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"Alternatif" (DHP) ist keine Alternative für die Linke der Türkei!
Die Entwicklung des bewaffneten Kampfes der PKK in Kurdistan erforderte
Anfang der 90er Jahre einen gemeinsamen Kampf mit der revolutionären
Bewegung der Türkei. Erste Bemühingen schlugen fehl. Daraufhin war die
Antwort der PKK die Gründung einer ihr nahestehenden "türkischen"
Organisation. Dieselbe PKK, die einst die Gründung von Kurdistan-Sektionen
der türkischen Organisationen als "sozial-Chauvinismus" kritisierte,
gründete nun ihre eigene Türkei-Sektion, die "Revolutionäre Volkspartei"
(Devrimci Halk Partisi; DHP), die auch unter dem Namen ihrer Zeitschrift
"Alternatif" bekannt ist.
Genauso wie die türkische Linke zwischen 1960-80 die "erfolgreichen
Revolutionen" vieler Länder kopiert hatte, durchlebte "Alternatif" (DHP)
von Anfang an eine ähnliche Fehlentwicklung. Doch da Import- oder
Schattenrevolutionen keine Existenzgrundlage haben, konnte die "DHP" in der
Türkei niemals Fuß fassen. Den Fehler, "erfolgreiche Revolutionen" zu
kopieren, haben Organisationen vieler Länder seit den 30er Jahren oft
begangen. Dabei haben sie die eigenen landesspezifischen Probleme
verheerenderweise oft nicht berücksichtigt.
Der Erfolg der PKK als eigenständige Organisation basiert dagegen u.a. auf
die Erkennung und Vermeidung der Fehler der türkischen und kurdischen
Linken. Sie ist keine einfache Wiederholung oder Kopie. Mit "Alternatif"
beging sie jedoch diesen Fehler. Das Scheitern ihres türkischen Ablegers
war deshalb von vornherein offensichtlich.
Die "Alternatif", die sich vollkommen außerhalb der "klassischen" Linken
betrachtet, behauptet: "Unsere Kraft basiert auf die Ablehnung der
traditionellen Linken". Die Ablehnung und Trennung von den "traditionellen
Linken" fand bei der revolutionären Linken der Türkei bereits Ende der
60er Jahre statt. Um sich von den "traditionellen Linken" zu distanzieren,
brauchte man nicht solange zu warten, bis sie von der politischen Bühne
völlig verschwanden. Während sich die revolutionäre Linke Bewegung der
Türkei bereits Ende der 60er Jahre von der TIP (Arbeiterpartei der Türkei)
und von der Exilorganisation TKP (Kommunistische Partei der Türkei)
loslöste, stellt die 20 Jahre verspätete "Distanzierung" von "Alternatif"
von den "traditionellen Linken" nicht unbedingt neue Horizonte auf.
Allerdings ist diese Trennung keine Trennung von den Fehlern der türkischen
revolutionären Bewegung, sondern ist in Wirklichkeit eine Trennung von der
sehr oberflächlich definierten "soziokulturellen Identität". Das führte
dazu, daß sie innerhalb der Linken der Türkei weitgehend isoliert
geblieben ist. Hier nun einige dieser falschen Ansätze, der man in der
Praxis und Theorie der DHP begegnet:
Im Manifest der DHP, "Türkiye Devriminin Yolu ve Görevleri" (Der Weg und
die Aufgaben der Revolution der Türkei), steht dazu:
"Beim Betrachten der typischen Charaktere, die die Identität eines Volkes
ausmachen, sieht man, daß die türkischen Feudalherren die Strukturierung
ihrer Ideologie vom Islam übernommen haben, die die Ideologie der
arabischen Herrscher war; die politische Organisierung haben sie von den
Persern, das Landverwaltungssystem vom Byzanz übernommen. Das einzige, was
sie hervorgebracht haben ist die militärische Gewalt."
Abgesehen von den historischen Fehlern muß man fragen, was hier bewiesen
werden soll. Soll hiermit wirklich bewiesen werden, daß die Türken außer
"militärischer Gewalt" zu nichts anderem fähig waren oder vielleicht immer
noch sind?
Es steht weiter im Manifest: "die weltweite Meinung, daß die Türken
Barbaren und Zivilisationsfeinde sind, ist ein Punkt, der genauer
(wissenschaftlich) untersucht werden muß". Über welche Welt und welche
Zeitperiode schreibt der Verfasser? Oder sind die Türken für immer und
ewig Barbaren? Für die alten Griechen waren alle Völker in dem heutigen
Gebiet des Nahen Ostens Barbaren, die Germanen waren für die Römer
Barbaren. Um den angeblich absoluten Begriff "Barbar" zu widerlegen sind
solche Beispiele endlos fortsetzbar. Was für eine Logik hinter der
Behauptung steckt, daß die Türken Barbaren seien, ist unklar. Was klar ist,
ist die Unwissenschaftlichkeit dieser These.
Die neue "türkische" Bewegung ‘Alternatif’ untersucht die Rolle der Türken
in der Geschichte und findet nichts außer "militärischer Gewalt". Diese
Behauptung hat kein festes Fundament und ist historisch falsch. Das was
"Alternatif" unter "Barbaren" versteht, ist keine Türken-spezifische
Gesellschaftsform, sondern eine Stufe der menschlichen Zivilisation: Jäger
und Sammler Kulturen.
"Während in anderen Völkern Sichel und Pflug die Produktionswerkzeuge
darstellten, hatten die Türken diese Werkzeuge durch Schwert und Bogen
ersetzt", heißt es weiter in dem Manifest. Damit soll die Behauptung,
daß die Türken "Barbaren" sind, bekräftigt werden.
Die Vernichtungspolitik der Türkischen Republik den Kurden gegenüber
begründet "Alternatif" mit der "sich auf militärische Gewalt stützenden
türkischen Identität". Solch eine grobe und verschrobene Sichtweise
zerstört die Grundlagen für eine neue tatsächliche alternative "türkische"
Bewegung, wie es sich "Alternatif" wohl vorstellt.
Ihre Mutterorganisation, die PKK hat soweit Erfolge errungen können, wie
sie die kurdische Identität richtig analysiert hatte. Die Eigenschaften,
die für ihren Kampf im Vorteil waren, hat sie unterstützt und die
negativen Eigenschaften bekämpft. Die "Alternatif" zerstört dagegen mit
einseitigen und unsachlichen "Analysen" ihre eigene Grundlage.
"Alternatif" ist leider nicht in der Lage oder bereit, mehr als bloß eine
grobe Kopie zu sein.
widerstand@koma.free.de
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