”Krisis”

Dokumentar-Film (2018) über die Solidarische Praxis in Piräus, Griechenland
Mittwoch 30.1.2019 um 19:30 Uhr im Lichtmeß Kino Gaußstr. 25 Altona

Mit einer kurzen Einführung von Nadja Rakowitz (VDÄÄ)
Anschließend Diskussion mit Fotis Andreopoulos & Vaia Andreopoulou, Aktivisten aus Piräus und Protagonisten des Films, sowie dem Regisseur Wolfgang Reinke

Die Krisenpolitik in der EU hatte in Griechenland dazu geführt, dass 30% der Bevölkerung ihre Krankenversicherung verloren hatten. Elena, Fotis und Vasiliki engagieren sich seit 2013 zusammen mit anderen in einer sogenannten Solidarischen Praxis in Piräus. Dort organisieren sie medizinische Versorgung und kostenlose Medikamente für ihre in Not geratenen Nachbar*innen. ”Krisis” zeigt ihre Lebensfreude und ihr Engagement, ihre Kämpfe, Hoffnungen und Enttäuschungen und ist so zugleich ein Zeitdokument der politischen Entwicklungen in Griechenland. Der Film begleitet die Aktivist*innen zwei Jahre lang von Ende 2014 bis Ende 2016: vom Wahlsieg von SYRIZA über das Referendum im Juli 2015, die Unterwerfung der Regierung unter das 3. Memorandum der EU-Troika und die Auswirkungen der EU-Flüchtlingspolitik auf die griechische Gesellschaft und die solidarische Bewegung. Er zeigt, was Solidarität in diesen Zeiten bedeutet: Die Aktivist*innen der Solidarischen Praxis begreifen Solidarität als Akt der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und als politischen Widerstand.

Über eine Unterstützung mit einem Solibeitrag von 10 Euro würden wir uns freuen.

Eine Veranstaltung von:
Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ), Solidarisches Gesundheitswesen e.V., Hamburger Solidaritätsgruppe Griechenland, Arbeitskreis Distomo, attac Hamburg

Die Ankündigung befindet sich hier als pdf-Dokument

Steinmeier in Griechenland: Same procedure...

Pressemitteilung des AK Distomo
16. Oktober 2018

Es hat sich so eingebürgert. Wenn deutsche Politiker heutzutage Griechenland besuchen, wird pflichtschuldig auch der Opfer deutscher Verbrechen während der Besatzung gedacht. Doch mit der gleichen Selbstverständlichkeit wird die Forderung nach Entschädigung für diese Verbrechen zurück gewiesen. So ist es deutscher Brauch. Das Gedenken darf nichts kosten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte während seines jüngsten Staatsbesuchs vergangene Woche das ehemalige KZ Chaidari in einem Vorort von Athen. In diesem Lager waren während der Zeit der Besatzung insgesamt etwa 20.000 Menschen interniert. Unterernährung, Zwangsarbeit, Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Von dort gingen die Transporte jüdischer Menschen nach Auschwitz, wo die meisten von ihnen getötet wurden.

Steinmeier bat um Verzeihung für das was geschehen ist. Doch welchen Wert hat eine solche Geste 74 Jahre nach dem Ende der Besatzung? Die Täter all der Verbrechen an der griechischen Bevölkerung leben nicht mehr, sie wurden von bundesdeutschen Gerichten nie zur Verantwortung gezogen. Sie durften ihre Karrieren in der BRD fortführen und mit ihren Kameraden ihre ”Heldentaten” in Mittenwald, Bad Reichenhall oder Marktheidenfeld feiern, gemeinsam mit der restlichen Bevölkerung.
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Live-Hörspiel: Change Your Memory

Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Johannis-Harvestehude
18. Oktober, 20:00 Uhr in St. Johannis-Harvestehude
Heimhuder Str. 92, Hamburg

”Change Your Memory” ist das Motto für den Veranstaltungsabend am 18. Oktober in St. Johannis-Harvestehude, Hamburg (Heimhuder Str. 92). Um 20 Uhr beginnt die akustisch-visuelle Uraufführung des Hörspiels ”Alles verbrannt - Kalavrita 1943”, mit der Jugendliche ihren eindrücklichen Erfahrungen rund um die Stadt Kalavrita auf der griechischen Peloponnes Ausdruck verleihen, wo sie sich vor einem Jahr mit der Geschichte auseinandergesetzt haben.

Soldaten der Wehrmacht ermordeten dort 1943 in einem Rachefeldzug viele hundert Zivilisten ab 14 Jahren. Die Spuren dessen sind bis heute lebendig. Das Live-Hörspiel erinnert mit Klanglandschaften, Texten und Bildern an die Ereignisse vor 75 Jahren. Am 17. Oktober 1943 wurden bei Kalavrita von Partisanen rund 80 deutsche Soldaten gefangen genommen und später erschossen. Die 117. Jäger-Divison begann daraufhin ”schärfste Sühnemaßnahmen” und Vergeltungsaktionen ”durchzuführen”, die zur Folge hatten, dass Kalavrita, weitere 22 Ortschaften sowie 3 Klöster zerstört wurden.

Das Hörspiel hat verschiedene Erzählebenen. Es beginnt mit einem Besuch einer Antifa-Gruppe in Kalavrita in den 1970er Jahren, es folgen Statements des Führerhauptquartiers zu Griechenland, dem erstmaligen Besuch einer Deutschen nach den Massenerschießungen, der deutschen Historikerin Ehrengard Schramm in den 1950er Jahren. (Ehrengard Schramm hat lange Zeit selbst in Harvestehude gelebt.) Vor allem aber sind Augenzeugenberichte überlebender Frauen und Männer und Zitate ehemaliger deutscher Wehrmachtssoldaten zu hören.

Die Regie zum Live-Hörspiel führen Lasse-Marc Riek, Klang- und Radiokünstler aus Hanau a. M., sowie Constantin Gröhn, Pastor in St. Johannis-Harvestehude mit deutschgriechischer Herkunft. Projektionen kommen von der Hamburger Lichtkünstlerin Katrin Bethge, die virtuelle Räume live inszeniert. Ein Grußwort spricht Hauptpastor Propst Dr. Martin Vetter. Bei den Proben unterstützte auch der Schauspieler Rolf Becker die Jugendlichen.

Das Live-Hörspiel findet statt im Rahmen der Reihe Elektria in St. Johannis-Harvestehude, einem jungen Veranstaltungsformat für elektronische Kunst und Musik und aktuellen gesellschaftlichen Themen, www.elektria.org

Kontakt: Dr. Constantin Gröhn, Telefon 0176-57335486, groehn@st-johannis-hh.de.
Die Reise der Jugendlichen 2017: https://agorayouth.com/2018/01/08/lebendige-geschichte/

Distomo - Unbeglichene Schuld(en)

Dokumentarisches Theaterstück zu dem Massaker der SS in Distomo und den noch ausstehenden Reparations- und Entschädigungszahlungen an Griechenland.

31. Mai 2018, 20:00 Uhr, Polittbüro, Steindamm 45, 20099 Hamburg, Eintritt: 10.-

Am 10. Juni 1944 überfällt eine deutsche SS-Einheit das griechische Dorf Distomo und ermordet 218 Dorfbewohner*innen. Die Täter werden strafrechtlich nie verfolgt, die umgerechnet 28 Millionen Euro an eingeklagten Entschädigungsansprüchen nie gezahlt.

Das Stück spannt den Bogen vom historischen Ereignis des Überfalls durch die SS, über die hartnäckigen Zahlungsverweigerungen seitens Deutschlands bis zu den juristischen Kämpfen der Überlebenden. Verwendet werden Dokumente, die Zeugnis über die SS- und Wehrmachtsverbrechen in Griechenland ablegen, Auskunft über deutsche Politik in Entschädigungsfragen geben und den Verlauf der langwierigen Prozesse der Entschädigungskläger*innen nachvollziehbar machen.

