Interview mit der HipHop-Band "Fettes Brot"

"Selbstverständlich bestimmte Werte transportieren"

Göttingen. Am Abend des 15. Juli 2000 war Party angesagt: NPD & Co. waren zum vierten Mal damit gescheitert, in Göttingen einen Aufmarsch durchzuführen. Ein Erfolg, der getrost dem linken Klima in der Stadt zugeschrieben werden konnte. Gefeiert wurde dies am selben Abend von rund 800 Menschen auf einem Konzert mit "Fettes Brot", das von der Autonomen Antifa [M] organisiert worden war. Die HipHop-Band aus Hamburg hatte sich kurzfristig bereit erklärt, ohne Gage zur Unterstützung des antifaschistischen Widerstandes zu spielen, ebenso wie "Da Prophecy Team", das das Publikum auf den Abend einstimmte. Das "Fett gegen Nazis"-Event sollte es laut Autonomer Antifa [M] ermöglichen, "den Faschisten auch auf kultureller Ebene entgegenzutreten, viele Menschen anzusprechen und für antifaschistische Politik zu gewinnen." Bevor die Brote auf der Bühne loslegten, gaben sie eine Interview für die Stadtradio-Sendung red.fm, das der EinSatz! zur Verfügung gestellt wurde.

Fettes Brot in der Göttinger Outpost beim "Fett gegen Nazis"-Antifasolikonzert

red.fm:
Ihr spielt heute quasi "außer der Reihe". Spielt ihr öfter auf Antifa-Solidaritätskonzerten?

Flashmüller:
Erstmal hat sich das für uns relativ kurzfristig ergeben, die Anfrage von der Antifa, und da wir dieses Wochenende ohnehin unterwegs waren, hat es sich für uns angeboten, diesen Samstag noch in Göttingen zu spielen. Wir finden das natürlich auch eine lobenswerte Aktion und sind deshalb heute hier, weil wir das gutheißen und auch davon ausgehen, dass das heute ein lustiger Abend werden kann, auch wenn's ein ernstes Thema ist. Wir haben das schon ein paar Mal gemacht, aber es ist nicht so, dass wir ständig für antifaschistische Zwecke spielen. Meistens spielen wir für Geld.

red.fm:
Im deutschen HipHop höre ich immer nur solche Texte, wo rumgepost und angegeben wird á la "Wir sind die coolsten und die krassesten". In Frankreich z.B. ist das anders, da drehen sich die Texte nicht nur um die Bands selber oder um die Leute, die das rappen, da sind die Texte viel sozialkritischer. Wieso ist das so und was haltet ihr davon?

Rektor Donz:
Das gute an der HipHop-Szene war und wird hoffentlich auch immer sein, dass selbstverständlich bestimmte Werte transportiert werrden, egal ob man nun ein Angeberlied macht oder ein ernstes Lied. Jede Veranstaltung, jedes Statement hat für mich immer automatisch eine tolerante Basis, einen gewaltfreien Umgang miteinander, friedlich und antifaschistisch. Es gibt sicher Tendenzen, die mich als normal denkenden Menschen verwundern, z.B. wenn auf einmal gegen Schwule gewettert wird innerhalb von Battletexten. Das hat dann nichts mehr mit dem HipHop-Gedanken zu tun, den ich gut finde und dem ich mich angeschlossen habe. Ich find' es super, Battletexte zu schreiben, find' aber schlicht und ergreifend auf die Dauer ein bisschen langweilig, wenn eine Band nichts anderes zu bieten hat als Battletexte. (...) Aber im Prinzip ist es eine Spielart des HipHop, der auch wir gerne fröhnen. Wir können auch nicht behaupten, dass unsere neue Single "Da draußen" einen besonders kritischen Hintergrund hat. Wir erzählen einfach nur, wo der Hammer läuft und der Hase hängt, insofern ist es jetzt albern, wenn ich das Battlen jetzt verabscheuen würde. Tu' ich auch nicht. Ich hab' einfach für mich den Anspruch, nur dann Texte zu schreiben, wenn ich auch was zu sagen habe. Bei manchen Rappern haber ich einfach das Gefühl, die glauben, sie müssen was schreiben. Oder irgendjemand hat ihnen gesagt, sie müssen allen Leuten ihr ganzes Leben lang erzählen, dass sie die Größten sind. Aber da vermisse ich ein bisschen den inneren Antrieb, wirklich was sagen zu wollen und nicht nur rappen zu müssen.

Flashmüller:
Was jetzt vielleicht so ein bisschen flach gefallen ist, sind so Polit-Rap-Sachen, wo das Paradebeispiel "Fremd im eigenen Land" von Advanced Chemistry war. Lieder, die sich sehr direkt mit der politischen Situation auseinandersetzen, gibt es irgendwie sehr, sehr, sehr wenig in der deutschen Rap_Szene, gab es vielleicht mal mehr. Vielleicht tut das mal wieder Not - so ein "Public-Enemy-Anspruch" in Deutschland. In Amerika gibt's das auch wieder, dass sich mehrere Bands mit Politik auseinandergesetzt haben. Vielleicht wird's dann in Europa auch wieder so sein. Wer weiß, vielleicht sogar auf der nächsten Fettes Brot-Platte.

red.fm:
Was für Projekte habt ihr als Band Fettes Brot als nächstes vor?

König Boris:
Wir haben ja gerade 'ne Platte rausgebracht und jetzt arbeiten wir schon wieder an einer neuen. Wir sind also nicht totzukriegen, fleißig wie die Bienchen, und haben uns jetzt einen eigen Studioraum gebaut, besser gesagt bauen lassen, um dabie zu bleiben. Da arbeiten wir mit größtmöglichen Eifer an der neuen Platte, die wir nach Möglichkeit dieses Jahr noch rausbringen wollen, was aber eventuell nicht klappen könnte, weil wir dann noch nicht fertig sind, aber dann spätestens Frühjahr nächsten Jahres. Und dann wird die neue Platte eine große Tournee nach sich ziehen, lustige Videos werden wir drehen und all das.

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