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Unabhängiges Aufenthaltsrecht für Hausarbeiterinnen
Arbeitsgruppe III. Donnerstag, 27 April, 2000
Referentinnen
- Fe Jusay,Commission for Filipino Migrant Workers, Amsterdam/Holland
- Nelida, Lilia, Villa Courage, Freiburg/Deutschland:
- Natascha, Kalayaan, London/England
Einführung durch Fe Jusay aus Amsterdam:
Status für MigrantInnen in Holland ist ausgesprochen schlecht. Hausarbeiterinnen aus den Philippinen machen an ihren Arbeitsstellen viele Gewalterfahrungen und verdienen ungefähr 500Gulden.
- CFMW arbeitet zusammen mit Kalayaan aus London.
- Ermutigung und Unterstützung (émpowerment´) von MigrantInnen sind wichtig.
- Stimmen von MigrantInnen werden oft überhört oder sie nehmen eine eher unsichtbare Position im allgemeinen Diskurs ein.
Beschreibung der Situation von MigrantInnen anhand der Situation von au-pairs aus den Philippinen
Junge Frauen aus den Philippinen werden entweder von einer Agentur oder
von Privatleuten angeworben. Das Anwerben von Frauen wird als sogenannter
´Kulturaustausch´gedeckt. Oft werden junge Frauen von Verwandten oder Bekannten
vermittelt die schon in einer Gastfamilie in Holland arbeiten
Diese Art von Bewegung stellt eine neue Form der Migration dar.
Die jungen Frauen die als au-pair nach Holland kommen haben meistens eine gute Ausbildung, aber sie wollen ihr Land verlassen, da sie keine Arbeit bekommen können.
Als au-pair bekommen diese Frauen einen Jahresvertrag und können damit für ein Jahr legal in Holland leben und arbeiten.
Nach einem Jahr verlieren die au-pairs ihren legalen Status und werden zu undokumentierten Hausarbeiterinnen. Aber da die jungen Frauen mit dem Ziel nach Holland gekommen sind da zu bleiben schauen sie sich nach einer neuen Anstellung als au-pair um oder verlängern ihren Aufenthalt in ihrer Gastfamilie. Diese Situation wird oft von Gastfamilien ausgenutzt (z.b.: Zurückhaltung vom Gehalt, Unbezahlte Überstunden, schlechte Lebensbedingungen, Sexueller Missbrauch).
Selbstorganisation von Hausarbeiterinnen in Europa
Der unabhängige Immigrationsstatus von MigrantInnen ist sehr wichtig, um die Gefahr von Missbrauch zu verringern.
Es ist daher sehr wichtig für den unabhängigen Immigrationsstatus von MigrantInnen(HausarbeiterInnen, au-pairs, etc.) zu kämpfen.
In Europa sind HausarbeiterInnen nicht als ArbeiterInnen anerkannt, aber Hausarbeiterinnen in Holland haben es nach jahrelangen Kampagnen geschafft eine Liste mit Forderungen für die Rechte von HausarbeiterInnen in Europa zusammenzustellen.
Der Erfolg dieser Selbstorganisation ist auch eine europaweite Vernetzung von Organisationen. Momentan gibt es 11 Gruppen, die an diesem RESPECT Projekt beteiligt sind. Unter diesen Gruppen lassen sich auch die deutsche Gruppe In VIA aus Berlin und Villa Courage aus Freiburg finden. RESPECT hat auch eine Broschüre herausgegeben, die von HausarbeiterInnen für HausarbeiterInnen geschrieben worden ist. Die Broschüre ist nicht nur ein Mittel des Erfahrungsaustauschs, sondern auch konkrete Hinweise auf die Gesetzesgebung in verschiedenen europäischen Ländern, sowie ein Hinweis auf die Rechte von Hausarbeiterinnen.
