"Zeckenjäger" - wie sich die Mitglieder der "Jungen Union Stolberg" hier bezeich- net haben - ist ein Begriff aus dem Jargon der neonazistischen "Anti-Antifa", die gezielt Adressen von AntifaschistInnen, GewerkschafterInnen, kritischen Journal- istInnen usw. sammelt und veröffentlicht. Immer öfter wird in dem Zusammen- hang unverhohlen zu Gewalttaten gegen die Genannten aufgerufen, vereinzelt kam es bereits zu gezielten Übergriffen.
Stolberg. Die antifaschistische Gruppe Z hat es kalt erwischt. Sie muss ihren Schaukasten an Frankental abreißen. Das Liegenschaftsamt hat den Vertrag ge- kündigt und die Gruppe aufgefordert, bis zum 30. Juni zu reagieren.
Vor ein paar Tagen erst war der Kasten zugeklebt worden. Inzwischen hat sich die Junge Union zu dem Anschlag auf fremdes Eigentum bekannt. Den jungen Christdemokraten dürfte übel aufgestoßen sein, dass in einem Aushang zwei ihrer Vorstandsmitglieder als so genannte "Zeckenjäger" betitelt wurden.
Zeckenjäger werden jene radikal gesinnten Leute genannt, die Punker verfolgen und verprügeln. Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums waren Karneval entsprechend verkleidet aufgetreten. Sie trugen weiße Overalls mit der Aufschrift "Zeckenjäger" und hatten ihre Gesichter vermummt. Nachher wurde das von der Jungen Union als Scherz verkauft. Die Gruppe Z sah das anders und prangerte die Aktion in ihrem Schaukasten an.
Erst der Anschlag, jetzt die Kündigung - Bernd Bremen von der Gruppe Z vermutet da einen Zusammenhang. "Die JU hat sicher den kurzen Dienstweg über den Bürgermeister eingeschlagen", meint Bremen.
Aus einem Schreiben der Stadt vom 19. Juni geht hervor, dass die städtischen Vertragsverhältnisse überprüft worden seien. Dabei stellte die Verwaltung fest, dass der Vertrag 1987 mit der Friedensinitiative geschlossen worden sei und nicht mit der Gruppe Z. Die überweise aber jährlich 33,31 Mark Nutzungsentschädigung. Fazit der Verwaltung: Da die Vertragspartner der Stadt eindeutig identifiziert sein müssen, wird der Vertrag mit sofortiger Wirkung annulliert wegen Fortfalls des Vertragspartners.
Bernd Bremen staunt, dass die Verwaltung den Wegfall des Vertragspartners erst sieben Jahre später bemerkt. Die Friedensinitiative hatte sich 1994 aufgelöst und - zumindest personell - zur Gruppe Z gewandelt. In vielen Belangen sei die Gruppe auch von der Stadt analog zur Friedensinitiative gesehen worden, erinnert sich Bremen.
Er widersprach also dem Liegenschaftsamt und bekam einen zweiten Brief am 25. Juni. In dem Schreiben bleibt die Stadt bei ihrer Aufforderung und ergänzt noch einen Grund: Im Rahmen der Umgestaltung der Rathausstraße würden alle Schau- kästen dort sukzessive entfernt. Davon weiß die SPD noch nichts, die ebenfalls dort eine Infotafel aufgestellt hat.
Für Bernd Bremen stinkt die Sache zum Himmel. Die Gruppe Z hat einen Rechts- anwalt eingeschaltet.
Aktuell:
Gruppe Z erfolgreich: Einstweilige Verfügung - Schaukasten-Abriss herausge- zögert
Stolberg. Mit einer einstweiligen Verfügung verhindert die Gruppe Z vorerst, dass ihr Schaukasten an Frankental bis Morgen
abgerissen werden muss.
Am Freitag erhält die Stadt einen entsprechenden Bescheid. Ziel der Aktion war, die fristlose Kündigung in eine normale umzuwandeln. "Wir wollen behandelt wer- den, wie andere auch", erklärte Bernd Bremen. Dazu zähle, dass die Stadt Alter- nativstandorte anbietet. Inzwischen erhärten sich auch die Vorwürfe, dass die Kündigung politisch motiviert ist.
Das frühere Mitglied der Jungen Union, Christian Studer, hat nach Angaben von Bernd Bremen gegenüber Mitgliedern der Gruppe Z den Abriss des Kastens ange- kündigt, bevor das Kündigungsschreiben seitens der Stadt auf den Weg ging.
Weitere Informationen:
Anti-Antifa
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