Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena zurück | back

Protokoll der Arbeitsgruppe Wanderkirchenasyl (28.04.00)

Das WKA begann im Januar 1998, als zwei kurdische Familien in der Kölner Antoniterkirche um Schutz vor der drohenden Abschiebung baten. Sehr schnell breitete sich die Aktion, die von Anfang an politisch auf ein Bleiberecht und einen Abschiebestop in die Türkei ausgerichtet war, innerhalb von Köln, später auch in andere Städte (Aachen, Düren, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Wuppertal, Oberhausen....) aus. Heute nehmen etwa 450 kurdische Flüchtlinge am Wanderkirchenasyl teil, verteilt auf etwa 90 Kirchengemeinden (katholische und evangelische) in ganz Nordrhein-Westfalen. In Wuppertal und Oberhausen wurden drei Kirchengemeinden besetzt.

Es gab in diesem Rahmen zahlreiche politische Aktionen (Demos, Hungerstreiks, Besetzungen von Parteibüros). Zunächst gab es eine große öffentliche Resonanz auf das Wanderkirchenasyl; hervorgerufen durch das Bündnis zwischen Kirchen, der Kampagne kein mensch ist illegal als UnterstützerInnengruppe und den kurdischen Flüchtlingen; darüber hinaus wurde die Aktion von zahlreichen Prominenten, z.B. von Günther Wallraff, Renan Demirkan, Günther Grass und Bärbel Bohley unterstützt. Durch die große Medienresonanz konnte zunächst ein Schutz der Flüchtlinge erreicht werden.

Es gab zahlreiche Verhandlungen mit der Landesregierung von NRW über ein Bleiberecht. Nach der Verhaftung von zwei Teilnehmern des WKA - Mustafa Tayfun und Hasan Ay - besetzten Teilnehmer des WKA´s die Landesgeschäftstelle der Grünen in Düsseldorf, um ihren Forderungen nach einem Bleiberecht, einem sofortigen Abschiebestop und der Freilassung der beiden Inhaftierten Nachdruck zu verleihen. Um scheinbar auf diese Forderungen einzugehen, bot die Landesregierung, unterstützt von der rheinischen Landeskirche, den Flüchtlingen eine erneute juristische Überprüfung ihrer Asylverfahren an, dies galt allerdings ausschließlich für die Flüchtlinge aus Nordrhein-Westfalen.

Unter diesem extremen psychologischen Druck und der angedrohten Abschiebung der beiden Inhaftierten stimmten die KurdInnen der sog. "Einzelfallprüfung" zu, die sie zuvor kategorisch abgelehnt hatten, weil sie auf eine Gruppenlösung bestanden hatten.

Im Rahmen dieses Prozesses wurden die Flüchtlinge isoliert und vereinzelt, weil viele aufgrund von befristeten Duldungen in ihre ursprünglichen Sädte zurückkehren mußten. Die übrigen Flüchtlinge sitzen weiterhin in den Kirchengemeinden, ohne jegliche Perspektive. Die ersten TeilnehmerInnen des WKA wurden inzwischen abgeschoben.

Hüseyin Calhan von der Aachener Wanderkirchenasylgruppe berichtete in der Arbeitsgruppe über seine Erfahrungen in den verschiedenen Kirchen und der Aktion. Anschließend fand ein Austausch von Informationen über die Entstehung und die Struktur des WKA statt. Berichtet wurde insbesondere über das Problem, daß es zuwenig Kirchengemeinden gibt, die bereit sind, illegalisierte Flüchtlinge aufzunehmen.

Die Arbeitsgruppe formulierte folgende Forderungen:

 

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