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Ein Unwort wird gesellschaftsfähig
Rasterfahndung. Von Schläfern und anderen Unbekannten...
Ihr örtliches Raster (dc) - Es liest sich so leicht: Man nehme eine Fahndungsmethode aus den frühen Siebzigerjahren, die besonders während der RAF - Zeiten bei Polizei und Justiz sehr beliebt war, addiere noch ein paar Begriffe wie "Schläfer", "Netzwerk" und "weltweite Terrorismus- bekämpfung" und schon werden Dinge in die Wege geleitet, von denen ein Herr Herold (in den RAF Tagen Chef des Bundeskriminalamtes) nicht in seinen kühnsten Träumen hoffen durfte.
Und schlimmer noch: Sie werden von Leuten wie Otto Schily in die Wege geleitet, die vor knapp 25 Jahren als Anwälte der RAF auf das Bitterste gegen solche "Polizei-Staatsmethoden" gewettert haben. Auch der Landes-Innenminister von Nordrhein-Westfalen will da nicht hinten anstehen und gab daher jetzt eine entsprechende Pressemitteilung heraus, die vor allem eines bewirken soll: Die BürgerInnen beruhigen. Nach der Lektüre fragt man sich allerdings, ob das Alles, was da im Moment als Aktion gegen den Terrorismus daher kommt, wirklich nur dieser Sache dient. Oder nicht auch einem klammheimlichen Einzug größerer Überwachungsmaßnahmen aller BürgerInnen?
Haben Sie sich z.B. noch nie gefragt, wie man eigentlich "Schläfer" erkennen will? Am lauten Schnarchen doch wohl kaum. Aber woran denn dann? Ausser an Erkennungszeichen, die zwangsläufig auf hundert Nicht-Schläfer auch zutreffen...
"Die nordrhein-westfälische Polizei hat am Montag einen Antrag für die Rasterfahndung beim zuständigen Richter gestellt. Dessen Zustimmung ist nach dem Polizeigesetz NRW für die Datenauswertung notwendig. Mit einer Entscheidung wird am Dienstag gerechnet. Die Innenminister der Länder und des Bundes hatten zuvor einheitliche Rasterkriterien vereinbart.
"Wir wollen damit wirksam und zielgenau mögliche "Schläfer" aus dem Netzwerk von bin Laden aufspüren", sagte Innenminister Dr. Fritz Behrens in Düsseldorf.
Mit der systematisierten, von Computern unterstützten polizeilichen Fahndungsmethode sollen mögliche islamische Terroristen und Extremisten identifiziert werden. Dabei wird ein größerer Personenkreis auf eine Kombination verschiedener Merkmale untersucht. Details der Fahndungsmethode wie Einzelheiten der Verdächtigen-Profile können nicht veröffentlicht werden. Behrens: "Das ist aus polizeitaktischen Gründen nicht möglich."
Um zukünftige Terror-Akte frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, haben die Landeskriminalämter und der Verfassungsschutz in enger Zusammenarbeit ein bundesweit einheitliches Täterprofil erarbeitet. Zusätzlich wurden international alle Erkenntnisse über die Vorgehensweise der Terroristen zusammengefasst und aufbereitet. "Durch die brutalen Anschläge in den USA haben die Terroristen Spuren hinterlassen. Sie geben uns die Chance, das System der Schläfer zu entschlüsseln und zukünftige Terrorakte zu verhindern", so der Minister weiter.
"Wir können das Risiko durch Terroristen mit der Rasterfahndung nicht komplett ausschließen. Aber es lässt sich deutlich verringern", sagte Behrens. "Die Menschen können sich darauf verlassen, dass die Polizei alle rechtlichen und technischen Möglichkeit nutzt, um Terroranschläge zu verhindern." (Quelle: Innenministerium des Landes NRW)
Wie nett Herr Schwanhold das ausgedrückt hat: Einzelheiten der Verdächtigen-Profile können aus "polizeitaktischen Gründen" nicht genannt werden. Klar, ist natürlich verständlich. Sonst würden die Verdächtigen ja wissen, was sie genau NICHT tun sollten. Aber andererseits: Wer entscheidet, dass die richtigen Verdächtigen-Profile verwendet werden? Und nicht solche, bei denen möglicherweise völlig Unschuldige in Verdacht geraten. "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll hat durchaus deutlich gezeigt, wohin das führen kann…
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