Das Problem mit der Aufenthaltserlaubnis
Selbst eine Aufenthaltserlaubnis ist keine Garantie nicht ílleglisiert´zu werden. In Holland muss eine Ehe mindestens drei Jahre lang bestehen, bevor eine unbestimmte Aufenthaltsgenehmigung gegeben wird. Die Abhängigkeit vom Ehemann ist ein durchgehendes Phänomen, da die (zukünftigen) Ehemänner das Flugticket nach Holland bezahlen. In Holland bekommen die MigrantInnen eine Art Identitätskarte, die neben ihrem Namen auch den Namen ihres Mannes aufweist. In den ersten 12 Monaten muss diese Identitätskarte regelmäßig der Polizei präsentiert werden.
Während den ersten drei Jahren wird der Staus der Frau total von ihrem Mann abhängig gemacht. Gibt es in diesen drei Jahren Eheprobleme oder wenn die Frau aus der Ehe austreten will kann ihr Pass jederzeit ungültig gemacht werden und ihr droht die sofortige Abschiebung.
Diese Situation trifft in Holland nicht nur auf MigrantInnen von den Philippinen zu, sondern auch auf Frauen aus Afrika und Asien. (In Deutschland sind diese Ehen mit Deutschen durch §19 geregelt. Dieser Paragraph bestimmt, dass die Ehe mindestens zwei Jahre lang geführt werden muss, bevor MigrantInnen ihren unabhängigen Status bekommen).
Es ist wichtig zu erkennen das dieser ´Frauenkauf´auch ein klares rassistisches Element aufweist; da Frauen spezifisch nach ihrem ausläendischen (éxotischen´) Aussehen ausgewählt und als besonders dienstbar und gehorsam beschrieben werden. Auch sogenannte kulturelle Stereotype eine Rolle spielen.
Austritt aus der Ehe, bevor Ablauf der2/3 Jahresfrist
Wenn MigrantInnen versuchen Ihren Ehepartner zu verlassen, bevor die gesetzlich vorgegebene Frist abgelaufen ist, sind sie mit den verschiedensten Problemen konfrontiert, da es in den meisten Fällen erst zu einer schweren Misshandlung von Seiten des Ehemannes kommen muss, bevor die Behörden eine Scheidung/Trennung akzeptieren, ohne die betroffene Frau sofort abzuschieben. Andere Dinge, die die Frauen nachweisen müssen, um einen unabhängigen Aufenthaltsstatus zu bekommen sind: die wirtschaftliche Situation des Landes aus dem die MigrantInnen gekommen sind macht es ihnen unmöglich dort zu überleben; ihr Kinder (wenn vorhanden) sind ìntegriert` ind die Gesellschaft; sie haben einen schwerwiegenden Grund bleiben zu müssen, z.B. psychische Probleme....
Ein grosses Problem für die Frauen ist die Isolation im Immigrationsland spielt eine Rolle, da viele Frauen keinen Kontakt zur Außenwelt haben.
Die Kampagne für das unabhängige Aufenthaltsrecht der MigrantInnen in Holland
Die selbstorganisierte Kampagne von MigrantInnen in Holland konnte 1997 den Erfolg ihrer Kampagne ernten. Allerdings nu einen kleinen. Acht Prozent von 80 Prozent MigrantInnen bekamen ein unabhängiges Aufenthaltsrecht in Holland.
Leider wurde dieser kleine Erfolg 1999 durch ein neues Gesetz, das beinhaltet, das illegalisierte kein Recht haben einen Antrag auf Bleiberect zu stellen, wieder zu Nichte gemacht.
Aufklärung ist notwendig!
Obwohl es Verbindungen mit Gruppen und Organisationen in den Philippinen gibt, die Aufklärungsarbeit betreiben, liegt die Konzentration der Arbeit mehr auf Europa. In erster Linie ist es wichtiger sich auf Unterstützung in Europa zu berufen. Gleichzeitig ist es auch sehr wichtig Information auszugeben, damit sich die MigrantInnen selbst orientieren können, ohne zum Gehen oder Kommen ermutigt zu werden.CFMW sieht es nicht als seine Aufgabe an dafür zu sorgen Migration zu stoppen, vielmehr wollen sie migrierte Frauen unterstützen.
