Jüdischer Friedhof geschändet!
Göttingen. In der Nacht zum 16. Februar 2000 wurde der jüdische Friedhof in Göttingen durch Faschisten geschändet. Die Täter schmierten auf 43 Grabsteine Hakenkreuze und Parolen wie „Juda verrecke". Polizeipressesprecher Latermann äußerte, dass es keine Erkenntnisse über zunehmende faschistische Gewalt in der Region gäbe, CDU-Oberbürgermeister Danielowski bezeichnete die Täter als „gesellschaftliche Außenseiter". Die Autonome Antifa [M] sieht das anders: In einer Presseerklärung bezeichnete sie die Tat als bitteren Höhepunkt einer ganzen Reihe faschistischer Übergriffe in den letzten Monaten und die polizeiliche Darstellung als verharmlosend. Die Göttinger Antifa-Gruppe griff auch Danielowski scharf, denn Antisemitismus kommt aus der Mitte der deutschen Gesellschaft. Besonders die CDU hat in den letzten Jahren, wie z.B. in der Gedenkstättenpolitik oder in der Diskussion über das zentrale Holocaust-Mahnmal in Berlin, mit ihren Positionen antisemitischer Gewalt Vorschub geleistet. Ähnlich sahen dies auch jene 150 Menschen die bereits zwei Tage nach dem Anschlag auf dem Göttinger Marktplatz gegen Rassismus und Antisemitismus demonstrierten. Zusätzliche Brisanz erhielt der Anschlag, als am 18. Februar 2000 bekannt wurde, dass die Göttinger NPD erneut einen Aufmarsch angemeldet hat. Mit ihrer dritten Aufmarschankündigung zeigte die NPD erneut, wie sehr sie sich zu offenen NS-Bezügen hingezogen fühlt: Diesmal will sie kurz vor dem Hitler-Geburtstag am 15. April marschieren. Aber auch beim dritten Aufmarschversuch kann sie sich auf heftigen antifaschistischen Widerstand gefasst machen. Achtet auf Ankündigungen für die antifaschistischen Aktionen am 15. April 2000.