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| Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena | zurück | back |
Meine Damen und Herren. Sehr geehrte Gäste, sehr geehrter Kongressteilnehmer,
wie Sie wissen, ermöglichen es die technischen Fortschritte in den Bereichen Kommunikation und Transport heute den großen internationalen Unternehmen, die GEsamtheit ihrer Produktionsmittel von einem Ort zum anderen in der Welt zu transportieren. Diese Möglichkeit fehlte in den sechziger und siebziger Jahren, als Arbeitskräfte, die aus den kleinen DÖrfern der Türkei und Marokkos kamen, erforderlich waren, um den BEdarf der europäischen Industrien zu decken.
Andererseits hat es die Auflösung des kommunistischen Blocks den kapitalistischen Mächten ermöglicht, ein unbarmherziges Ausbeutungssystem sowohl im inneren Bereich als auch im äußeren zu installieren. Dies wird heute mit dem Begriff Globalisierung der Wirtschaft bezeichnet. Gewiss ist dieses System komplex und hat viele katastrophale Konsequenzen überall in der Welt zur Folge. Wie Sie wissen, sind in den ersten Teilen, d.h. an den ersten Tagen dieses Kongresses viele Dinge genannt worden bezüglich gewisser negativer Konsequenzen dieser Globalisierung in den Entwicklungsländern oder in anderen Worten: in den Ländern der Dritten Welt; wir werden uns an den zahlreichen katastrophalen Plagen interessieren, die sich aus dieser Globalisierung im Innern selbst der kapitalistischen Länder ergeben; denn es erweist sich oft, dass die bürgerliche internationale Gesellschaft relativ wenig Informationen über die Leiden und die Schwierigkeiten hat, denen die illegalen Einwanderer in diesen kapitalistischen Ländern ausgesetzt sind.
Wenn Europa und die Vereinigten Staaten systematisch die Kontrolle ihrer Grenzen verstärken, so bleibt nichts desto trotz die Tatsache bestehen, dass die Beschäftigungen wie Hausarbeit, Hotelgewerbe, Gaststättengewerbe, die Arbeiten bei Gemüse und Obstanbau, im Baugewerbe ausschließlich von Bedeutung sind für die MigrantInnen und Flüchtlinge oder sogar für die Illegalen. Die europäische und die amerikanische Regierung wissen wohl, dass ohne die Illegalen diese Bereich zum Stillstand gebracht würden; dies führt uns folglich dazu zu sagen, dass die Illegalen und die Flüchtlinge die Grundpfeiler oder bestimmte Grundpfleiler der Wirtschaft der kapitalistischen Ländern bilden; aus diesem Grunde praktizieren sie eine Einwanderungspolitik nach Maßgabe der konjunkturellen Bedürfnisse im Gebiet: Arbeitskräfte. Diese Einwanderung muss gemäß der vorhandenen Strukturen und gemäß dem Konzept der kapitalistischen Länder abwechselnd und kurz sein; d.h.: wir werden die Grenzen blockieren, wir werden die Kontrollsysteme mit sehr entwickelten Geräten ausstatten und gleichzeitig werden wir es bestimmten Personen erlauben einzureisen, denn wir benötigen ihre Unterstützung, um in den Bereichen, die ich erwähnt habe zu arbeiten. In dieser turnusmäßigen und kurzen Einwanderungspolitik besteht die Tatsache, dass sich die Einwanderer bzw. Flüchtlinge nicht sicher fühlen vor der Ausweisung. Die Familien, die kranken Personen, die Kinder und die alten Menschen werden nicht akzeptiert; weil diese Personen Schmarotzer sind und nicht teil nehmen an der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder. Daher ziehen es die Bürger der osteuropäischen Länder wie Polen, Ukraine oder Tschechiche Republik (Tschechien) es vor, allein nach Deutschland oder in andere Länder zu kommen, um schwarz zu arbeiten, bevor sie kurze Zeit später ihre Heimatländer wieder erreichen. Sie werden sehr schlecht bezahlt und akzeptieren es, unter miserablen Umständen zu arbeiten, um zehn DM pro Tag zu verdienen, und dies wegen der Ungleichheit im Lohnsystem (Lohngefälle), das zwischen ihren Ländern und den Ländern Westeuropas existiert. Da sie wissen, dass sie keine Chance haben zu bleiben, um ein normales und stabiles Leben zu führen, ziehen sie es vor, allein zu kommen für eine Zeit von zwei oder drei Monaten, um dann wieder abzureisen; um nicht zu Opfern vieler Schikanen und Leiden sozialer, wirtschaftlicher und finanzieller Natur zu werden. Da sie wissen, dass sie illegal sind, lehnen es ihre Arbeitgeber ohne Skrupel ab, ihnen Geld zu zahlen. Hier in Deutschland marschieren jeden Morgen in der Stadt Frankfurt die Illegalen an einem bekannten Ort vorbei, wo die Arbeitgeber und Unternehmer sie kontaktieren, um sie letztlich bei den Arbeit im Baufach oder im Gemüseanbau einzusetzen.