Thematisiert wird außerdem der Umgang Deutschlands mit den Tätern, die ohne Furcht vor Strafverfolgung leben konnten und sich bis in die 1980er Jahre ungehindert öffentlich versammeln durften. Das Theaterstück richtet sich gegen diese Abwehrstrategien, erinnert an die Opfer deutscher NS-Massaker und solidarisiert sich mit den finanziellen und politischen Forderungen der Überlebenden.

Der Schwerpunkt des Theaterprojekts ist nicht die Erzählung dessen, was am 10. Juni 1944 passierte. Es begnügt sich nicht damit Kenntnisse über vergangene Ereignisse zu vermitteln, sondern fordert uns dazu auf, uns nicht mit bestehendem Unrecht abzufinden. Schwerpunkt des Stückes ist es, mit den Mitteln des Theaters den Kampf der Überlebenden und den Angehörigen der Ermordeten um Anerkennung des ihnen erfahrenen Verbrechens und die Entschädigung für das erlittene Unrecht darzustellen.

Der Flyer befindet sich hier als Pdf-Dokument

Woche der Solidarität mit Griechenland
und der Stadtteilsolidarität mit Perama
vom 27. April bis 5. Mai 2018

Veranstaltungsreihe des Einwohnervereins St. Georg von 1987 e.V. in Kooperation mit verschiedenen Griechenland-Solidaritäts-Initiativen unter Schirmherrschaft des Generalkonsulats der Hellenischen Republik in Hamburg
Das vollständige Programm befindet sich hier als Pdf-Dokument

Veranstaltung des AK-Distomo
Mittwoch, 2.5.2018, 19.00 Uhr, Gemeindesaal, Stiftstraße 15 (1. Stock)
Vorführung und Diskussion der Dokumentation ”Ein Lied für Argyris” (Schweiz 2008, von Stefan Haupt, 105 min) über das SS-Massaker im griechischen Dorf Distomo am 10. Juni 1944
Der Aufruf befindet sich hier als Pdf-Dokument

Vielen von uns machte der arrogante Umgang der Europäischen Union und speziell des deutschen Finanzministers Schäuble mit Griechenland wütend. Die knechtenden Bedingungen der Troika sollten offensichtlich nicht nur den GriechInnen verdeutlichen, was es heißt, die Wirtschafts- und Finanzkrise anders lösen zu wollen als durch Sozialabbau, Massenverarmung und Umverteilung von unten nach oben. Immerhin, es entwickelte sich 2014/2015 auch eine Solidaritätswelle in Europa. Sie ist in den letzten Jahren allerdings weitgehend zum Erliegen gekommen, auch, weil die Bemühungen der griechischen Regierung, wieder auf die (eigenen) Beine zu kommen, nicht nur von populären Maßnahmen gesäumt ist.

Und warum nun eine Solidaritätswoche des Einwohnervereins St. Georg? Seit dem Jahre 2015 pflegen wir einen partnerschaftlichen Kontakt zur ”Freien Vereinigung” und ihrer Nachbarschaftsküche in Perama. Konkrete Unterstützung sollte es sein, die Bestand hat, erst recht, wenn die eigenen Wünsche und Utopien sich nicht gleich einstellen. Und Perama bot sich an: ein Vorort von Piräus mit knapp 30.000 EinwohnerInnen und einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent, eine Freie Vereinigung, die seit 2012 versucht, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und der Armut zu trotzen, Medikamente zu organisieren, Schulmaterial zu sammeln, eine Gemeinschaftsküche zu unterhalten. Ein Ansatz, der uns als alternativer Stadtteilverein vertraut ist und am Herzen liegt. Mehrmals waren in den letzten drei Jahren St. GeorgerInnen in Perama, jetzt laden wir zwei engagierte Mitglieder von dort ein, um die Solidaritätswoche zu begleiten und über ihr Zuhause und die Probleme zu berichten.

Und wir laden die interessierte Öffentlichkeit ein, sich ein vielfältiges Bild von der Geschichte und Gegenwart Griechenlands, der deutschen Verantwortung in Folge der brutalen Besatzung von 1941 bis 1945, der weithin ausgebliebenen Wiedergutmachung und der katastrophalen Austeritätspolitik der jüngsten Vergangenheit, aber auch der Kultur, dem Engagement und der Solidaritätsarbeit zu machen.
Einwohnerverein St. Georg von 1987 e.V., im April 2018

Das Plakat befindet sich hier als Pdf-Dokument

Lieder aus dem Canto General - Unbesiegbarer Frühling
1. Mai 2018, 18 Uhr Dreieinigkeitskirche Hamburg, St. Georgs Kirchhoft
Das Plakat befindet sich hier

Buchvorstellung mit Argyris Sfountouris
Schweigen ist meine Muttersprache

Dienstag, 24. April 2018, 19:30 Uhr, k-fetisch, Wildenbruchstr. 86, 12045 Berlin

Zeit seines Lebens hat sich Argyris Sfountouris vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung für Gerechtigkeit und Humanität eingesetzt. Sein zweites Buch ”Schweigen ist meine Muttersprache” schildert durch Briefe an den Waisenjungen literarisch eindrücklich die Erfahrung eines Lebens mit dem Verlust und der Erinnerung. Zugleich gelingt es ihm, mehr als nur einen persönlichen Erfahrungsbericht vorzulegen. So enthält das Buch zahlreiche reflexive Texte zur besonderen Rolle der Opfer von rassistischen Verbrechen für die gegenwärtige politische Arbeit und anderen Themen.
Weitere Informationen befinden sich hier

Anlässlich der Präsentation des neuen
Online-Zeitzeugenarchivs:
Erinnerung an die ausstehende Entschädigung der Opfer der Okkupation in Griechenland

Montag, 23. April 2018 15:00 Uhr
Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Vorstellung des neuen digitalen Zeitzeugenarchiv
”Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland”

Ganz sicher ist das Erinnern an nationalsozialistische Verbrechen notwendig. Genauso notwendig ist jedoch die Bestrafung der NS-Täter sowie die Entschädigung aller NS-Opfer. Für eine strafrechtliche Verfolgung der Täter ist es nach ihrem Tod allerdings zu spät.

An 10. Juni 1944 überfiel eine der Wehrmacht zugeordnete Einheit der SS das griechische Dorf Distomo und ermordete 218 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Täter wurden nie bestraft. Die Opfer und ihre Angehörigen haben bis heute vom deutschen Staat keine Entschädigung erhalten. Argyris Sfountouris hat den 10. Juni 1944 in Distomo erlebt, überlebt und erinnert uns an all dies.

Doch warum erhalten die NS-Opfer und ihre Hinterbliebenen 74 Jahre nach dem Massaker immer noch keine Entschädigung? Weil dies der erklärte Wille der Bundesregierung ist und bleibt. Die Rechtsabteilung des Auswärtigen Amts war und ist dabei der Motor für das Hintertreiben jeglicher Zahlung.
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6.-8. April 2018
Koloniales Vergessen: Quo vadis, Hamburg?
2. Transnationaler Herero und Nama Kongress

6. April (Freitag) 10.00 Uhr Podium 1 MS STUBNITZ (Kirchenpauerkai 26)
7. April (Samstag) 10:30 Uhr Podium 2 Universität Hamburg
(Edmund-Siemers-Allee Hauptgebäude)


it cannot be about us without us
Erinnerungsprotest

8. April 2018 14:00 Uhr
Hauptkirche St. Michaelis, Englische Planke 1, 20459 Hamburg

Der Genozid an den Ovaherero und Nama und die Hamburger Kolonialgeschichte

Die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe Hamburgs nimmt an Fahrt auf. Die Hamburger Rassismus-Geschichte reicht vom transatlantischen Handel mit versklavten Menschen, über die zentrale Rolle im deutschen Kolonialreich, bis in die Gegenwart hinein. Dabei wiegt die zentrale Bedeutung der Hafenstadt im Kontext des Genozids an den Ovaherero und Nama in Namibia zwischen 1904 und 1908 besonders schwer.
Welche Rolle hat Hamburg beim ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gespielt? Welche Spuren im Stadtraum glorifizieren Kolonialismus und Völkermord und was passiert mit den erinnerungspolitischen Leerstellen?
Nach dem ersten Kongress in Berlin im Oktober 2016, sind die Vertreter*innen der Ovaherero und Nama erstmalig in Hamburg zu Gast, um diese und andere Fragen gemeinsam zu beleuchten.
Der Kongress wird in deutscher und englischer Sprache abgehalten.

