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Quelle: BdA - Die PrenzlbergerInnen/Prenzlberger Zündschnüre Oktober 1998
Das ehemalige "Konzentrationslager Buchenwald" aus Sicht
britischer Antifaschisten
(Aus: Fighting Talk 20-Agust '98)
Im Rahmen des Anti-Faschistischen Workcamps in Buchenwald wurden
in diesem Jahr zwei Vertreter Anti-Fascist Actions
Großbritannien von Rotkäpchen eingeladen.
Wichtigste Aufgabe der letzten Jahre
ist die Arbeit auf dem früheren Gelände des
Konzentrationslagers Buchenwald gewesen. Seit der sog.
"Wiedervereinigung versuchen deutsche Behörden, jegliche
Erinnerung an den von Kommunisten geführten Widerstand, der
in der Selbstbefreiung seinen krönenden Abschluß fand,
auszulöschen. Buchenwald ist dabei sowohl Zeugnis für
die Tatsache, daß die ersten Gefangenen des Nazi-Regimes in
den 30er Jahren ihre politischen Gegner waren wie auch Beleg
für die primitiven Versuche der gegenwärtigen Regierung,
die Wahrheit über die Millionen nicht-jüdischen Opfer des
deutschen Faschismus zu verbergen.
In Buchenwald sind die Behörden
sogar soweit vorgeprescht, ein neues Denkmal für die
"Opfer des Kommunismus" aufzustellen: für
Nazikriegsgefangene, die in Buchenwald für zwei Jahre
gefangengehalten wurden.
Buchenwald war ein industrielles
Sklavenlager für politische Gefangene, die dort im wahrsten
Sinne des Wortes zutodegearbeitet wurden, nur eine Minderheit war
jüdischen Glaubens. Es war kein reines Vernichtungslager, wie
Auschwitz und Treblinka.
Ein neu errichtetes Denkmal im alten
Teil des Lagers erinnert ausschließlich an die ermordeten
jüdischen Gefangenen. Verdrängt wird der politische
Widerstand.
Die wahre politische Absicht des Lagers erfährt jeder Mensch
gleich am Eingang. "Jedem Das Seine", eine Verhöhnung von Marx aus dem
Kommunistischen Manifest "jedem nach seinen
Bedürfnissen..."
Darüber hinaus organisiert das Antifa-Workcamp auch
Infoveranstaltungen wie z.B. Diskussionen mit überlebenden
Häftlingen, Historikern, über Befreiungsbewegungen etc.,
und in diesem Jahr eben mit Anti-Fascist Action, die versuchte,
dem alltäglichen Kampf gegen den Faschismus in der BRD eine
völlig neue Perspektive geben.
Die Diskussion entzündete sich daran, daß AFA
zunächst etwas zur eigenen Geschichte vortrug. Danach
beantwortete sie Fragen, bei der sich gravierende Fehler in der
politischen Perspektive jener ergaben, die prägender Teil der
Antifa-Bewegung in Deutschland sind. AFAs Vertreter machten sich
dafür stark, daß letzten Endes eine ernsthafte
erfolgreiche Antifa-Bewegung den Ehrgeiz und das Ziel haben
muß, die Faschisten in den Stadtteilen politisch zu ersetzen,
ihnen keine Politikfelder zu überlassen und ihre Mitglieder
aus der Klasse der Unterdrückten zu rekrutieren (meint die
ArbeiterInnen & andere, die unteren 30-40% der Gesellschaft).
Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen stimmte mit dieser
Strategie überein, v.a. aus dem Osten.
Ein Großteil der Debatte bezog sich auf AFAs Definition von
der ArbeiterInnenklasse & allen anderen Unterdrückten.
Grundlage diesen Streits ist, daß in Deutschland angeblich
keine ArbeiterInnenklasse mehr existiere
(wer macht denn dann die ganze Arbeit?!?)
und deshalb neue Bündnispartner in der Mittelklasse und bei
Minderheiten gesucht werden sollten. Damit wird das
Multikulturelle Experiment mit kämpfrischem Anti-Faschismus
vertauscht - also die Politik der Spaltung in ein radikal
klingende Floskel gehüllt.
Für diese momentan die Analyse dominierenden Antifa-Kreise
ist leichter, die Existenz einer ArbeiterInnenklasse zu bestreiten,
als sich den Problemen & Nöten der ArbeiterInnenklasse zu
öffnen. Aus diesem Grunde werden ganze Stadtteile der
ArbeiterInnenklasse von der "Linken" im Stich gelassen
und so zu unbestrittenen Hochburgen der Faschisten.
Daß diese es sich leicht machende rechte Analyse, in
linksradikalen Kreisen Deutschlands auf große Akzeptanz
stößt zeigt das ganze Ausmaß, zu dem die deutsche
Linke bereits ideologisch vor den Faschisten kapituliert hat.
AFAs These ist die, daß in Deutschland dieser ideologische
Boden von der Antifa-Bewegung zurückerobert werden muß,
und es bei der Akzeptanz rechter Ideologie für uns klar ist,
daß Widerstand von der unterdrückten Klasse gegen den
Faschismus organisiert werden muß.
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Wie es ein AFA-Sprecher ausdrückte: "Zieht
Bilanz und stellt euch die Frage: sind wir am gewinnen?
Wenn nicht, so müssen wir untersuchen warum. Ist
die hier weitverbreitete Strategie falsch, so sollten
wir sie ganz schnell ändern!"
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Begeisterte Reaktionen gabs auf AFAs Internationales Manifest v.a.
aus dem Osten. Die interessierten Gruppen aus
Berlin, Dresden, Leipzig
&
Cottbus
werden ihren Kontakt intensivieren. Ihre erste
Aufgabe wird sein, entlang des Internationalen Manifests eine
Antwort auf die besonderen Bedingungen hier in der BRD zu finden
und eine Konferenz kämpferischer Anti-Faschisten zu
organisieren. Mehrere Antifagruppen in der BRD haben Interesse
Analyse AFAs bekundet.
ROTFRONT!
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