hilfe kommen wollte, wurde dieser selbst von drei anderen massiv zur Seite gestoßen und mehrfach ins Gesicht geschlagen und getreten. Er konnte sich befreien und zum Hauseingang flüchten, um dort um Hilfe zu rufen. Vor dem Hauseingang wurde er wieder eingeholt und nochmals zusammengeschlagen. Schon am Boden liegend traten die Täter noch mehrfach auf ihn ein. Ebenso wurde sein Bruder zusammengeschlagen und mit Tritten auf den ganzen Körper traktiert. Die Täter ließen schließlich von ihren Opfern ab und flüchteten in Richtung Straßenbahn- und Bushaltestelle.
Die vom älteren Bruder zu Hilfe gerufene Polizei konnte insgesamt 14 Jugendliche an der Haltestelle festnehmen, von denen drei eindeutig als am Überfall Beteiligte identifiziert werden konnten und gegen die Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt wurde.
Die ärztliche Untersuchung ergab Schürfwunden, Rückenverletzungen und Verletzungen am Kopf und im Gesicht der Überfallenen.
Schlimmer jedoch als diese äußeren Verletzungen wiegen die Angst und die Hilflosigkeit angesichts dieses völlig grundlosen und ohne jeden Anlass erfolgten Überfalls.

Für Nachfragen zu den angegebenen Informationen stehen wir zur Verfügung unter Telefonnummer 03641/444367.

JG-Stadtmitte

 

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