Veranstalter*innen: Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. und Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg sowie in Kooperation mit: Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL, Afrikanisches Bildungszentrum e.V., Ovaherero Genocide Foundation, Nama Genocide Technical Committee, Ovaherero, Mbanderu and Nama Genocides Institute und Berlin Postkolonial e.V.

Um uns die Planung etwas zu erleichtern, schreib uns doch vorher kurz eine E-Mail. Eine vorherige Anmeldung zur Teilnahme an dem Kongress ist aber nicht zwingend erforderlich.
Email: quovadishamburg[at]outlook.com

Alle Infos unter http://www.colonial-amnesia-quovadishh.eu/

Der Aufruf für den Kongress als Pdf-Dokument in deutsch und englisch befindet sich hier
Der Aufruf für den Erinnerungsprotest als Pdf-Dokument in deutsch und englisch befindet sich hier

Stellungnahme:
Gegen jeden Nationalismus - für antifaschistische Solidarität!

1. März 2018

Seit vielen Jahren engagieren wir uns für die Entschädigung der Opfer der Naziverbrechen in Griechenland. Wir unterstützen aber auch die Forderung nach Reparationen und Rückzahlung der Zwangsanleihe, die Nazideutschland dem griechischen Staat während der deutschen Besatzung abgepresst hatte. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden aus Griechenland und Deutschland streiten wir für dieses Ziel. Deutschland muss seine Schulden gegenüber den Menschen in Griechenland anerkennen und bezahlen! Dies ist für uns eine zwingende Lehre aus der Geschichte. Die Verbrechen Nazideutschlands müssen zu Konsequenzen führen, sonst droht eine Wiederholung.

Mit großer Sorge beobachten wir das Erstarken rechter bis faschistischer Bewegungen und Parteien in ganz Europa und darüber hinaus. Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie breiten sich überall aus, in Polen und Ungarn regieren die Rechten bereits, ebenso in Österreich. In Deutschland hat sich mit der AFD eine rechte Partei etabliert, deren Nähe zum Nationalsozialismus immer deutlicher wird. In Griechenland treibt die ”Goldene Morgenröte” ihr Unwesen, eine Partei, die sich unverhohlen in der Tradition der NSDAP sieht. In Thessaloniki und Athen fanden kürzlich große Demonstrationen gegen ”Makedonien” statt - unter anderem von der griechischen Rechten organisiert; auch die neonazistische oder neofaschistische Partei ”Goldene Morgenröte” war beteiligt. Besetzte Häuser und Treffpunkte von Linken in Thessaloniki wurden durch Faschisten angegriffen.

Die vollständige Stellungnahme befindet sich hier
als Pdf-Dokument in deutsch und als Pdf-Dokument in griechisch

Documenta 2017
”von Athen lernen? - an Distomo erinnern!”

Bericht von der Eröffnung am 9./10. Juni in Kassel

Am Tag der Eröffnung der Documenta 14 waren wir in Kassel, um am Tag dieses kulturellen Großereignisses die Forderung der von Deutschland bis heute verweigerten Entschädigungsansprüche für Opfer von Nazi-Kriegsverbrechen in den Fokus der öffentlichen Debatte zu rücken. Hierfür bietet die Documenta 14, die unter dem Motto ”von Athen lernen” genügend Anknüpfungspunkte. So fiel der Tag der Eröffnung auf den wichtigsten Gedenktag an die Opfer der Naziherrschaft in Griechenland, dem Jahrestag des Massakers von Distomo. Gleichtzeitig ist der 10. Juni auch Gedenktag an die Massaker in Lidice und Oradour.

Den Bock zum Gärtner gemacht: Entschädigungsverweigerer eröffnete Documenta

Die Eröffnungsrede hielt der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Kunstwerk ”die Blutmühle”, welche er - gelernt ist gelernt - zuvor feierlich gedreht hatte. In gewohnt schwülstigen Worten beschwor Steinmeier den deutsch-griechischen Dialog, der dazu diene ”Gemeinsamkeiten zu finden”. Im Hinblick auf ein zukünftiges friedliches Miteinander scheint es uns jedoch angebracht, auf die Unterschiede zwischen Deutschland und Griechenland hinzuweisen: Griechenland hat Reparationsansprüche, während Deutschland Reparationsschulden hat. In Griechenland sind in Folge der Besatzung mindestens 30.000 Zivilisten im Rahmen der ”Bandenbekämpfung” ermordet worden, wohingegen zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte deutsche Zivilisten von griechischen Soldaten ermordet wurden. 58.000 griechische Jüdinnen und Juden wurden deportiert und ermordet - Auschwitz wurde von Deutschen gebaut.

Der vollständige Bericht befindet sich hier als Pdf-Dokument

Documenta 2017
”von Athen lernen? - an Distomo erinnern!”
Zur Eröffnung am 9./10. Juni in Kassel


Zu den folgenden gemeinsamen Aktivitäten laden wir ein:

9. Juni 2017, 19 Uhr (Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Straße 74, 34127 Kassel)
Filmvorführung ”EIN LIED FÜR ARGYRIS”
Vom Leben und Kampf des Argyris Sfountouris, der das Massaker am 10. Juni 1944 als knapp 4-Jähriger überlebte und heute seinen Entschädigungsanspruch vollstreckt. Argyris Sfountouris wird anwesend sein und nach der Vorführung mit uns sprechen.

10. Juni 2017, 10 Uhr Opernplatz Kassel
KUNDGEBUNG IN GEDENKEN AN DIE OPFER DES SS-MASSAKERS VON DISTOMO

Es spricht Argyris Sfountouris.
Das THEATERPROJEKT DISTOMO aus Berlin präsentiert Teile ihres dokumentarischen Theaterstücks über das Massaker von Distomo.

10. Juni 2017, 18:30 - 19:30 Uhr, ”Parlament der Körper” im Rahmen der documenta
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, Kassel
Arbeitskreis Distomo mit Argyris N. Sfountouris und Margarita Tsomou
http://www.documenta14.de/de/calendar/22532/arbeitskreis-distomo

Am 10. Juni 2017 öffnet die 14. documenta in Kassel ihre Pforten. Begonnen hat sie am 8. April in Athen. Das Motto dieser weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst lautet ”Von Athen lernen”. Doch was heißt das? Der künstlerische Leiter der documenta, Adam Szymczyk, will von Athen lernen, weil es die ”globale Situation und die ökonomischen, politischen, sozialen Dilemmata Europas verkörpert”. Diese ”Dilemmata” haben eine Geschichte, die sich bis heute fortsetzt.

Der 10. Juni ist in Griechenland der wichtigste Gedenktag an die Opfer der Naziherrschaft. Für uns - dem AK Distomo aus Hamburg, der Gruppe ”Deutschlands unbeglichene Schulden” aus Berlin und der Kassler Griechenland-Solidaritätsgruppe - ist dieser Tag Anlass zu kulturpolitischer Intervention am Tag der Eröffnung der documenta in Kassel.