In Großbritannien werden die Arbeiten in den Haushalten der Häuser von Frauen ausgeführt, die aus den Philippinen, Thailand, Indien oder anderen Ländern stammen; diese Frauen sind oft Opfer von Vergewaltigungen und Gewalttaten seitens ihrer Arbeitgeber (die Bewegung Kalayaan wird dies klarstellen).
In Spanien wie auch in Italien werden die Arbeiten im Baugewerbe und im Obstanbau durch die Illegalen ausgeführt, die, bevor sie in das Land einreisen können, vielen Leiden ausgesetzt sind. Es gibt eine große Gemüseplantage in Spanien zwischen Almeria und Malaga, die „Costa de Plastico“ genannt wird; dort erleiden die Einwanderer bzw. Flüchtlinge viele unmenschliche Dinge und erhalten oft nach der Arbeit keinen Lohn. (Der Vertreter Spaniens wird diesbezüglich einen Lagebericht geben).
Zwischen Spanien und Marokko kommen viele Einwanderer und Flüchtlinge in den Grenzgebieten unter schmerzlichen Umständen um.
In Frankreich wäre der Bau des Stadions Frankreichs in Saint Denis nicht rechtzeitig fertig geworden ohne die Mitwirkung und Mithilfe der Personen ohne Ausweispapiere. (Madijigučne Cisse wird gewiss bestimmte Erläuterungen zu diesem Aspekt geben).
Die gleichen Demütigungen sind zu konstatieren in den Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere in den Städten an der Grenze Mexikos, wo die Männer, die Frauen und die Kinder in Maquiladoras arbeiten wie unermüdliche Tiere für den Lohn von 10 Dollar täglich; (die Vertreterin Mexikos wird darüber mehr Details geben). Außer diesen ernsten Verletzungen der Menschenrechte bildet die erzwungene Prostitution, die ich hier zwischen Anführungszeichen als die der Sklavenhalter bezeichnen würde, den höchsten Grad der Demütigung für die Würde der Frau in den westlichen Ländern. In den Ländern wie Polen, Nigeria, Thailand oder Brasilien wird unschuldigen Mädchen oft eine bessere Zukunft in Europa bzw. in den Vereinigten Staaten von Amerika versprochen durch organisierte Verbrecher. Sobald die einmal in Europa sind, werden ihre Pässe gesperrt und sie werden geschlagen, gefoltert und oft ermordet. Es wurde schon immer auf frisch begangene Delikte in Italien, Holland und hier in Deutschland hingewiesen. Die Polizei; die Behörden? Kurz und gut, sie wissen Bescheid über diese schmutzige Sache, aber was tun sie, um sie zu stoppen? Nichts!!
Um diese Sklaverei bei den Arbeitskräften ebenso wie die Verletzungen der Rechte der Frau zu bekämpfen, muss man diverse Aktionen organisieren, um Anklage zu erheben in Zusammenarbeit mit allen sozioprofessionellen Gruppen der ganzen Welt. Sicherlich muss man zuerst damit beginnen, den Flüchtlingen Verantwortung zu geben, indem man sie zu den ersten Protagonisten dieses Kampfes macht.
In Frankreich nehmen die Gewerkschaften die illegalen Gastarbeiter (Einwanderer) auf und kämpfen für den Erstattungsanspruch ihres Gehalts nach der Arbeit. Ähnliche Schritte werden in Berlin hier in Deutschland unternommen durch eine Organisation mit dem Namen ZAPO: Zentrale Anlaufstelle für Pendler aus Osteuropa, um die Rechte der Arbeitnehmer zu verteidigen, die aus Osteuropa kommen. In der Schweiz unternehmen die Gewerkschaften Schritte, um für die Einwanderer Arbeit zu finden, was ihnen ermöglicht, Geld zu haben, um die Reisekosten zu decken in Reiseländer, die flexibler sind und mehr Sicherheit gewähren als in der Schweiz.
Meine Damen und Herren, da wir fast alle Grundbegriffe durchgesprochen haben, die in Zusammenhang stehen mit der Ausbeutung im Inneren der kapitalistischen Länder, werden wir nun Überlegungen anstellen über die Mittel und Wege, die es uns ermöglichen, eine Lösung dieser Probleme zu finden. Der Kampf wird sich nicht darauf beschränken, Anklage zu erheben gegen die Verletzungen der Menschenrechte in den Entwicklungsländern. sondern es wird ebenfalls erforderlich sein, an die Personen zu denken, die unter der Ausbeutung im Innern selbst dieser kapitalistischen Länder leiden. Ich beende hier meinen Vortrag, indem ich um Ihre Mitwirkung, Vorschläge und Beteiligung bitte, was es uns ermöglicht, eine Grundlage zu schaffen für einen wirksameren Kampf um diesen Personen zu helfen; ich danke Ihnen!
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