Am 25.06.2000 sind hunderte uniformierte Verbindungsstudenten, darunter auch Neofaschisten der Aachener Burschenschaft "Libertas Brünn" am Aachener Markt aufmarschiert. Anlaß war der in Aachen abgehaltene "Konvent des Cartellverbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen" (CV-Konvent) - ein bundesweites Treffen einer reaktionären Möchtegern-Elite. AntifaschistInnen kritisierten damals vor allem die mangelnde Distanz der CV-Verbindungen zu bekennenden Neofaschisten. Am Aachener Markt soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein, in deren Verlauf Uniformen und Fahnen der Verbinder durch Farbe beschädigt worden sein sollen. Den angeblich entstandenen Sachschaden gaben die Uniformträger mit 30.000 DM an.
Die Beweiserhebung lief wie gewohnt ab: Im Prinzip hatten alle sieben ZeugInnen offenbar keine oder nur wenige Erinnerungen, aber allen schien klar, daß "die Personen im Outfit der linken Szene" irgendwie die TäterInnen sein müssen. So zerplatzten dann nicht nur maximal vier geworfene Farbeier (oder Farbbeutel) in mindestens fünf verschiedenen Farben (genannt wurden blau, rot, braun, grün und grau) - auch die Haare einer vermeintlichen Täterin variierten von kurz und hell bis lang und dunkel. Die Angeklagte trägt tatsächlich im übrigen - und nicht erst zum Prozeßtermin - mittellange, rote Haare... So ging das eine ganze Zeit.
Trotz der allgemeinen Konfusion sah der Staatsanwalt 'seine' Angeklagten überführt und forderte jeweils 1600 Euro Geldstrafe! Amtsrichter Kusen ließ sich erfreulicherweise nicht auf diese Lächerlichkeit ein und sprach beide frei. Nun schaut es aus, als blieben die Studentenverbindungen auf ihren "befleckten" Uniformen und Fahnen sitzen, was wiederum hoffen läßt, daß es um braune Farbe ging, jedenfalls nichts Hübsches...
Der dritte Angeklagte war einer "Beamtenbeleidigung" mit den Worten "Das Schwein hat mir die Kontaktlinse aus dem Auge geschlagen" angeklagt, die er auch gar nicht bestritt, so daß eine Einstellung gegen eine gemeinnützige Spende möglich war.
Überhaupt nicht zur Sprache kam das brutale Vorgehen der Aachener Polizei gegen die AntifaschistInnen an besagtem Sommertag im Jahre 2000, geschweige denn daß Strafverfahren gegen die Beamten eingeleitet worden wären. Nichts anderes ist aber auch von der politischen Abteilung der Aachener Staatsanwaltschaft unter Herrn Hammerschlag zu erwarten, die zwar gerne mal wehrsporttreibende Faschisten freisprechen läßt, aber einen unermüdlichen Verfolgungswillen gegen 'Linke' an den Tag legt. Auch im vorliegenden Fall hatte die Staatsanwaltschaft bereits durch die ursprüngliche Benennung von 26 ZeugInnen (!) aus dem ganzen Bundesgebiet - für die CV-Verbindungen gehört offenbar auch die Schweiz dazu... - eine de-facto-Verurteilung durch die hohen Verfahrenskosten auch für den Fall einer Einstellung angestrebt. Im Nachhinein läßt sich nun feststellen: Schade, daß nicht alle ZeugInnen geladen worden sind. Doch auch so dürfte der Staatskasse ein größeres Loch entstanden sein.
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