Deutsche Neonazis agitieren in den Niederlanden
Nach dem Tod des rassistischen Möchtegern-Politikers Pim Fortuyn macht die niederländische Rechte mobil. Bereits kurze Zeit nach den Schüssen auf Fortuyn randalierten Neonazis - vor allem aus der Hooligan-Szene - am niederländischen Parlament in Den Haag. Massive Drohungen wurden gegen Vertreter von Liberalen und Mitte-Parteien wie "PvdA" und "GroenLinks" ausgesprochen, die durch eine "Hetzkampagne" schuldig für den Tod Fortuyns seien. Für die kommenden Tage sind Demonstrationen "gegen linksextreme Gewalt" in Den Haag, Eindhoven und Harderwijk angekündigt - im wesentlichen ruft die neonazistische "Nederlandse Volks Unie" (NVU) zur Teilnahme von Neonazis auf. Die am 18. Mai geplante Demonstration in Harderwijk ist von der NVU angemeldet.
Die niederländischen Faschisten versuchen, aus den bewußt von der Boulevard-Presse verbreiteten Gerüchten, der mutmaßliche Mörder Fortuyns sei ein "linksradikaler Umweltaktivist" Kapital zu schlagen. Tatsache ist, daß der Festgenommene sich bis dato nicht zur Sache geäußert hat. Eine antirassistische Motivation der Tat scheint zumindest fraglich. Viele NiederländerInnen spekulieren auch über faschistische Motive: Der homosexuelle Fortuyn könnte wegen seiner sexuellen Orientierung in das Visier von "Lebensschützern" geraten sein. Zudem hatte er wenige Tage vor seinem Tod die "Legalisierung von illegalen Flüchtlingen" angeregt. Diesen Schachzug zur totalen Kontrolle über die Einwanderer - wie bereits vor zwei Jahren in Belgien praktiziert - hatten viele Neonazis mißverstanden und Fortuyn hierfür heftig attackiert.
Tatsache ist ebenfalls, daß Fortuyn auch nach seinem Tode stark polarisierende Wirkung hat: Vielen NiederländerInnen tut das Ableben dieses rassistischen Populisten nicht sonderlich leid, die übrigen sind umso erschütterter über den gewaltsamen Tod ihres Idols. Davon abgesehen, daß wohl leider ohnehin ein 'neuer Fortuyn' nachrücken wird - heiße er Le Pen, Schill, Haider, Berlusconi oder sonstwie - erscheint sehr zweifelhaft, ob die Schüsse auf Fortuyn einer antirassistischen Bewegung nutzen werden. Aktuell ist jedenfalls die (extreme) Rechte am Zug.
Diese Situation haben nun auch deutsche Neonazis erkannt. Der NPD und dem Umfeld der "Freien Kameradschaften" sind erste Stellungnahmen zu entnehmen, die nun "die Zeit für Aktion" gekommen sehen. Zu den neofaschistischen Demonstrationen in den Niederlanden werden zahlreiche deutsche Neonazis erwartet. Als "Kontakttelefon" für den geplanten Nazi-Aufmarsch in Harderwijk wird die Handy-Nummer des deutschen Neonazi-Führers Christian Malcoci angegeben. In der derzeitigen Situation könnte der Trend der deutsch-nieder- ländischen Zusammenarbeit der Nazi-Szene eine neue Qualität erhalten. Hier sind insbesondere nordrhein-westfälische AntifaschistInnen zur erhöhten Aufmerksamkeit verpflichtet.
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