Die Ankündigung als Pdf-Dokument und in griechischer Sprache als Pdf-Dokument (griechisch)

Veranstaltung des AK-Distomo im Rahmen des Jour Fixe Gewerkschaftslinke HH

Mittwoch, 1. März 2017, 18.30 Uhr
Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15, Hamburg

Ich bleibe immer der vierjährige Junge von damals
Das SS-Massaker von Distomo und der Kampf eines Überlebenden um Gerechtigkeit

- Argyris Sfountouris berichtet über seinen Kampf um Gerechtigkeit
- Patric Seibel trägt Auszüge aus seiner Biografie über Argyris Sfountouris vor
- Vertreter_innen des AK Distomo berichten über den Stand der politischen und juristischen Auseinandersetzung in der Entschädigungsfrage. (Der AK Distomo setzt sich seit vielen Jahren für die Entschädigung von NS-Opfern ein)
- Anschließend Diskussion



Argyris Sfountouris war noch nicht vier Jahre alt, als deutsche Soldaten während der Besatzung Griechenlands am 10. Juni 1944 in seinem Heimatdorf Distomo seine Eltern und 216 andere Dorfbewohner jeden Alters und Geschlechts grauenhaft hinmetzelten. Er hatte großes Glück, dass er überlebte.

Der Hamburger Autor Patric Seibel hat eine Biografie über Argyris Sfountouris verfasst, die im Oktober 2016 im Westendverlag unter dem Titel ”Ich bleibe immer der vierjährige Junge von damals” erschienen ist. Patric Seibel zeichnet darin ein einfühlsames Portrait eines vielschichtigen Lebens. Argyris wird nach dem Krieg getrennt von seinen Schwestern, überlebt zunächst in Waisenhäusern in Griechenland und gelangt schließlich in die Schweiz, wo er in einem Kinderdorf für Kriegswaisen aus ganz Europa aufwächst. Er studiert, wird Physiker, Lehrer, Entwicklungshelfer, Übersetzer und Autor. Argyris kämpft Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre von der Schweiz aus gegen die Militärdiktatur in Griechenland.

Argyris Sfountouris ist unter anderem durch den Dokumentarfilm ”Ein Lied für Argyris” von Stefan Haupt sowie durch einen Auftritt in der am 31. März 2015 im ZDF ausgestrahlten Satiresendung ”Die Anstalt” zu einer international bekannten Persönlichkeit geworden. Zuletzt erschien sein Buch ”Schweigen ist meine Muttersprache: Griechenland - seine Dichter, seine Zeitgeschichte.”

Immer wieder geht es ihm um Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen von Distomo und um das Einfordern deutscher Verantwortung. Argyris Sfountouris kämpft für eine wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung und für die Aufarbeitung deutscher Kriegsverbrechen in Griechenland. Seit über 20 Jahren setzt er sich für eine Entschädigung der Opfer ein. Er klagte gemeinsam mit vielen Menschen aus Distomo vor Gerichten in Deutschland und in Griechenland auf Entschädigungszahlungen. Mit der deutschen Verweigerungshaltung in dieser Frage findet er sich bis heute nicht ab.

Unterstützer: GEW Hamburg, ver.di (Ortsverein Hamburg, Fachbereich 08), Westendverlag

Die Ankündigung als Pdf-Dokument

1. Februar 2017, 20:00 Uhr, Polittbüro (Steindamm 45, 20099 Hamburg)
Hamburgpremiere

Distomo Unbeglichene Schuld(en)

Am 10. Juni 1944 überfällt eine deutsche SS-Einheit das griechische Dorf Distomo und ermordet 218 Dorfbewohner*innen. Die Täter werden strafrechtlich nie verfolgt, die umgerechnet 28 Millionen Euro an eingeklagten Entschädigungsansprüchen nie gezahlt.

Das Stück spannt den Bogen vom historischen Ereignis des Überfalls durch die SS, über die hartnäckigen Zahlungsverweigerungen seitens Deutschlands bis zu den juristischen Kämpfen der Überlebenden.

Verwendet werden Dokumente, die Zeugnis über die SS- und Wehrmachtsverbrechen in Griechenland ablegen, Auskunft über deutsche Politik in Entschädigungsfragen geben und den Verlauf der langwierigen Prozesse der Entschädigungskläger*innen nachvollziehbar machen. Thematisiert wird außerdem der Umgang Deutschlands mit den Tätern, die ohne Furcht vor Strafverfolgung leben konnten und sich bis in die 1980er Jahre ungehindert öffentlich versammeln durften.

Das Theaterstück richtet sich gegen diese Abwehrstrategien, erinnert an die Opfer deutscher NS-Massaker und solidarisiert sich mit den finanziellen und politischen Forderungen der Überlebenden.

Die Ankündigung als Pdf-Dokument

Freitag 9.12.2016: Hamburg, um 19.00 im Buttclub, Hafenstrasse 126

Das beste Hotel Europas auf Tour

Das City Plaza liegt mitten in der Innenstadt von Athen, im April 2016 wurde das leerstehende Hotel von einer AktivistInnengruppe besetzt. Seitdem wird der alltägliche Betrieb von solidarischern UnterstützerInnen gemeinsam mit den dort wohnenden Geflüchteten organisiert. Die 400 neuen Gäste, darunter 180 Kinder, kommen aus aller Welt: aus Syrien, Rojava, Irak, Pakistan, Iran und Afghanistan. Im City Plaza finden sie einen Platz, der ihnen Privatsphäre, ein Wohnen in Sicherheit und Würde ermöglicht. ”Wir leben zusammen, wir kämpfen zusammen, Solidarität wird gewinnen” lautet ihr Motto. Das Hotel demonstriert jeden Tag aufs Neue, dass es selbst in Zeiten von Krise und Armut möglich ist, Menschen willkommen zu heißen und würdige Lebensbedingungen für Alle zu schaffen. City Plaza ist ein politisches Beispiel: es ist ein Ort der Gleichheit und Solidarität, das gelebte Gegenteil zur Festung Europa und ihren schändlichen Grenzen. Das City Plaza Hotel ist ein Symbol der Hoffnung.

Auf den Veranstaltungen wollen wir zuhören und diskutieren:
  • Was können wir lernen aus den alltäglichen Herausforderungen eines Rasthauses, das 400 Frauen, Männern und Kindern Zuflucht bietet, einer Notgemeinschaft in einem besetzten Gebäude?
  • Wie entwickeln sich Selbstorganisierungsprozesse im Transit und darüber hinaus, und wie können diese aus den transnationalen Netzwerken der Solidarität unterstützt werden?
  • Wie können Räume wie das City Plaza genutzt werden, um Verbindungen zu anderen sozialen Kämpfen für gleiche Rechte herzustellen? Und Zugang zu Wohnung, Bildung, Gesundheit fordern?
  • Haben wir bereits begonnen, eine ”Underground Railroad” für Bewegungsfreiheit aufzubauen? Brauchen wir mehr Zufluchtsräume und perspektivisch Zufluchtsstädte (”Sanctuary Cities”) entlang der Migrationsrouten als praktische Gegenpole zum rassistisch repressiven Mainstream?
Die Gäste:
Zwei bis drei FreundInnen aus Athen werden zur Tour kommen. Sie gehören zum Komitee des City Plaza, das seit sechs Monaten dort den Alltag organisiert.
Es werden sich FreundInnen an den verschiedenen Veranstaltungen beteiligen, die zunächst Zuflucht im City Plaza und mittlerweile ihren Weg nach Deutschland oder in die Schweiz gefunden haben.
FreundInnen der Netzwerke Welcome to Europe und/oder Welcome2Stay, die das City Plaza bei Besuchen und von ausserhalb unterstützt haben, werden sie bei der Tour begleiten.

http://solidarity2refugees.gr/
http://europas-bestes-hotel.eu

Das Beste Hotel Europas auf Tour im November 2016
Dienstag, 22.11.: Frankfurt/Main, um 19.00 im Cafe Exzeß, Leipziger Strasse 91, Theaterhalle;
Mittwoch, 23.11.: Freiburg, um 20.00 im Theater, Bertholdstrasse 46, Winterer Foyer;
Donnerstag, 24.11.: Bern, um 19.30 im Casa d'Italia, Bühlstrasse 57;
Freitag, 25.11.: Zürich, um 19.30 in der Autonomen Schule, Sihlquai 125;
Samstag, 26.11.: Augsburg, um 18.00 im Grandhotel Cosmopolis, Springergässchen 5;
Sonntag 27.11.: München, um 18.00 im Bellevue di Monaco, Müllerstraße 2.

http://infomobile.w2eu.net/2016/11/12/happy-birthday-city-plaza-squat/

Die Geflüchteten im Besten Hotel Europas benötigen weitere Spenden.
Spendenkonto bei medico international, Stichwort: City Plaza!
IBAN: DE21 5005 0201 0000 0018 00, BIC: HELADEF1822, Frankfurter Sparkasse

Die Veranstaltungsreihe wird von den Netzwerken Welcome2Stay, Welcome to Europe und medico international unterstützt.

