Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena zurück | back

Wanderkirchenasyl NRW

Beitrag eines kurdischen Teilnehmers aus dem Wanderkirchenasyl in NRW auf dem Karawane Kongress.

Seit ca. 2 Jahren leben wir 450 Menschen Frauen, Kinder und Alte in der Kirche. Während dieser Zeit waren wir gezwungen alle zwei Wochen die evangelischen und katholischen Kirchen zu wechseln. Dies beeinflußt uns Kurden negativ.

Außerdem haben wir Angst vor der Polizei, die uns körperlich und seelisch bedrückt. Unsere Gesundheit ist angegriffen. Wir haben Angst vor weiteren Abschiebungen aus der Kirche wie die von Yusuf Demir, der nachseiner Abschiebung erst in Istanbul und danach noch mal in seinem Dorf von Polizei und Anti-Terrorabteilung über das Wanderkirchenasyl verhört und misshandelt worden ist. Oder Fatma Bag, die nur knapp einer Abschiebung entgangen ist. Sie wurde wieder aus dem Flugzeug geholt während ihr Mann und ihre Kinder abgeschoben wurden.

Jeder denkt jetzt ist wohl die Reihe an uns. Diese Situation macht uns Menschen in der Kirche fertig.

Ein weiteres Problem ist unsere Bedrohung hier in der Kirche durch türkische Faschisten. Sie rufen in der Kirche in der wir waren an. Sie bedrohen uns. Sie kommen sogar mitten in der Nacht zur Kirche und reissen unsere draussen aufgehängten Plakate runter. Bis jetzt hat die Polizei sich überhaupt nicht darum gekümmert und keiner von den Blutrünstigen wurde festgenommen. Wenn uns morgen etwas zu stößt, dann ist die Polizei dafür verantwortlich.

In den letzten zwei Jahren haben wir verschiedene Demonstrationen und Veranstaltungen gemacht. Wir sind unzählige Male zum Innenminister von Nordrhein-Westfalen gegangen. Aber wir haben nichts erreicht. Wir haben zwei Hungerstreiks gemacht. Einen sechstägigen in der ersten Kirche des Wanderkirchenasyls. Für den zweiten Hungerstreik haben wir in Düsseldorf das Büro der Grünen Partei mit 70 Leuten, Frauen, Alten und Jugendlichen besetzt und dort den Hungerstreik durchgeführt. Nach drei Tagen fingen die Grünen und die Kirchen an auf uns Druck auszuüben. Aufgrund dieses Druckes haben wir die Zahl der TeilnehmerInnen auf 30 gesenkt. In diesem Hungerstreik waren wir sehr entschlossen und gingen noch in die zweite Woche. In diesen zwei Wochen haben wir drei Mal mit dem Innenminister gesprochen. Im Ergebnis spielten die SPD und die Grünen ein neues Spiel mit uns. Das neue Spiel hiess Einzelfalllösung. Jede Akte sollte neu begutachtet werden. 15 von denen die im Hungerstreik waren bekommen Papiere nach § 51 Ausländergesetz. Aber die meisten wurden wieder abgelehnt und waren gezwungen wieder in die Kirche zurückzukehren. Einige Kirchen wollten keine Familien mit Kindern oder mit Alten aufnehmen.

An die Karawane

Aus allen vier Teilen von Kurdistan kommen immer noch wegen der Repression und dem Krieg Flüchtlinge nach Europa. Heute sind 5 Millionen von uns über alle Teile der Welt verstreut. Besonders in den letzten 15 Jahren flüchteten KurdInnen vor Repression und Gewalt. Seit 1984 werden unsere Dörfer und unsere Felder zerstört und verbrannt, unsere Häuser wurden angezündet so dass wir gezwungen waren zu fliehen. Um die kurdischen Dörfer zu räumen arbeiteten Spezialkräfte, Soldaten, Kontraguerillaeinheiten und die Dorfschützer Hand in Hand.

Eine dieser Methoden ist es diese Gebiete zu verminen, so daß weder Land- noch Viehwirtschaft möglich ist. Als ob das alles nicht reichen würde, hat die Türkei die Kurden mit einem Embargo belegt.

Wir Kurden kommen nicht direkt nach Europa. Wir fliehen zuerst in die Türkischen Metropolen. Aber auch dort sind wir ständiger Verfolgung und Folter ausgesetzt. Deshalb sind wir Kurden gezwungen nach Euorpa und Deutschland zu kommen. Solange die kurdische Frage nicht gelöst ist, werden die Kurden weiter nach Europa kommen. Nach dem intrnationalen Komplott gegen Abdullah Öcalan wurden die Abschiebungen und die strafrechtlichen Verfolgungen von Kurden noch verstärkt.

Ein Beispiel:

Hüseyin Ö. wurde am 25.3. 1999 von den Bayrischen Ausländerbehörden auf dem offiziellen Weg über das Konsulat in die Türkei abgeschoben. Hüseyin Ö. wurde in der Türkei nach § 125 des Türkischen Strafgesetzbuches zum Tode verurteilt. Nach Angaben des Menschenrechtsvereins ist es möglich, daß er unter der Folter Aussagen gemacht hat.

Wir Kurden kommen nach Deutschland um hier Asyl zu beantragen und werden oft innerhalb von 3 bis 6 Monaten abgelehnt. Die deutsche Regierung hat kein Recht die Kurden so zu behandeln, denn sie hat in diesem Konflikt selbst Schuld auf sich geladen. Was ist ihr eigener Beitrag?

  1. Die deutsche Regierung unterstützt die Türkei militärisch, politisch und ökonomisch
  2. Der deutsche Staat hat an den türkischen Staat die verschiedensten Waffensysteme geliefert und unterstützt den türkischen Staat beim entwickeln von chemischen Waffensystemen.
  3. Der deutsche Staat legitimiert weiterhin die Politik des türkischen Staates gegen das kurdische Volk indem es die Politik der Verbote von kurdischen Einrichtungen und Parteien weiter aufrechterhält und kurdische Politiker weiter von Repression in der BRD bedroht bleiben. Der deutsche Staat hat Jahre lang die Unterdrückung des kurdischen Volkes durch den türkischen Staat geleugnet.
Während wir über diese Abscheulichkeiten und diesen Haß sprechen, werden wir weiter wie verhaßte Aussätzige in Lager eingesperrt und am Schluß doch abgeschoben.

Wir sind hier, weil ihr unser Land zerstört habt. Wir sind hier, weil ihr mit euren Panzern, mit euren chemischen Waffen, in Zusammenarbeit mit den in eurem Interesse handelnden kollabierenden Regime und Wachhunden die Erde vergiftet auf der wir geboren und aufgewachsen sind.

Wir fordern, das alle Abschiebungen von Kurden sofort gestoppt werden und das allen ein Bleiberecht gegeben werden muß, bis der Krieg zu Ende ist.

Fri, 28 Apr 2000 09:56:13 PDT

 

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