Kalayaan gehört zu den Gruppen, die sich auch mit der Aufklärung vor Ort beschäftigen und so hat Kalayaan z.b. vor Kurzem eine Reise in die Dominikanische Republik unternommen, um Aufklärungsarbeit über die Situation von MigrantInnen in England zu leisten.
Aufklärungsarbeit und Information vor Ort halten Frauen jedoch selten vor Migration ab, da die wirtschaftlichen Situationen in ihren Ländern ihnen oft keine andere Wahl lassen und die Möglichkeit nach Europa zu gehen werden daher genutzt.
Europas Arbeitmarkt
Es gibt einen öffentlichen Bedarf auf dem Arbeitsmarkt nach HausarbeiterInnen, eine Tatsache das die Forderung nach einem Aufenthaltsrecht verstärkt.
Bisher haben sich Gewerkschaften in vielen Ländern solidarisch mit den Hausarbeiterinnen erklärt.
In Holland ist die momentane Situation zwischen HausarbeiterInnen und Gewerkschaften jedoch eher zwiespältig. Auf der einen Seite behaupten die Gewerkschaften die Frauen unterstützen zu wollen, wenn allerdings eine konkrete Holfe einfordert verhalten sie sich nicht solidarisch.
Aufenthaltsrecht und die Homosexuelle Ehe
In Holland und Dänemark ist eine homosexuelle Eheschliessung anerkannt und daher ist es gesetzlich kein Problem eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Allerdings sind die Bedingungen die gleichen wie bei der heterosexuellen Ehe.
In Deutschland sieht diese Situation anders aus und wie einige von den TeilnehmerInnen berichteten ist diese Regelung abhängig vom jeweiligen Landkreis. Es wurde ein Beispiel aus Bremen genannt, wo ein homosexuelles Paar die Aufenthaltserlaubnis für den nicht-deutschen Partner bekam. Allerdings musste das Paar ständig beweisen das es in einer Ehe-ähnlichen Beziehung lebt.
HausarbeiterInnen haben Forderungen zusammengestellt die in ganz Europa angewendet werden sollen. Der Ansatz und Ursprung dieser Forderungen kommen von den HausarbeiterInnen und wir die UnterstützerInnen haben die Aufgabe ihre Stimmen zu hören und zu respektieren.
Charter der Rechte migrierter Hausarbeiterinnen in Europa
- Das Recht den Gewerkschaften beizutreten
- Das Recht den/der ArbeitnehmerIn zu wechseln
- Das Recht frei von Rassismus und Sexismus zu arbeiten
- Das Recht frei von Angst vor körperlichem, sexuellem oder psyochilogischem Missbrauch
- Das Recht auf einen Aufenthaltsstatus der anerkennt das die Arbeit der HausarbeiterInnen in privaten Haushalten eine voll anzuerkennende Arbeit ist
- Aufenthaltsstatus unabhängig vom Arbeitgeber
- Freizügigkeit im Exil-Land und allen anderen Ländern der Europäischen Union
- Gleiche und nicht diskriminierende Rechte und soziale Absicherung, die Mindestgehalt, Krankengeld und Mutterschutzgeld und Rente beinhalten.
- Legaler und einklagbarer Arbeitsvertrag, der Mindestgehalt, Maximalarbeitszeit und Verantwortlichkeiten festlegt
- Familienleben was die Gesundheitsversorgung, Erziehung und Soziale Rechte für die Kinder von migrierten Hausarbeiterinnen beinhaltet
- Frei von Rassismus leben und arbeiten können
- Freizeit
(Bitte wendet Euch an Solidar, wenn Ihr noch mehr Informationen über diese Forderungen haben möchtet, tel.:32 (0)2 500 1020).
Villa Courage stellt sich vor
Wir verstehen unsere Arbeit als politische Arbeit und nicht als reine Sozialarbeit.
MigrantInnen lernen nicht erst in Deutschland ein politisches Bewusstsein zu haben. Viele von ihnen bringen ihre Ideale und Ideen mit aus ihren Heimatländern. Diese Ideale zu erhalten ist unser täglicher Kampf.
