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antifaschistische nachrichten aus hochschule, aachen und rest der welt

In der Kritik an von Bülow wird zu Recht darauf hingewiesen, in welch hohem Maße seine Ausführungen kompatibel für ausgesprochen rechte und auch nazistische Positionen sind. Er selbst ist aber ebenso kompatibel. In der Ausgabe Nr. 6/2002 vom 01.Februar gibt von Bülow der Naziwochenzeitung "Junge Freiheit" (JF) ein ganzseitiges Interview. Er stellt sich damit in die schlechte Tradition von Friedhelm Farthmann und Christoph Zöpel, die den eigenen VS-Berichten aus NRW zuwider den Nazis einen Persilschein ausstellten.

Von Bülow bietet den Nazis eine Breitseite an Entlastung nazistischer Positionen und Haltungen sowie einen dort sehr beliebten Antiamerikanismus. Dabei mischt er Fiktion und Wahrheit zu einem Kessel Buntes ununterscheidbarer Meinungsmache.

Es fängt ja noch ganz harmlos an mit der Beschimpfung der KPD. Da ist Beifall von vielen Seiten wahrscheinlich. Sie - die KPD - sei eigentlich ausschließlich die Erfindung diverser Dienste. ("Dadurch dass ein Großteil ihres Personals im Dienste des Verfassungsschutzes stand, übrigens auch der Geldkuriere aus Ostberlin") Dumm nur, dass der Staat dann seine tausende "Mitarbeiter" auch noch in die Adenauer-Knäste schickte, darunter viele, die bereits im KZ gesessen hatten. Von denen muss von Bülow denken, dass sie im SD oder bei der Gestapo waren.

Von Bülow findet die Entsendung von Spitzeln in Naziorganisationen falsch, weil die Skandale bei der Aufdeckung "das Bild Deutschlands in der Welt beeinträchtigen sollen" (sollen!). Was wiederum heisst, dass die Aufdeckung der Spitzeltätigkeit eine Sache von Volksschädlingen ist. Ok, das ist polemisch. Für von Bülow sind es "auswärtige Mächte", genannt werden die USA, was vom Sprachgebrauch aber auch nicht weniger der Naziideologie entlehnt ist.

Dabei ist von Bülow mit Sicherheit kein Nazi, sondern nur jemand, dessen Gedankengut soviel Übereinstimmung mit Nazis hat, dass er ihnen genau die Vorlagen liefert, die sie von ihm verlangen.

Dabei weiss von Bülow auch eine Menge richtiger Details über den Einsatz von V-Leuten (Solingen, Bad Kleinen, Celler Loch usw.). Völlig unglaubhaft aber ist seine Schlussaussage "Ich hatte keine Ahnung!" Als Staatssekretär der Bundesregierung hat er diese Dienste gut und gern instrumentalisiert, so zu seiner aktiven Zeit für die Verhängung von Berufsverbote für Kommunisten oder die, die man dafür hielt.

Von Bülow will blind sein dafür, dass Deutschland einen eigenständigen Faschismus entwickelte, der die grössten Verbrechen der Geschichte beging, dass dieser Faschismus bis heute - teils in Nischen - lebt und nicht dadurch entlastet werden kann, dass auch "Dienste" an ihnen beteiligt waren und sind. So wirken die von ihm genannten Bombenleger von Südtirol bis heute, bis in die Hermann-Niermann-Stiftung mit einem Eigenkapital von ca. 52 Millionen Euro.

Besonders dankbar dürften die Nazis der Jungen Freiheit sein, dass von Bülow die Konkurrenz von der NPD als vom Ausland gesteuert qualifiziert. "Und getrost darf mann davon ausgehen, dass obendrein noch ausländische Geheimdienste in die Verhältnisse verwickelt sind - wohl auch im Fall der NPD- weil auch fremde Mächte 'Vergnügen' an der radikalen Szene der Bundesrepublik haben." Dann schildert von Bülow richtig die Bemühungen antikommunistischer Dienste, mit der Geheimorganisation Gladio europaweit ein Untergrundnetz aus Soldaten und Nazis - wenn's nicht in eins fiel - zu knüpfen. Dass dessen Aufdeckung daran scheiterte, "weil das Amerikabild der Deutschen nicht beschädigt werden durfte", ist allerdings eine Hilfs-und Verschleierungsargumentation.

Die JF will aber reinen Tisch. Und von Bülow lässt sich dazu her, die Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Friedhöfen in Köln 1959 der Stasi anzulasten. "Sie hatte zumindest Kreisvorsitzende in der Hand..." verknüpft er mit dem Hinweis, Schmierereien seien "für einen guten Geheimdienst quasi auf Bestellung zu bekommen". Das gilt dann schon als Beweis einer These, ohne die die Nationalzeitung des Herrn Frey kaum mal eine Woche auskommen kann.

Richtig schildert von Bülow den Einfluss der NSDAP-AO mit Sitz in den USA auf die Hardcore-Naziszene. Als ob die Nazis Kühnen, Worch und Malcoci an den Strippen des Herrn Lauck gehangen hätten und damit vermindert schuldfähig seien.

Von Bülow hat den Boden unter den Füssen verloren. Mag sein, dass er einmal ein auf-rechter Sozialdemokrat war. Seine Weltverschwörungstheorien, sein "Alles ist möglich", haben Barrieren des Denkens weggespült. So endet er als Stichwortgeber von Nazis.

Von Bülow hat mit diesem Interview eine Breitseite an Thesen zum zitierenden Gebrauch durch Nazis vollbracht. Eigentlich hat er seine Aufgabe schon erfüllt. Aber die Verstrickung des Sozialdemokraten in die Naziszene wächst. Für die nächste Ausgabe ist am Ende des Interviews angekündigt: "Lesen Sie nächste Woche: Andreas von Bülow über das weltweite Hegemoniestreben der USA sowie die notwendige Abkehr und Selbstbehauptung Deutschlands"

Damit wäre er endgültig angekommen.

(VVN-BdA Aachen)