Donnerstag, 17. November 2016, 19.00 Uhr
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Stauffenbergstraße 13-14, 10785 Berlin, Zweite Etage, Saal B

Der Fall Distomo
Vortrag und Diskussion mit Rechtsanwalt Martin Klingner

Das Aktive Museum und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand laden zusammen mit dem Arbeitskreis Distomo im Rahmenprogramm der Ausstellung ”VERFAHREN. Wiedergutmachung im geteilten Berlin”, die noch bis zum 18. November 2016 im Landgericht Berlin / Amtsgericht Mitte in der Littenstr. 12-17 zu sehen sein wird, herzlich ein.

Am 10. Juni 1944 wurden in der griechischen Ortschaft Distomo 218 Dorfbewohner_innen von einer SS-Polizeieinheit auf brutale Weise ermordet. Eine strafrechtliche Verfolgung dieser Mordaktion gab es nie. Eine Entschädigungsforderung von umgerechnet 28 Millionen Euro ist bis zum heutigen Tage von der Bundesrepublik Deutschland nicht beglichen worden, obwohl ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Die Zwangsvollstreckung in deutsches Staatseigentum in Griechenland scheiterte bislang am Veto des griechischen Justizministers. Die Auseinandersetzung dauert seit mittlerweile 21 Jahren an, ein Ende ist noch nicht absehbar.

Der Fall Distomo zeigt beispielhaft den Umgang der Bundesrepublik mit Entschädigungsforderungen ausländischer NS-Opfer. Für diese Verbrechen wurde an die Überlebenden und die Angehörigen der Ermordeten bis zum heutigen Tag kein Cent Entschädigung gezahlt. Rechtsanwalt Martin Klingner aus Hamburg berichtet über die politischen und rechtlichen Aspekte dieses Falles. Martin Klingner vertritt die rechtlichen Interessen der Familie Sfountouris aus Distomo und ist im Hamburger Arbeitskreis Distomo aktiv, der sich auf politischer Ebene für Entschädigung griechischer NS-Opfer einsetzt.

Die Einladung als Pdf-Dokument

Freitag, 18. November 2016, 19.00 Uhr

Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung:
Zeit des Schreckens - Kriegsverbrechen der Wehrmacht auf Kreta

Andartis - Partisan des Friedens

MedienGalerie Berlin, Dudenstraße 10, 10965 Berlin
U-Bhf Platz der Luftbrücke, Bus 104

”Andartis - so heißt das Gedenkzeichen, das die Berliner Künstlerin Karina Raeck im Ida-Gebirge zur Erinnerung an den kretischen Widerstandskampf gegen die deutsche Besatzung während des 2. Weltkrieges errichtete. Zwischen 1988 und 1991 baute sie in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Anogia aus etwa 5000 Felssteinen eine sich in die Ebene erstreckende menschliche Gestalt. Diese Landschaftsskulptur - der Partisan des Friedens - wurde als Symbol deutsch-griechischer Versöhnung unter Beteiligung der kretischen Bevölkerung am 23. Juni 1991 auf der Nida-Hochebene feierlich eingeweiht.”
Andartis - Monument für den Frieden, Karina Raeck (Hg.), Verlag Dr. Thomas Balistier

Wir zeigen den SFB-Dokumentarfilm von Klaus Salge und Sakis Maniatis:
”Andarti - Monument für den Frieden”

Anschließend spricht Frau Prof. Dr. Stefanie Endlich.
Die Künstlerin Karina Raeck ist anwesend.

Es laden ein:
Initiative Deutschlands unbeglichene Schuld(en)
Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung e.V.
Werketage e.V.

Ausstellung vom 27. Oktober bis zum 16. Dezember
Öffnungszeiten:
montags und freitags: 14 - 16 Uhr
dienstags: 17 - 19 Uhr
donnerstags: 14 - 19 Uhr
samstags: 12 - 17 Uhr
und nach Vereinbarung: mobil 0163 796 57 19, Andreas Hesse

Die Einladung als Pdf-Dokument

An unsere Freundinnen und Freunde in Griechenland und in Deutschland

Stellungnahme zum deutsch-griechischen Zukunftsfond (DGZ)

14. Oktober 2016

Auch in diesem Jahr war der AK Distomo anlässlich des Jahrestags des Massakers in Distomo vom 10.6.1944 nach Griechenland gereist. In den zahlreichen Gesprächen, die wir in dieser Zeit geführt haben, ist uns deutlich geworden, wie präsent der deutsch-griechische Zukunftsfond vielerorts geworden ist und dass eine Debatte darüber gibt, wie dieser einzuschätzen sei. Wir möchten diese Beobachtung zum Anlass nehmen, unsere Sicht auf diese Initiative des Auswärtigen Amtes und der Bundesregierung zu erläutern. Wir beziehen uns dabei primär auf den DGZ, andere Projekte der Bundesregierung mit ähnlicher Zielrichtung sind das deutsch-griechische Jugendwerk oder die Deutsch-Griechische Versammlung.

Der DGZ ist nach Angaben der Bundesregierung eine Einrichtung, durch die eine gemeinsame deutsch-griechische Erinnerungskultur gefördert und die historische Aufarbeitung der Verbrechen während der Besatzungszeit von 1941-1944 unterstützt werden soll. Dieser Förderfonds soll über vier Jahre (2014-2017) laufen und jährlich mit 1 Mio. Euro bestückt werden. Gefördert wurden u.a. Projekte in verschiedenen Opfergemeinden wie Lechovo, Kommeno oder Kalavryta. Die Entscheidung über Vergabe der Mittel liegt dabei nicht etwa in einer gemeinsamen deutsch-griechischen Kommission, sondern allein bei dem Auswärtigen Amt bzw. dem DAAD (siehe Drucksache 18/4863:5). Der Name dieser Institution enthält also schon eine Irreführung.

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In griechischer Sprache als (pdf)

Pressemitteilung

Der Arbeitskreis Distomo begrüßt die neue griechische
Initiative zur Erzwingung deutscher Reparations- und Entschädigungszahlungen an Griechenland!

25. August 2016

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte am Dienstag, den 16.8.2016, während der Gedenkfeier für die Opfer eines Wehrmachts-Massakers in dem nordgriechischen Dorf Kommeno, Athen werde ”auf diplomatischer und falls nötig auf gerichtlicher Ebene” gegen Berlin vorgehen, sollte die Bundesregierung sich weiterhin weigern, in Reparationsverhandlungen einzutreten. Anfang September soll das griechische Parlament über einen kürzlich fertiggestellten Bericht des parlamentarischen Ausschusses für die Entschädigungsforderungen diskutieren, der die deutsche Reparationsschuld auf 269 Milliarden Euro beziffert.

Der Abschlussbericht des Ausschusses listet die bis heute offenen Ansprüche auf Reparationen und Entschädigungen auf. Demnach kann Athen ”Reparationen für materielle Kriegsschäden und beschlagnahmte Waren” beanspruchen, darüber hinaus die Rückzahlung einer Zwangsanleihe, die die deutschen Besatzer Griechenland abpressten, außerdem Entschädigungen für Opfer deutscher Kriegsverbrechen und ihre Angehörigen; nicht zuletzt wird auch ”die Rückführung Hunderter entwendeter archäologischer Artefakte” verlangt.

