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Darum dieser Hass
Göttingen/Berlin. In Göttingen schlugen die Ermittler am 20. Juli
2000 um 6.30 Uhr zu. Zwei Göttinger Antifaschisten werden beschuldigt,
sich am 6. Februar diesen Jahres "an Ausschreitungen [...] beteiligt zu
haben, indem sie an einem Absperrgitter rüttelten und zogen", so der Durchsuchungsbeschluss
des Amtsgerichtes Göttingen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin.
An jenem Februarsonntag war der österreichische FPÖ-Faschist von Talkmaster
Erich Böhme in das Berliner Interconti in seine TV-Show eingeladen worden.
Unterdessen regte sich vor dem Hotel Widerstand. Etwa 1000 AntifaschistInnen,
mobilisiert von Antifaschistischer Aktion Berlin, antinationalen Gruppen
und PDS, riefen zur Verhinderung der "Haider-Veranstaltung" auf. Angesichts
der Übermacht der anwesenden "Ordnungskräfte" blieb es vorerst bei symbolischen
Rütteln am Absperrgitter. Genau das war auch tags darauf auf einem Foto
in der Berliner Bild!-Zeitung zu sehen. Das Foto weckte auch das Ermittlungsinteresse
der Berliner Staatsanwaltschaft. Sie ermittelte nach §125 (Landfriedensbruch)
und glaubte, in Göttingen zweimal fündig geworden zu sein. Die Staatsschutzabteilung
der Göttinger Polizei ließ sich die Chance nicht nehmen und razzte die
beiden Antifaschisten. Da aber ein Landfriedensbruch durch eine Hausdurchsuchung
fünf Monate später auch für Göttinger Ermittler nicht unter Beweis zu
stellen ist, nahmen sie den Computer der beiden mit, denn dessen Festplatte
"könnte sachdienliche Hinweise enthalten". Wie sich nun für den Protest
gegen die Haider-Veranstaltung gerächt werden soll, will die Berliner
Staatsanwaltschaft in einem Prozess klären. |