Die Arbeit die wir machen ist unentgeltlich und wir machen sie aus politischen und idealistischen Gründen. Wir schöpfen unsere Kraft und unsere Energie aus uns selbst und es ist uns sehr wichtig das unsere Geschichten öffentlich werden, da das Interesse an unseren Situationen abgenommen hat. Viele haben vergessen das es hier um die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft geht.
Wir kennen und treffen auch Menschen die uns ihre Solidarität erklären und unsere Arbeit unterstützen.
Wir bieten nicht nur ein Frauenhaus an, aber auch eine Werkstatt in der Frauen die Möglichkeit haben zu arbeiten und sich kreativ zu betätigen. Es ist sehr wichtig das die Frauen die zu uns kommen etwas für sich selbst tun können und sich dadurch auch entfalten können.
Alle Frauen die zu uns kommen werden von uns aufgefordert Deutsch zu lernen, denn ohne deutsche Sprachkenntnisse sind sie von ihrem Ehemann oder ihren Kindern abhängig .
Wir haben auch ein Café - Café Courage, in dem wir seit drei Jahren, mit der Hilfe von einer Deutschlehrerin, umsonst Deutschunterricht anbieten. Aber, wir bieten auch Spanischunterricht für Deutsche Frauen an. Café Courage ist damit ein guter Kontakt- und Treffpunkt geworden, besonders da keine BesucherInnen ins Frauenhaus reinkommen können.
Eines von unseren anderen Angeboten und Aktionen ist Radio Courage, das einmal monatlich bei Radio Dreieckland ausgestrahlt wird und sich mit Themen von Menschenrechten bis hin zu spezifischen Frauenthemen beschäftigt.
Wir organisieren auch einmal im Jahr ein Sommerfest, an dem verschiedene kulinarische Spezialitäten angeboten werden und vieles mehr.
Villa Courage hat Platz für 30 Frauen(15 Räume) und Frauen bleiben zwischen 1nem Tag und 2 Jahren in der Villa Courage.
Villa Courage ist das einzige internationale Frauenhaus in der BRD und Frauen aus ganz Deutschland können dorthinkommen,wobei es allerdings häufig Schwierigkeiten mit den Behörden der verschiedenen Bundesländer gibt.
Obwohl viele Frauen durch Behörden und sogar durch die Polizei an die Villa Courage vermittelt werden, gibt es immer wieder Probleme mit Behörden wegen Umverteilung und sogenannten illegalisierten Frauen.
Wir reden mit den Frauen die zu uns kommen nicht nur über ihre Probleme, sondern auch über unsere Probleme, die ja auch existieren. Oft probieren wir die Leute, die Frauen an uns vermitteln, die Hälfte der Kosten tragen zu lassen, aber das funktioniert selten.
Momentan stehen wir unter einem großen Schuldendruck von 1/2 Millionen Mark.
Letztes Jahr haben wir es geschafft 50 000DM abzuzahlen, obwohl wir alle MigrantInnen sind.
Villa Courage fordert:
- Abschaffung des §19 im Ausländergesetz
- Bildung und Schulung von BeamtInnen, die Anhörungen von AsylbewerberInnen führen
- Anerkennung der Ausbildung: Studium von ausländischen Frauen
- Unterstützung und Anerkennung von organisierten MigrantInnen und Flüchtlingen
- Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe
Alle bisher aufgezählten Forderungen werden als Minimalforderungen von den TeilnehmerInnen unterstützt und weiterhin wird gefordert:
- die Möglichkeit für alle Flüchtlingsfrauen umsonst eine Therapie machen zu können.
- no borders
- STOPP Abschiebung
- ein Leben frei von sexistischer, rassistischer, geschlechtsspezifischer, kapitalistischer Unterdrückung
In weiterer Zukunft wird es in Deutschland ein Treffen des Netzwerks RESPEKT und IN VIA geben. Es wurde die Möglichkeit ins Auge gefasst zum gleichen Zeitpunkt einen Frauen-Karawane-Kongress zu organisieren oder sich auf irgendeine andere Art an diesem Treffen zu beteiligen.