Aachens Antifaschisten werten den "schleppenden Verlauf" des Aufmarschs der rechtsextremen DVU in Stolberg als Erfolg ihres Protests und üben Kritik an der Polizei, durch deren "massiven Schutz" der Aufmarsch erst möglich geworden sei.
Das entschlossene Auftreten der Antifaschisten habe den Neofaschisten "klipp und klar gezeigt, dass sie auch in Stolberg nicht erwünscht sind", heißt es in einer Stellungnahme des Autonomen Antifaprojekts an den Aachener Hochschulen. Zwar seien die Rechten "gegen das Schächten" auf die Straße gegangen, doch sei das nicht aus Tierliebe geschehen, "sondern um ausländerfeindliche, insbesondere auch antisemitische Vorurteile zu schüren", sind Antifa-Leute und Tierschützer einer Meinung. Denn unter anderem Juden schächten vor bestimmten Festen Tiere, das heißt, sie lassen sie ausbluten, ohne sie vorher zu betäuben, damit das Fleisch nicht im religiösen Sinne verunreinigt, sondern "koscher" ist.
Kritik übt das Antifaprojekt an der Polizei und sieht sich darin mit vielen Stolberger Bürgern einig. Der Aufforderung der DVU "Straße frei" habe die Staatsmacht "brav Folge geleistet". Die Polizei habe nahezu alle Gegner nach und nach eingekesselt, moderat zwar, aber zum großen Unverständnis der Augenzeugen. Als "völlig überzogen" wird dabei die vorübergehende Festnahme von Antifa-Leuten bezeichnet.
Der Aufmarsch der Rechten in Stolberg ist für die Antifaschisten ein Zeichen dafür, "dass sich die Neonazis im Raum Aachen wieder verstärkt auf die Straße trauen", weil sie sich stark fühlen. Reaktion der Antifa: "Dieses Gefühl wollen wir ihnen gerne nehmen. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Jeder öffentliche Auftritt dieser Leute stellt eine Bedrohung dar, schürt Ängste, errichtet Gewalt. Diese Gewalt wollen wir mit fantasievollen Mitteln bekämpfen."
(Aachener Nachrichten, 18. Februar 2002)
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