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Reisebericht AK Distomo 4.-12. Juni 2016

Der AK Distomo aus Hamburg nahm auch dieses Jahr am Gedenken zur Erinnerung an das Massaker vom 10. Juni 1944 teil. An diesem Tag überfiel eine Einheit der SS das griechische Dorf Distomo und ermordete 218 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Täter wurden nie bestraft. Die Opfer und ihre Angehörigen erhielten vom deutschen Staat keine Entschädigung.

Anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten um den 10. Juni reisten Vertreter_innen des AK Distomo vom 4.-12.6.2016 nach Athen und Distomo. Wie in den vergangenen Jahren haben wir Freund_innen und Genoss_innen getroffen, mit Vertreter_innen der Opferverbände sowie mit Jurist_innen und Politiker_innen gesprochen. Im Zentrum der Gespräche und Aktivitäten stand wie immer die Frage der Entschädigung für die griechischen NS-Opfer. Aber wie schon in den vergangen Jahren haben wir uns auch mit der fortbestehenden ökonomischen Krise in Griechenland und den Folgen für die Menschen sowie ganz aktuell auch mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt.

Der gesamte Reisebericht befindet sich hier (pdf).

Pressemitteilung 3. Juni 2016

AK Distomo beteiligt sich an den Gedenkfeiern zum 72. Jahrestag des Massakers von Distomo am 10. Juni 2016

In der Zeit vom 4. bis 12. Juni 2016 wird der AK Distomo nach Griechenland reisen, um für die Entschädigungsforderungen aller griechischen NS-Opfer gegenüber Deutschland einzutreten.

Am 10. Juni 1944 wurden in der griechischen Ortschaft Distomo 218 Dorfbewohner_innen von einer SS-Polizeieinheit regelrecht abgeschlachtet. Eine strafrechtliche Verfolgung der Mordaktion gab es nie.

Deutschland schuldet den Opfern und Überlebenden Entschädigung für die während der Besatzung begangenen NS-Massaker, denen mindestens 30.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Es wurde gemordet, ganze Ortschaften wurden zerstört und tausende von Existenzen vernichtet. Für diese Verbrechen wurde an die Überlebenden und die Angehörigen der Ermordeten bis zum heutigen Tag kein Cent Entschädigung gezahlt.

Der AK Distomo wird auch dieses Jahr an den Gedenkfeierlichkeiten zum 72. Jahrestag des Massakers von Distomo teilnehmen. Die Entschädigungssumme von umgerechnet 28 Millionen Euro, die seit dem Urteil des höchsten griechischen Gerichts, dem Areopag, aus dem Jahre 2000 rechtskräftig ist, ist bis zum heutigen Tage von der Bundesrepublik Deutschland nicht beglichen worden. Der AK Distomo fördert die sofortige Zahlung an die Überlebenden und Angehörigen des Massakers von Distomo.

Deutschland weigert sich auch, Forderungen der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki zu erfüllen. Diese erhebt gemeinsam mit der Initiative ”Zug der Erinnerung” die Forderung gegen die Deutsche Bahn AG und ihre Eigentümerin (die Bundesrepublik Deutschland), die von den Opfern erpressten Fahrtkosten für die Massendeportationen aus Griechenland nach Auschwitz und Treblinka in vollem Umfang unverzüglich an die Jüdische Gemeinde von Thessaloniki zurückzuerstatten. Die Deutsche Bahn AG und die deutsche Regierung lehnen auch in diesem Fall jede Verantwortung und jede Haftung ab.

Die deutsche Regierung hat, anstatt die Forderungen der Opfer zu erfüllen, mehrere Institutionen (u.a. das ”Deutsch-Griechische Jugendwerk” und den ”Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds”) gegründet, die ein durchschaubares Ziel haben: mit der Arbeit in diesen Vereinigungen soll gegenüber Funktionsträgern der griechischen Kommunen und der Bevölkerung suggeriert werden, dass Deutschland sich für die deutsch-griechische Völkerfreundschaft einsetzt und dafür viel Geld aufwendet. Es soll die Botschaft transportiert werden, dass Deutschland sich nach Kräften um die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen bemühe, es aber mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg für Entschädigungsforderungen aus Griechenland keine Berechtigung mehr gebe. Es ist ein scheinheiliges Engagement, dass in Wirklichkeit dazu dient, sich aus der geschichtlichen und finanziellen Verantwortung zu stehlen, um die Entschädigung auch weiter zu verweigern.

Der AK Distomo lehnt diese Initiativen strikt ab und fordert:
Sofortige Entschädigung aller Opfer des Nationalsozialismus!
Nazi-Verbrechen nicht vergeben, den antifaschistischen Widerstand nicht vergessen!
Gemeinsamer Kampf gegen den wiedererstarkenden Faschismus in Europa!

Pressemitteilung auf Griechisch (pdf).
Flyer AK Distomo auf Deutsch (pdf).
Flyer AK Distomo auf Griechisch (pdf).
Flyer AK Distomo auf Englisch (pdf)

Buchpremiere: Nina Schulz / Elisabeth Mena Urbitsch

Spiel auf Zeit. NS-Verfolgte & ihre Kämpfe um Anerkennung & Entschädigung

26. Mai 2016, 19:30 - 22:00 Uhr
FABRIQUE im Gängeviertel, Valentinskamp 34a, Hamburg

Eine Buchpremiere der besonderen Art: Als Verlag Assoziation A freuen wir uns, im Gängeviertel einen Titel vorstellen zu können, der sicher zu den besten Büchern zählt, die wir in den letzten Jahren veröffentlicht haben. Die preisgekrönten Reportagen des Hamburger Autorinnen-Duos Nina Schulz & Mena Urbitsch verleihen in dem Buch ”Spiel auf Zeit” in außergewöhnlich einfühlsamen und prägnanten Porträts NS-Verfolgten Stimme und Gesicht, die Gruppen angehören, die bislang zumeist nicht entschädigt wurden.

Die Politik der Bundesrepublik gilt in der öffentlichen Wahrnehmung weltweit als Modell einer gelungenen Entschädigung für die Opfer von Kriegsverbrechen und Verfolgung. Das Buch belegt an zahlreichen Beispielen, dass die sogenannte Wiedergutmachung mehr einem Mythos als einem Modell gleicht.

Mehr zum Buch http://www.assoziation-a.de/buch/Spiel_auf_Zeit
Link zur Buchprämiere im Programm des Gängeviertels hier

Zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls der Wehrmacht auf Kreta

”Als die Deutschen vom Himmel fielen”

Filmvorführung
Samstag, 21. Mai 2016, im Hamburger Gewerkschaftshaus
(Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg)
Beginn 19:00

Anlässlich des 75. Jahrestages des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta zeigt die IG Metall Jugend Hamburg in Zusammenarbeit mit dem AK Distomo Olga Schells Film ”Als die Deutschen vom Himmel fielen” (D, 2008, 81 min).

Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer.

Doch die Erzählungen offenbaren auch die Konflikte, die sich während der Besatzungszeit innerhalb des Widerstandes an der Frage der politischen Zukunft des Landes entzündeten und unter Einflußnahme der Alliierten und der deutschen Truppen im Bürgerkrieg mündeten.

Den Erzählungen der griechischen Protagonisten folgend greift der Film eine weitere Spur auf. An 1941 errichteten Ehrenmälern pflegen Wehrmachtsveteranen im Schulterschluss mit Bundeswehrsoldaten ihre Geschichtsschreibung: Es ist der Mythos von mutigen und opferbereiten Soldaten, die der Pflicht der Vaterlandsverteidigung gefolgt seien.

Passend zum Film werden zusätzlich Videoaufnahmen des Zeitzeugengesprächs mit Nikalaos Marinakis, aufgenommen am 14. Mai 2016 in Bad Reichenhall (https://badreichenhall.tk) gezeigt. Nikalaos Marinakis ist Überlebender des Wehrmachtsmassakers von Skines. Am 1. August 1941 wurden bei Alikanos vom damals in Bad Reichenhall stationierten Gebirgsjägerregiment 100 als Vergeltungsaktion die Dörfer Skines und Kydonia angezündet und 147, nach anderen Quellen 146, Menschen ermordet, darunter auch Familienangehörige, Freunde und Nachbarn von Nikalaos. Der heute 92 jährige überlebte das Massaker und kämpfte als Partisan in EPON und ELAS gegen die deutsche Besetzung von Kreta.

