Ein Jahr ohne Autonomes Zentrum
Heidelberg. Am 12. Februar 2000 demonstrierten 1100 Menschen unter dem
Motto „Ein Jahr Räumung des Autonomen Zentrums – Der Kampf geht weiter! Für
eine starke Linke!". Die von der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD)
organisierte von zahlreichen linken Gruppen unterstützte Demo wurde schon eine
Woche vorher in den Medien zum Thema. Um der Forderung nach einem neuen Zentrum
Ausdruck zu verleihen, besetzten Autonome ein Haus, das jedoch schon am nächsten
Tag von der Polizei wieder geräumt wurde. Durch die Besetzung wurde die Hinhaltetaktik
der Stadt deutlich und die Notwendigkeit eines autonomen Zentrums für eine linke,
fortschrittliche Kultur unterstrichen. Seit einem Jahr kämpfen in Heidelberg
verschiedene Iniativen für einen Ersatz für das damals geräumte Zentrum (AZ)
und finden Unterstützung in breiten Teilen der kritischen Bevölkerung. Die Demo
vom 12. Februar 2000 war Ausdruck dieses politischen Klimas in Heidelberg. An
der Spitze der Bündnisdemo ging ein mit Seilen geschützter Block organisierter
AntifaschistInnen, begleitet von mehreren Hundertschaften der Polizei. Nach
mehreren Provokationen maskierte sich der erste Teil der Demo und drückte damit
Entschlossenheit und eine generelle systemoppositionelle Haltung aus. Auf der
Demo konnten die durch politische Vorarbeit geschaffenen Freiräume genutzt und
die Polizei punktuell in die Defensive gedrängt werden. Die Parole „Für eine
starke Linke" knüpfte nicht nur an LL-Demo in Berlin an, sondern machte auch
die Notwendigkeit des Aufbaus einer außerparlamentarischen Linken deutlich.
In der Rede der AIDH hieß es: „Ohne Selbstorganisierung der Linken wird es keine
grundsätzlichen Veränderungen geben und das bedeutet Beteiligung am Aufbau der
Linken und Organisierung der politischen Praxis."
Dass ein Jahr ohne AZ auch andere Konsequenzen hat, bewiesen Autonome in der
Nacht nach der Demo: Zwei Polizeiwannen und zahlreiche Schaufenster wurden gesmasht,
fünf Polizisten verletzt und ein Molli auf das Rathaus geschmissen.