"Widerstand ist wunderbar!"
Göttingen. So lautete eine Überschrift im Göttinger Tageblatt (GT) am 8. Februar 2000. Dieser Aussage können sich sicherlich viele aktive AntifaschistInnen anschließen, gerade wenn die Parole, vollständig „Widerstand ist wunderbar, kommt zur Jugend-Antifa!" lautet. Doch leider wollte das GT keine Werbekampange für Antifa-Jugendgruppen starten, sondern über den Sachschaden an fünf Göttinger Schulen berichten, der durch die Verschönerung einiger Wände, mit eben dieser und anderer linker Parolen entstanden ist. Aber nicht nur die Presse war durch diese Aktion auf den Plan gerufen. Auch die Göttinger Polizei fing an zu ermitteln. Ein paar Tage später kamen zwei Zivilbeamte in eine der besprühten Schulen und beschuldigten einen 14-Jährigen für das Geschehen verantwortlich zu sein. Sie mussten aber nach einem kurzen Wortwechsel wieder abziehen, da sie keine konkreten Anhaltspunkte hatten und der Einschüchterungsversuch offenbar ergebnislos war. Die Polizisten erwähnten gegenüber der Schuldirektorin konkret gegen die Antifaschistische Jugend Göttingen (AJG) zu ermitteln, da die gesprühten Parolen mit „AJG" unterzeichnet seien. Die AJG ist im November ’99 zum ersten Mal mit einem Flugblatt in Erscheinung getreten, „um jeden Tag für ein solidarisches und selbstbestimmtes Zusammenleben und gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen!". Dass eine Gruppe, die mit diesem Anspruch angetreten ist und sich in der antifaschistischen Bewegung verortet, schnell ins Fadenkreuz des Staatsschutzes gerät ist nur logisch. Denn die Kampfansage der AJG gilt offensichtlich nicht nur den Faschisten, sondern der „gesellschaftlichen Rechtsentwicklung" im allgemeinen und damit den staatstragenden Kräften dieser Nation. Dass schon nach wenigen Monaten seit dem Bestehen der Gruppe, solidarische SprayerInnen ans Werk gehen, zeigt, dass dieser Ansatz nicht isoliert ist, sondern auch im neuen Jahrtausen auf Interesse bei Jugendlichen stösst.