Kriegsverbrechen benennen!
NS-Opfer entschädigen!
Rechte Traditionspflege angreifen!

Pressemitteilung, Samstag, 16. Mai 2016, Bad Reichenhall

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

”Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.”
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1. August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem?

Daran knüpfte Rechtsanwalt Martin Klingner vom AK Distomo an und legte dar, dass höchstrichterliche Urteile griechischer Gerichte zu Individualansprüchen existieren, aber nicht gegen die Bundesrepublik vollstreckt werden. Aristomenis Syngelakis verlas Grußworte der Widerstandsikone Manolis Glezos, der einst die Hakenkreuzfahne von der Akropolis riss und für Syriza zeitweilig im Europäischen Parlament saß. Er schilderte, dass ein Großteil seiner Familie in Vianos durch die Nazis ausgelöscht wurde und welche ökonomische Katastrophe die Zerstörungen anrichteten.

Link zur vollständigen Pressemitteilung

Ausstellung und Programm zur Ausstellung

”Griechenland unter dem Hakenkreuz” -
”Griechenland unter der Troika”

vom 18. 04. 2016 bis 15. 05. 2016
werktags von 10:00 - 17:00 & nach Vereinbarung
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Griechenland ein Seismograf geopolitischer Entwicklungen. Wünsche und Trauma liegen doch hier eng beieinander. Gezeigt werden unter dem Titel ”Griechenland und die EU-Schuldenkrise” Karikaturen von dem Zeichner Klaus Stuntman mit Texten des Journalisten Harald Schuhmann (Tagesspiegel). Treffliche Analysen zu der ”aktuellen neoliberalen Krise” trifft auf die spitze Feder des Karikaturisten. Zusammen mit Arpad Bondy hat Schuhmann den Dok-Film ”Macht ohne Kontrolle- Die Troika” gedreht. Am Dienstag den 17.05.16 wird der Film gezeigt.

Als Programm zur Ausstellung finden die folgenden Veranstaltungen statt:

Samstag, 07. 05. um 19:00, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Robert-Havemann-Saal)
Ein Lied für Argyris
Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Stefan Haupt (2006)
Weitere Informationen befinden sich hier

Dienstag, 17. 05. um 19:00, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Robert-Havemann-Saal)
Macht ohne Kontrolle - Die Troika
Ein Film von Harald Schumann und Arpad Bondy
Weitere Informationen befinden sich hier

Freitag, 20. 05. um 19:00, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Robert-Havemann-Saal)
Der Überfall der Wehrmacht auf Kreta 1941 (75. Jahrestag)
Vortrag von Dr. Martin Seckendorf, Historiker und Mitglied der Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung e.V., Kurator der Ausstellung ”Griechenland unter dem Hakenkreuz”
Gast: Ioannis Stathas, Ex-Abgeordneter, Mitglied des Ausschusses für die Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland, aus Distomo
Weitere Informationen befinden sich hier

Di, 24. 05. um 19:00, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Robert-Havemann-Saal)
Als die Deutschen vom Himmel fielen
Fimvorführung mit Diskussion
Ein Film von Olga Schnell von 2008 (die Filmemacherin wird anwesend sein)
Moderation: Lothar Eberhardt (Berliner Initiative Griechenland unter dem Hakenkreuz)
Weitere Informationen befinden sich hier

Mehr zu Ausstellung und Programm oder das Program als pdf.

Samstag, 14. Mai 2016 - Bad Reichenhall

Euer Verdrängen kotzt uns an!
Hearing (12:00 Uhr) und Demonstration (17:00 Uhr)

NS-Verbrechen benennen!
Opfer entschädigen!
Rechte Traditionspflege angreifen!

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. ”Gebirgsjäger” aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Zum 75. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta wollen wir in Bad Reichenhall - einem Ort, an dem bis heute dieser faschistische Angriffskrieg mit all seinen Verbrechen glorifiziert wird - Opfern eine Stimme gegeben.

Am Samstag, den 14. Mai, werden wir in Bad Reichenhall ein Hearing unter dem Motto ”Die Verbrechen der Gebirgsjäger auf Kreta” durchführen. Teilnehmer des Hearings sind:
  • der Historiker Ralph Klein
  • Aristomenis Syngalakis, Sprecher der Nationalrats für Entschädigungsforderungen
  • Nikalaos Marinakis, dessen Familie 1941 von Bad Reichenhaller Gebirgsjägern beim Massaker von Skines ermordet wurde. Er kämpfte in der EPON und später in der ELAS gegen die deutschen Besatzer. Der Besuch Nikalaos Marinakis in der Stadt der Mörder von Skines setzt ein starkes Zeichen, um das ewige Verschweigen von Nazi-Kriegsverbrechen in Deutschland zu durchbrechen.
  • Martin Klinger, Anwalt der Familie Sfounturis und Mitglied des AK-Distomo
Weitere Informationen befinden sich hier
Der Aufruf auf Griechisch befindet sich hier

Hagen Fleischer, Karl Heinz Roth und Christoph Schminck-Gustavus

Die Opfer und nicht die Täter sollen in der Bringschuld sein?

Zur Medienkampagne gegen die griechischen Reparationsansprüche
aus dem Zweiten Weltkrieg

Seit Mitte Februar 2016 erschienen in führenden deutschen Medien (Die Welt, Der Spiegel, Focus) Artikel, deren Autoren unter Verweis auf einen ”Experten” die griechischen Ansprüche zur Entschädigung der von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs verursachten Massenmorde und Zerstörungen nicht nur bezweifeln, sondern darüber hinaus eine abenteuerliche Gegenrechnung aufmachen: ”Neuesten Erkenntnissen zufolge” sei nämlich Griechenland Deutschland gegenüber in der Schuld. Dabei berufen sich die Flaggschiffe des journalistischen Mainstreams jeweils auf die gleiche Quelle: einen von dem pensionierten Mannheimer Zeithistoriker Prof. Heinz A. Richter angekündigten Aufsatz. Diesem wird ein neuer Stellenwert zugeschrieben, seitdem der als ”äußerst nüchtern, sachlich” und ”gewissenhaft” gepriesene Autor ”kürzlich” (6. 11. 2015) vor Beamten des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zu dieser Fragestellung referiert hat, wobei unklar ist, von welcher Seite diese Initiative ausging. Mittlerweile wurde allerdings die verschiedentlich kolportierte Behauptung, Minister Wolfgang Schäuble persönlich sei anwesend gewesen, von seinem Büro dementiert.

Der vollständige Text befindet sich hier (pdf).

Mittwoch, 9. März 2016, 20:15 Uhr
Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover

Film und Gespräch

Ein Lied für Argyris

mit Regisseur Stefan Haupt und Argyris Sfountouris

Kooperationsveranstaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen mit der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Hannover e.V. und dem Apollo-Kino

Argyris Sfountouris, der Protagonist des Dokumentarfilms "Ein Lied für Argyris", überlebte 1944 als Dreijähriger ein Massaker der SS in dem griechischen Dorf Distomo.

Stefan Haupt zeichnet Argyris Geschichte nach: Waisenhaus in Athen, Kinderdorf in der Schweiz, Studium an der ETH Zürich, Übersetzer (Kazantzakis), Entwicklungshelfer (u.a. in Somalia) – und Engagement bei einer Sammelklage um Entschädigung.

"Argyris Sfountouris hat sich sein Leben lang mit dem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist [und versucht] sein Möglichstes zu tun, damit sein Schicksal sich nicht wiederholt." (DVD-Cover)

Publikumspreis beim Thessaloniki Documentary Film Festival 2007.

Das Programm für Gespräch und Film befindet sich hier (pdf).

