Redebeitrag der Fachschaft 7/1 an der RWTH Aachen
Das Bildungssystem mit allen seinen Einrichtungen ist ein integraler Bestandteil der herrschenden Verhältnisse. Schulen und Hochschulen dienen der Disziplinierung und Aussiebung der Menschen, um sie zu bereitwilligen Arbeitsmaschinen und kontrollierbaren StaatsbürgerInnen zu machen. Ein Studium an einer Hochschule kann nur der Mensch aufnehmen, der es geschafft hat, die verschiedenen Selektionsmechanismen zu überstehen. Dabei spielen sozialer Status und Anpassungswille eine herausragende Rolle.
Mit der neoliberalen Umgestaltung des Bildungssystems stehen wir einer drastischen Verschärfung der sozialen Repression in diesem Bereich gegenüber. Studiengebühren sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.
All diejenigen, die sich dem Verwertungszwang nicht unterwerfen wollen oder nicht unterwerfen können, sollen nicht mehr dazugehören. Studiengebühren sind dabei ein effektives Mittel: sie erhöhen massiv den Leistungsdruck auf die Einzelnen. Wer sich auf dem Arbeitsmarkt später behaupten will, muß sich effizient und schnell ausbilden lassen und vor allem bereit sein, in sein persönliches "Humankapital" zu investieren.
Das Prinzip lautet: mehr Kontrolle bei mehr Ausgrenzung. Mit Langzeitstudiengebühren und Studienkonten wird auf Dauer auch das System von Überwachung und Datenerfassung den endgültigen Weg in die Hochschulen finden. Die Rasterfahndung hat dies schon gezeigt. Mit Chipkartensystemen wird auch der letzte Obdachlose aus den Mensen verschwinden, und die letzten kleinen Freiräume, einen einigermaßen selbstbestimmten Bildungsweg zu gehen, werden restlos zugemauert.
Der Staat setzt immer mehr auf verschärfte Repression im Ganzen und weniger auf soziale Integration. Diese Verschiebung bedeutet zum einen, daß der soziale Druck auf Menschen, die schon immer zu den Ausgegrenzten gehört haben (z.B. AsylbewerberInnen), zunimmt, und zum anderen bedeutet dies eine Ausweitung der Repression in Bereiche, die bisher weniger betroffen waren. So trifft es jetzt mit den Studiengebühren die Studierenden.
Eine Legitimation soll hierbei durch die Stigmatisierung von unerwünschtem Verhalten geschaffen werden: Langzeitstudis werden als "faule Sozialschmarotzer" hingestellt, die den anderen nur auf der Tasche liegen.
Die Hochschulen mutieren so zu reinen Ausbildungs- und Wirtschaftszulieferungs- fabriken. Diejenigen, die sich noch wirklich frei und selbstbestimmt bilden wollen und sich eben nicht nur ausbilden lassen wollen, oder denen das Recht auf Bildung von vorne herein verwehrt ist, weil sie nicht genug Geld haben, werden gekickt.
Gleichzeitig wird soziales oder politisches Engagement unterbunden. Denn die Bestrafung folgt auf dem Fuße. Wer nicht effizient studiert oder gar noch auf die Idee kommt, sich kritisch den herrschenden Verhältnissen entgegenzustellen, wird dafür bezahlen müssen.
Unsere Forderungen sind daher:
Für das Recht auf selbstbestimmtes Leben und Lernen für alle Menschen!
Abschaffung der Sondergesetze gegen MigrantInnen! Grenzen auf!
Bildung darf nicht zum Investitionsgut gemacht werden!
Menschen dürfen nicht zur Ware gemacht werden!
Die Neoliberalisierung von Bildungssystem und Gesamtgesellschaft stoppen!
Bundeswehr abschaffen! Bildung statt Bomben!
Eigene Strukturen aufbauen! Emanzipatorische Bildung selbst organisieren!
Kapitalismus abschaffen!
Weitere Informationen:
Dokumentation des Demoaufrufs