Donnerstag, 4. Februar, 19:30
Ort: Barmbek Basch, Wohldorfer Str. 30, 22081 Hamburg

Im Rahmen der Woche des Gedenkens - Auschwitz darf niemals in Vergessenheit geraten

Der Fall Distomo – die verweigerte Entschädigung für ein NS-Verbrechen

Am 10. Juni 1944 wurde fast die Hälfte der damals ca. 500 Einwohner Distomos – 218 Männer, Frauen und Kinder – von Einheiten der deutschen SS-Truppen ermordet. Distomo ist nur eines von Hunderten deutscher Massaker allein in Griechenland und ein exemplarisches Beispiel für den Umgang der Bundesrepublik Deutschland mit einem NS-Verbrechen. An ihm zeigen sich alle Momente typisch deutscher� "Vergangenheitsbewältigung": Beschweigen, Leugnen, aktiver Täterschutz und Hintertreiben der Vollstreckung rechtskräftiger Urteile zur Zahlung der individuellen Entschädigungen.

Das Wiedererstarken des Faschismus ist eine Folge der Tatsache, dass nie wirklich mit den deutschen NS-Verbrechen abgerechnet wurde. Faschismus wurde und wird als Meinung verniedlicht und akzeptiert und ist doch die Überzeugung von Mördern. Vor diesem Hintergrund gebietet nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch die "Ökologie der Ethik" (Argyris Sfountouris), dass Deutschland sich der Wahrheit, der eigenen Verantwortung und den Forderungen der Opfer stellt.

Der Arbeitskreis Distomo kämpft seit 2001 für die Entschädigung aller NS-Opfer. Auf der Veranstaltung wollen wir über Distomo und aktuelle Entwicklungen mit Ihnen ins Gespräch kommen.

VeranstalterInnen: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Hamburg Nord und AK Distomo

Weitere Informationen befinden sich hier das Programm als Pdf-Datei hier.

Kundgebung am 23. Januar 2016 (Sonnabend) um 11.00 Uhr
Neue Wache - Unter den Linden 4 - 10117 Berlin

Deutsche Schulden müssen bezahlt werden: NS-Opfer entschädigen!

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Befreit wurden etwa 7600 zurückgelassene Menschen, die krank und schwach waren und von der SS nicht auf den sogenannten Evakuierungsmarsch, ein Todesmarsch Richtung Westen, getrieben worden waren. Wie kein anderer Ort wurde Auschwitz zum Sinnbild für die Verbrechen der Nationalsozialististen gegen Juden, gegen Sinti und Roma und gegen andere Bevölkerungsgruppen im Deutschen Reich und in den besetzten Ländern. Seit 1996 ist der 27. Januar ein bundesweiter gesetzlich verankerter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 wird der Tag auch international begangen. Deutschland führte den Gedenktag ein, als es 50 Jahre nach Ende von Krieg und Holocaust einen geschichtspolitischen Strategiewechsel vornahm: Nicht mehr das Verdrängen der Verbrechen, sondern das Bekenntnis dazu sollte ein positives Selbstbild schaffen. Auch dieses Jahr wird das offizielle Deutschland den Gedenktag wieder dazu nutzen, um sich als Land, das aus seiner Vergangenheit gelernt und sich grundlegend verändert habe, in Szene zu setzen. Doch die Tatsachen sprechen gegen diese Deutung.

Die Neue Wache als Symbol deutscher Geschichtspolitik

Kein Ort in Deutschland symbolisiert in besserer Weise den Umgang mit der deutschen Geschichte als die Neue Wache in Berlin. Diese dient seit 1993 als nationale Gedenkstätte. Die Vorgabe für die Geschichtsdeutung durch die Bundesrepublik liefert der Schriftzug unter der Pieta von Kollwitz "Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft". Alle waren Opfer: Diejenigen, die ermordet wurden, genau wie die Soldaten, die ihnen vielleicht als Mörder gegenüber gestanden hatten. Täter war offenbar niemand. Wenn aber alle gleich waren, dann muss anscheinend über die Verantwortung für die Mörder und ihre Taten nicht mehr gesprochen werden. So versucht sich das "wiedervereinigte" Deutschland seiner Verantwortung für die Vergangenheit zu entledigen.

Die notwendigen Konsequenzen aus den Verbrechen des Nationalsozialismus hat Deutschland dementsprechend bis heute nicht gezogen. Eine strafrechtliche Verfolgung der Täter ist weitgehend ausgeblieben. Die meisten Mörder blieben in der Bundesrepublik unbestraft und konnten ihre Karrieren ungestört fortsetzen. Auch die bundesdeutsche Entschädigungspolitik gibt wenig Anlass, auf die Aufarbeitung stolz zu sein, im Gegenteil. Die meisten Opfer deutscher NS-Verbrechen haben bis heute keinen Cent Entschädigung erhalten. Stellen sie Forderungen, werden die Überlebenden der Naziverbrechen von deutschen Regierungsvertretern gedemütigt und als Friedensstörer denunziert. Am Fall Distomo (Griechenland) wird dies wie in einem Brennglas sichtbar.

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Berlin, 22. Januar 2016, 19:00 Uhr
DGB-Gewerkschaftshaus, Keithstraße 1

Der Fall Distomo
Vortrag und Gespräch mit Argyris Sfountouris

"Die Trauer um Deutschland hat sich schon früh bei mir eingestellt, vor allem aber mit der abweisenden Haltung der deutschen Bundesbehörden aus Anlass der Friedenstagung von Delphi im Jahr 1994. Sie wollten die zur Versöhnung ausgestreckte Hand von uns Angehörigen der Opfer nicht ergreifen, in panischer Angst, dies könne ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen. Nach dem Versuch der totalen Vernichtung jeder Gewissensregung der Herzen wäre ein reuevolles Deutschland ein wahrhaft »anderes Deutschland« gewesen."
Argyris Sfountouris

Argyris Sfountouris ist einer der Überlebenden des Massakers von Wehrmacht und SS in Distomo/Griechenland 1944. Mit seinem Buch "Trauer um Deutschland" interveniert er in den selbstgefälligen deutschen Diskurs um das Erinnern an die NS-Verbrechen. Das Buch enthält eine Sammlung seiner "Reden und Aufsätze" aus den Jahren 1994 bis 2015, geschrieben für Kongresse, Manifestationen, Gedenkveranstaltungen. Die Gedenkfeiern für die Opfer des Nationalsozialismus um den 27. Januar wird das offizielle Deutschland wieder nutzen, um sich als Land in Szene zu setzen, das aus seiner Vergangenheit gelernt und sich grundlegend verändert habe. Doch gibt es mit Blick auf die Täterverfolgung und die Entschädigungspolitik wenig Anlass, auf die Aufarbeitung stolz zu sein. Am Fall Distomo wird dies wie in einem Brennglas sichtbar. Zusammen mit Argyris Sfountouris will der AK Distomo (Hamburg) deutlich machen, dass notwendige Konsequenzen aus der NS-Vergangenheit nicht gezogen wurden.

Viele Menschen kennen Argyris Sfountouris seit seinem Auftritt in der im März 2015 im ZDF ausgestrahlten Satiresendung "Die Anstalt" oder haben den Dokumentarfilm "Ein Lied für Argyris" gesehen. Er war noch nicht vier Jahre alt, als deutsche Besatzungssoldaten am 10. Juni 1944 seine Eltern und 216 andere Dorfbewohner jeden Alters und Geschlechts grauenhaft hinmetzelten. Seit seiner Jugend kämpft Argyris Sfountouris für eine wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung und die Aufarbeitung deutscher Kriegsverbrechen in Griechenland.

Der komplette Aufruf zur Veranstaltung befindet sich hier (pdf).

Die Veranstaltung wird von der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt.

Eine Besprechung des Buchs von Tina Gericke (AK Distomo) wurde in der "analyse & kritik", Nr. 611 vom 15.12.2015, veröffentlicht. Der Artikel befindet sich hier hier.